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Aussergewöhnliche Maturaarbeiten

Kreuzlingen – Anlässlich des Besuchstags der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen wurden im Rahmen des Campuskonzerts vier Maturanden ausgezeichnet.

Vier Maturanden wurden für ihre Maturaarbeiten ausgezeichnet. (Bild: zvg)

Besuchstage haben ihren eigenen Zauber. Eigentlich dienen sie dazu, Eltern und Geschwistern zu zeigen, wie der Alltag an der PMS aussieht. Doch am Wochenende herrschte weniger eine arbeitssame als eine fröhliche Atmosphäre im alten Klostergebäude. Natürlich erlebten die Angehörigen einige echte Unterrichtsstunden, doch danach traten Musikensembles und Tanzgruppen auf. Höhepunkt des Besuchstags war unstrittig das Campuskonzert, zu dem PMS und die PH Thurgau dieses Mal unter dem Motto «I hate Music» geladen hatten. Der Titel geht auf einen Liederzyklus von Leonard Bernstein zurück, dessen hundertsten Geburtstag die jungen Musiker feierten. Das Konzert bildete den idealen Rahmen für die Auszeichnung von drei Schülerinnen und einem Schüler, die aussergewöhnliche Maturaarbeiten abgeliefert hatten.

«I hate Music» dürfte allerdings zumindest für zwei von ihnen nicht der richtige Wahlspruch sein. Tarek Alakmeh aus Kreuzlingen hat eine App für Musiker entwickelt, mit der sie ihre Fortschritte laufend überprüfen können. Er ist selbst Pianist, lernt in der spezialisierten Kunst-und-Sport-Klasse und übt jeden Tag viele Stunden. «Bisher kannte ich solche Apps nur aus dem Sport, bei Fitnesstrackern etwa». erklärt er. «Jetzt können auch Musiker erfassen, was sie wie lange üben und welche Fortschritte sie machen.» Sein Programm mit dem Namen «Apphoven» ist frei im Google Play Store herunterzuladen. (https://play.google.com/store/apps/details?id=com.apphoven.apphovenAlpha&hl=de.) Fabiana Bassetto aus Frauenfeld hat nicht nur die Geschichte der Violine erforscht, sondern auch gleich selbst eine gebaut. «Das war immer mein Traum», sagt sie, «Ich fürchtete nur, es sei zu schwierig. Schliesslich hat es mich aber doch gereizt.» Ihre herkömmlich gekaufte Geige ist ihr zwar immer noch etwas lieber, aber der Eigenbau klingt, wie sie selbst sagt, «besser als erwartet».

Anina Merz aus Weinfelden bekam die Auszeichnung für ihre medienkritische Arbeit «Spielt Wahrheit überhaupt noch eine Rolle». Sie analysiert den Einfluss von Filterblasen und Fake News auf die Demokratie. «Der Journalismus hat eine Zukunft», ist ihr optimistisches Fazit. «Er ist zu wichtig für unsere Regierungsform, aber es braucht Anpassungen.» Sophia Wentkowski aus Wigoltingen hat die vermeintliche oder tatsächliche Wirkung von Kaffee untersucht. Mit Blindstudien belegt sie, dass die Anregung durch Koffein zu einem Teil auf einem Placebo-Effekt beruht, der durch Autosuggestion ausgelöst wird. Wer glaubt, koffeinhaltigen Kaffee zu trinken, fühlt sich belebt, auch wenn er koffeinfreien bekommen hat. «Seit ich die Studie gemacht habe, trinke ich in der Mensa keinen Kaffee mehr», lacht Sophia. «Der wirkt bei mir nicht mehr.»

Die vier Maturanden haben sich mit ihren Arbeiten gegen 13 andere Bewerber an der PMS durchgesetzt, die ebenfalls alle die Bestnote «6» bekommen hatten. Die Jury hatte es dementsprechend schwer sich zu entscheiden. Für die Stiftung für Jugendförderung im Thurgau, die das Preisgeld ausgesetzt hat, ist auch die hohe Teilnehmerzahl ein grosser Erfolg, wie Stiftungsrat Bernhard Friedrich in seinem Grusswort sagte: «Ihr habt auf viel Freizeit verzichtet und gut in eure weitere Laufbahn investiert. Derart zielstrebige und fleissige junge Menschen zu unterstützen, ist erklärtes Ziel der Stiftung.»

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