/// Rubrik: Stadtleben

Die zwei Seiten der Verkehrsführung

Kreuzlingen – Ab Montag darf man wieder von allen Seiten in den Boulevard hineinfahren. Für die Fraktion der Gewerbetreibenden im Gemeinderat war dieser Entscheid längst überfällig. Andere Parlamentarier bemängelten hingegen die Standhaftigkeit des Stadtrats.

Stein des Anstosses: Das Verbotsschild auf dem Boulevard. (Bild: ek)

Theatralisch stellte Gemeinderat Beat Rüedi (FDP) ein Blatt Papier in der Mitte des Rathaussaals auf den Kopf und liess es umkippen. «Etwa gleich standhaft war der Stadtrat bei der Entscheidung zur Versuchsphase auf dem Boulevard», erklärte Rüedi die Symbolik hinter dem umgefallenen Blatt. Nachdem der Termin für die Umfrage zur Lage auf dem Boulevard bereits vorgezogen wurde, beendet man nun knapp vier Monate nach Start der Testphase die Verkehrsführung bereits wieder.

«Ich bin enttäuscht vom Entschluss. Die Gewerbetreibenden haben geblasen und der Stadtrat ist sofort umgekippt», so Rüedi weiter. Es gebe noch andere Akteure, welche die Hauptstrasse benutzen. Für die sei der Verkehrsrückgang deutlich spürbar gewesen. Und nach so einer kurzen Versuchszeit könnten noch keine gesicherten Erkentnisse gewonnen werden, führte er weiter aus.

Toleranzgrenze erreicht
Den gesperrten Boulevard nicht viel länger mit ansehen können, hätte Gemeinderätin Vincenza Freienmuth (FDP). «Die Versuchsphase war lang genug für uns Detaillisten», sagte die Geschäftsführerin des Sanitätshauses Karl Steuer. Sie und ihre Kollegen am Boulevard haben die Entscheidung deshalb sehr begrüsst. Die Aufhebung des Verkehrsregimes sei der einzige Weg, um weiter geschäften zu können. «Ich kann nicht nachvollziehen, dass solche Experimente gemacht werden. An dieser Verkehrsführung hängen Existenzen daran», so Freienmuth. Die Toleranz der Gewerbler sei aufgebraucht gewesen und der Stadtrat habe richtig agiert.

Keine grenzenlose Solidarität mit dem Gewerbe
Von einer erreichten Toleranzgrenze sprach auch Daniel Moos (Freie Liste) und drohte den Händlern fast schon: «Auch unsere Solidarität mit den Kreuzlinger Gewerbetreibenden ist nicht grenzenlos belastbar.» Der Mit-initiant sprach von einem Affront seitens des Stadtrats gegenüber den 940 gesammelten Unterschriften für einen autofreien Boulevard. Die Entscheidung der Stadtregierung fusse nur auf der durchgeführten Umfrage, andere Interessengruppen wurden nicht angehört. So war er sehr überrascht über das vorzeitige Ende.

Am runden Tisch, an dem Detaillisten, Initianten und Quartiervereinsmitglieder über die Zukunft des Boulevards diskutieren, habe nichts auf das vorzeitige Ende hingedeutet. Auch er kritisierte die kurze Versuchsdauer. «Nun werden wir nie wissen, ob sich die neue Verkehrsführung bewährt hätte», so Moos. Denn für ihn ist unbestritten: um mehr Aufenthaltsqualität auf dem Boulevard zu schaffen, müsse der Verkehr abnehmen.

Gemeinderat Marc Portmann (FDP) vom gleichnamigen Tabakwarengeschäft unterstützt seine Kollegen an der Hauptstrasse. «Seit Jahrzehnten wird über die Haupstrasse diskutiert. Was will man den Gewerbetreibenden am Boulevard noch alles zumuten?», fragte Portmann.
Er unterstrich gleichzeitig, dass die Rufe nach einem Ende der neuen Verkehrsführung auch aus der Bevölkerung sehr laut gewesen seien. Um den Boulevard zu beleben, müsse man ihn nicht dauerhaft verkehrsfrei machen. Sensationelle Anlässe wie das «Chrüzlinger Fäscht» würden das beweisen. Emil Keller

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Ein Gedanke zu „Die zwei Seiten der Verkehrsführung

  1. Walter Weiss

    https://www.zeit.de/2018/19/madrid-verkehrspolitik-luftverschmutzung-strassenplanung-zukunft

    Zukunftsfähige Verkehrskonzepte sind dem Kreuzlingner Kleingeist nicht zu vermitteln, hier muss der Bauer noch samt Traktor ins Geschäft fahren dürfen, um ein paar neue Gummistiefel kaufen zu können. Ich meide den sogenannten Boulevard grundsätzlich, da es für einen entspannten Einkauf eine Fussgängerzone braucht. Dann doch lieber gleich nach Konstanz oder Züri.

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