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Ein Held von Worten und Degen

Konstanz – Die Geschichte eines Dichters, der sich seines Aussehens wegen geniert: Auf dem Münsterplatz in Konstanz wird heute die Premiere von Cyrano de Bergerac aufgeführt.

Cyrano de Bergerac inmitten eines Fechtkampfes auf der Freilichtbühne auf dem Münsterplatz in Konstanz. (Bild:Ilja Mess/Theater Konstanz)

«Die Geschichte des französischen Gardeoffiziers aus der Gascogne handelt von einem Thema, das heute genau so aktuell ist wie 1897. Die Menschen getrauen sich nicht direkt ‹Ich liebe dich› zu sagen», erklärt Mark Zurmühle, Regisseur der Inszenierung. «Früher sendete man Briefe und heute postet man Liebeserklärungen im Internet.» Neben der Liebe und dem Drama wird auch auf das Thema Traum angespielt. Dafür steht auch das diesjährige Bühnenbild. Was aussieht wie eine riesige, weisse Hüpfburg in Schlossformat steht für die Luftschlösser, die während dem Stück gebaut werden.
Cyrano de Bergerac ist ein Dichter mit durchaus spitzer Zunge. Doch seiner Angebeteten Roxane kann er seine wahren Gefühle nicht gestehen. Aufgrund seiner grossen Nase fühlt er sich hässlich und der Dame seines Herzens nicht würdig. Deshalb schickt er einen Schönling, der mit der Hilfe von Cyranos Worten das Herz der schönen Roxane erobern kann.

Degen-und Mantelszenen
«Das Stück ist alt und modern gleichzeitig», so Zurmühle. «Degen- und-Mantel-Szenen dürfen nicht fehlen und davon wird es genügend geben», verrät der Regisseur. In der Inszenierung wird Cyrano de Bergerac so manchen Rivalen in einem Fechtkampf in die Knie zwingen. «Die Darsteller freuten sich sehr auf das Training mit dem Degen», erzählt Daniel Grünauer, Dramaturg am Theater Konstanz. «In der Schauspielschule gehört Fechten zur Ausbildung.» Neben Cyrano und den drei Musketieren gebe es dochnur wenige Stücke mit Fechtkämpfen. «Natürlich wird auf der Bühne nur das ‹Bühnenfechten› praktiziert. Doch obwohl die Degen nicht geschliffen sind, haben sie Ecken und Kanten», so Grünauer.
Neben professionellen Darstellern gibt das Freilichttheater auch den Anwohnern von Konstanz die Chance, ein Teil des Stücks zu sein. «Wir haben Castings gemacht und wieder einige tolle Darsteller gefunden», sagt Zurmühle. Als Ziel setzte er sich, dass jeder mindestens einen Satz zu sagen hat. Neben dem Text, der hauptsächlich in Versform vorgetragen wird, sind viele verschiedene Kostüme aus diversen Epochen zu sehen. «Insgesamt reden wir von 116 Kostümen», sagt Nic Tillein, Ausstatterin und Kostümbildnerin. Die Kostüme wurden sehr detailliert angefertigt. So werde dem einen oder anderen beispielsweise auffallen, das Cyranos Degen einen verzierten Griff hat, während die Degen der jüngeren Soldaten sehr einfach gebaut sind. Ein weiteres wichtiges Objekt im Stück ist die grosse Nase des Cyrano. «Er wird eine sichtbar grosse Nase haben, das ist bereits klar. Wie wir diese fest machen, wird sich noch zeigen», so Tillein.
Neben dichterischen Texten und epischen Fechtkämpfen wird viel Musik zu hören sein. «Wir nutzen die Musik als ein Transportmittel», so der Leiter der Regie. Bei der gespielten Livemusik handelt es sich um bekannte Stücke. «Unter anderen werden Lieder von Bob Dylan, David Bowie und Britney Spears gespielt. Gesungen wird auch durch die Darsteller.»

Kurze Probezeit ist normal
Die Probezeit bis zur Premiere auf dem Münsterplatz ist auf fünf Wochen beschränkt. «Es ist sportlich berechnet, aber wir haben jedes Jahr nur fünf Wochen», erklärt Zurmühle. Für die Vorstellungen gibt es keinen alternativen Spielort. «Wenn es keine Regenfront gibt, werden die Stücke aufgeführt», sagt Grünauer. «Mit den elektronischen Geräten ist es heutzutage kein Problem mehr bei etwas Regen zu spielen.»
Das Originalstück Cyrano de Bergerac wurde im Jahr 1897 von Edmond Rostand in Französisch geschrieben. Für die Aufführung in Konstanz wurde das Stück in langwieriger Arbeit übersetzt und wesentlich gekürzt. «Anfänglich waren es 200 Seiten, nun sind es noch 75», so Grünauer.
Die Premiere des Freilichttheaters ist heute Abend. Das Stück wird bis zum 27. Juli vorgeführt. Weitere Informationen gibt es unter www.theaterkonstanz.de

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