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Der Spiegel als Schlüssel zum Portrait

Kreuzlingen – Im Museum Rosenegg wird heute die Sonderausstellung von Jürg Ganz eröffnet. Um 19 Uhr findet die Vernissage statt.

Der Kunstsammler Jürg Ganz steht rechts vom einzigen Portrait in der Ausstellung, in dem ein Lächeln zu sehen ist. (Bild: jz)

«Es sind 97 Werke von 85 Künstlern ausgestellt», erklärt Kuratorin Lucia Angela Cavegn. Für rund zweieinhalb Monate wird das Museum Rosenegg die Sonderausstellung «Künstlerische Selbstbilder» beherbergen. Alle Bilder dieser Ausstellung gehören Jürg Ganz. Er ist Sammler und hat sich auf Selbstportraits spezialisiert. «Man findet hier nicht die komplette Sammlung», erklärt Cavegn. «Jürg Ganz hat ein Schaulager in Frauenfeld, dort bewahrt er alle Werke auf.» Über die genaue Anzahl seiner Bilder ist der Sammler nicht sicher, aber rund 150 Bilder sind in seinem Besitz.
«Ich war oft an Ausstellungen und Auktionen, und man kauft sich Bilder, aber irgendwann ist die Wohnung voll und was dann?», erzählt Ganz. So sei er auf die Idee gekommen, sich auf etwas zu spezialisieren. Seit 35 Jahren sammelt er Selbstportraits von Schweizer Künstlern. Für einige war es sogar der Heimwehbasler höchsteigen, der den Künstlern die Idee gab, sich selbst zu zeichnen.

In jedem Raum eine Frau
Die Ausstellung ist in verschiedene Räumen aufgeteilt. Im Eingangsbereich hängen bereits die ersten Werke. Als erstes Bild der Ausstellung sieht man Ottilie von Roederstein. Für die Kuratorin war es wichtig, dass in jedem Ausstellungsraum mindestens ein Frauengesicht hängt. «Sich selbst hat die Frau aus Zürich mit Beret und Malerkittel dargestellt,» erklärt die Kuratorin. Neben den verschiedenen Malstilen ist ein Portrait auch immer ein Selbstbild. Fremd- und Eigenwahrnehmung können dabei sehr unterschiedlich sein.
Ein oft genutztes Werkzeug unter den Künstlern ist der Spiegel. Deshalb dürfen die Besucher selbst aktiv werden. Vor einem Spiegel platzierte die Kuratorin ein Stehpult mit einem leeren Schreibheft. «Wie im Schaulager von Herrn Ganz dürfen die Gäste hier versuchen sich selbst zu zeichnen», erklärt Cavegn. «Der Spiegel ist der Schlüssel zum Selbstportrait», ergänzt Jürg Ganz. «Wenn jemand ein Selfie macht, braucht es wenige Sekunden und ein Selbstbildnis ist erstellt. Aber wenn man ein solches malt, muss man sich selbst mehrere Stunden genauestens anschauen und studieren. Das gefällt nicht allen.» In der Ausstellung fällt auf, das die meisten Mundwinkel eine Tendenz nach unten haben. «Lediglich ein einziger Künstler malte sich mit einem zufriedenen Lächeln», so Ganz. Die Rede ist vom Künstler Georges Troxler. Er malte sich selber rauchend und mit Hut.
Jürg Ganz stammt aus einer Künstlerfamilie und bekam das Interesse an der Kunst in die Wiege gelegt. Als Fotograf und Denkmalpfleger des Thurgaus sorgte er dafür, dass einiges an regionaler Kunst bestehen blieb. «Ich male auch selber Bilder, aber für ein Selbstportrait hat es nicht gereicht», erzählt der Pensionär.
Die Sonderaustellung «Künsterlische Selbstbilder» ist vom 29. Juni bis 16. September im Museum Rosenegg zu sehen.

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