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Boulevard-Initianten sind enttäuscht

Kreuzlingen – Die Initianten «für einen autofreien Boulevard» zeigen sich ob der Entscheidung des Kreuzlinger Stadtrats zur Aufhebung der Versuchphase auf dem Boulevard überrascht. Sie sehen die Bedingungen, unter welchen ihre Initiative damals zurückgezogen wurde, als nicht erfüllt.

Stein des Anstosses: Das Verbotsschild auf dem Boulevard. (Bild: ek)

Wie der Kreuzlinger Stadtrat in seiner Medienmitteilung vom 14. Juni verlauten liess, wird die einjährige Versuchsphase des neuen Verkehrsregimes im Boulevard vorzeitig abgebrochen. Die Signalisation wurde bereits am Montag, 25. Juni 2018 entsprechend geändert. Jetzt gilt wieder das Verkehrsregime der Begegnungszone mit einer max. Geschwindigkeit von 20 km/h. Diese aus unserer Sicht völlig überstürzte Entscheidung seitens des Stadtrates war aufgrund der präsentierten Fakten an der Sitzung des Runden Tisch vom 11. Juni 2018 und dem Sitzungsverlauf für das Initiativkomitee nicht vorhersehbar und kam somit völlig überraschend. Das sich der Stadtrat gemäss seiner Medienmitteilung bei seiner Entscheidung nur auf eine Umfrage abstützt, gleichzeitig aber andere Aspekte wie Verkehrssicherheit, Verkehrsflüsse und Aufenthaltsqualität ausser Acht lässt, ist für die Initianten nicht nachvollziehbar und lässt darauf schliessen, dass die oben erwähnten Fakten zu wenig gewürdigt wurden. Dadurch ist die Hauptbedingung für den Rückzug der «Initiative für einen autofreien Boulevard», die Durchführung der einjährigen Versuchsphase des erarbeiteten Verkehrsregimes, welche nun durch den Stadtrat bereits nach rund vier Monaten abgebrochen wurde, nicht erfüllt. Die Möglichkeit den Versuch abzubrechen wurde in den vom Gewerbeverband, Quartierverein, Initianten und Stadtrat unterzeichneten entsprechenden Vereinbarungen mit keinem Wort erwähnt. Aus unserer Sicht verstösst das Vorgehen des Stadtrates gegen die in der Verfassung verbrieften Grundprinzipien von Treu und Glauben.

Gemäss einem Schreiben des Stadtrates vom 27. Juni 2018 versichert der Stadtrat, dass nun gestalterische Massnahmen ausgearbeitet und umgesetzt werden müssen, damit die Aufenthaltsqualität im Boulevard/Zentrum gesteigert werden kann. Der Stadtrat möchte, gemäss seiner Anfrage, den Runden Tisch weiter einbinden und Anfang September eine Sitzung organisieren. Es ist erfreulich, dass der Stadtrat das vorrangige Ziel der Initianten unterstützt und die Aufenthaltsqualität auf dem Boulevard erhöhen möchte. Ob rein gestalterische Massnahmen dazu ausreichen, bleibt allerdings fraglich.

Wir verschliessen uns grundsätzlich nicht weiteren Gesprächen mit dem Stadtrat, dem Quartier- und dem Gewerbeverein. Allerdings müssten die Leitplanken, der Auftrag und der Stellenwert des Runden Tisch zuerst klar definiert sein. Die gemachten Erfahrungen mit dem überstürzten und vorzeitigen Abbruch des Versuchs lassen uns zweifeln, ob ein Weiterführen des runden Tisches in der jetzigen Form noch zielführend ist. Über den Verbleib am runden Tisch entscheiden die Initianten sobald der Stadtrat Klarheit bezüglich unserer Bedenken schafft. Gleichzeitig prüfen wir alternative Wege, den 942 Unterstützern unserer Initiative, beziehungsweise auch jenen welche die verbesserte Aufenthaltsqualität auf dem Boulevard und die Reduktion des Autoverkehrs im Bodanquartier Ost während der Versuchsphase geschätzt haben, das entsprechende Gehör zu verschaffen.

Für das Initiativkomitee : Brigitta Engeli, Jost Rüegg, Daniel Moos

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One thought on “Boulevard-Initianten sind enttäuscht

  1. Bruno Neidhart

    Die einzige Möglichkeit, Kreuzlingen in seinem historischen Stadtkern nach innen und aussen neu zu definieren, ist eine attraktivere Gestaltung der geschäftlichen, kulturellen und öffentlichen – auch behördlichen! – Anlaufstellen. Je breiter und vielfältiger diese auf das Leben an der Hauptstrasse und ihrer unmittelbaren Umgebung ausgerichtet sind, umso lebendiger wird sich das erklärte Zentrum positiv rückentwickeln. Daran führt kein Weg vorbei. Schon gar nicht über das blosse Pseudonym „Boulevard“. Im Zusammenhang mit der beschriebenen Attraktivitätssteigerung in den drei Hauptsegmenten „Gewerbe-Kultur-Öffentlichkeit“ sind die Zugangsbedingungen mit entscheidend, wenn das Zentrum als „attraktiv“ sowohl von Einheimischen, wie Besuchern aufgenomme werden soll. Damit rückt die Verkehrsfrage „Auto-Bus-Rad-zu Fuss?“ mit ins Zentrum des Versuchs, eine lebendige Stadtmeile zu prägen. Die Bedürfnisse unterschiedlicher Personenkreise sind vielfältig, entsprechend auch die verkehrstechnischen Bedingungen, welche auf diese Bedürfnisse auszurichten sind. Die Spannweite möglicher verkehrsbedingter Einschnitte reicht entsprechend von „offener Verkehr für alle Verkehrsarten“, bis hin zu einer veritablen „verkehrsfreien Zone“ (wobei letztere immer nur mit Einschränkungen funktioniert). Das Ausprobieren isolierter Verkehrsregelungen ist solange eine risikoreiche Massnahme, wie sich die Grundbedingung einer Attraktivitätssteigerung in den drei beschriebenen „Hauptsegmenten“ nicht deutlich auf ein Lebendigerwerden als Zeichen eines tatsächlichen Aufbruchs konkret abzubilden beginnt. Dann erst können sich Verkehrsmassnahmen aufdrängen, welche durch eine Verdichtung eines lebendigeren Zulaufs an der Hauptstrasse ohne enorme Rückwirkungen auf die erreichte Attraktivität ergeben können. Für radikale Verkehrsmassnahmen ist Kreuzlingen (noch) zu klein. Eine Grossstadt kann dagegen aus dieser Sicht Prioritäten setzen, ohne an Attraktivität zu verlieren. Für Kleinstädte besteht diese Möglichkeit nur dann, wenn sie touristisch als Anlaufpunkt präsent sind. Die Vorstellung, „verkehrfrei“ gleich „attraktiv“, ist derzeit in Kreuzlingen auf deden Fall mehr als zu hinterfragen! Dazu ist die „Gesamtproblematik Hauptstrasse“ zu komplex.

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