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Ohne Präsident chaotisch und am Kindeswohl vorbei

Leserbrief – Während rund 2000 Kinder in Kreuzlingen heute ihren letzten Schultag vor den Sommerferien haben, wird es für viele Kinder auch der letzte Schultag mit ihren bisherigen MitschülerInnen sein. (Familie Den Dekker und Familie Wecker)

(Symbolbild: S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Sie werden zu Beginn des neuen Schuljahres in andere Schulzentren verteilt, obwohl in vielen Fällen die Klassengrössen der anderen Schuleinheiten gleich gross sind und Geschwisterkinder in einem anderen Schulhaus beschult werden. Vordergründig werden der anhaltende Zuzug von Familien und der Neubau von Wohnanlagen aufgeführt.

Während man über die Sinnhaftigkeit des «Kinder-Schiebens» bereits streiten kann, ist die Art und Weise, wie dies geschehen ist, deutlich zu kritisieren. Erst zu Beginn der Vorsommerferien erhielten die Familien ein Standard-Schreiben der Schulleitungen mit der Information der Umteilung. Statt Betroffene zu Beteiligten des Verfahrens zu machen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wurden so die Familien in einer Bombenwurf-Strategie vor vollendete Tatsachen gestellt. Mit Beginn der Ferien waren die zuständigen Stellen auch erst mal nicht erreichbar. Auch danach lief die Kommunikation schleppend, die betroffenen Familien wurden nicht ernst genommen und Gesprächsangebote abgelehnt, immer wieder wurden Sachgründe vorgeschoben und die Angst vor einem Präjudizfall erwähnt.

Die Vermutung liegt nahe, dass die derzeit führungslose Kreuzlinger Schulbehörde (der Schulpräsident ist erneut nicht verfügbar) in Zusammenarbeit mit den Schulleitungen mit der stadtweiten Zuteilung der Kinder überfordert ist. Die demografische Entwicklung und damit auch die Entwicklung der Kinderzahlen kommt dabei nicht über Nacht. Diese ist anhand langfristiger Trends absehbar und planbar. Durch eine wohlüberlegte Zuteilung der Kinder bereits bei der Einschulung könnten viele Probleme vorgebeugt werden. Der Blick nach Tägerwilen zeigt zudem, dass es auch anders geht. Die Bevölkerungsentwicklung wird dort proaktiv verfolgt und neue Klassen werden bereits ab 13 Kinder eröffnet. Die Kreuzlinger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sollten daher bei der nächsten Wahl genau darauf achten, wie die jeweiligen KandidatInnen die Behörde bereichern möchten und was in Zukunft wirklich das Primat der Schulbehörde sein soll: Kindeswohl oder Regelwahn.

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7 thoughts on “Ohne Präsident chaotisch und am Kindeswohl vorbei

  1. Katharina Möschberger

    Dieses Vorgehen der Schuleinteilungen ist nicht neu. War schon vor dem jetzigen Schulpräsident so. Erst überlegen, dann maulen. Das geht unter Mobbing gegen den jetzigen Präsidenten. Interessant auf welches Niveau sich manche runterlassen.

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    1. Spada Mirko

      Ich war drei Jahre in der Schulbehörde, ich kenne den jetzigen Schulpräsidenten sehr gut. Auch bin ich überzeugt, dass die jetzigen Schulleiter alles geben, eine optimale Lösung zu finden. Immer wieder Schade, wie Eltern mit Unwissen sich einmischen wollen. Das geht zu weit. Schade.

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  2. Den Dekker- Reichmuth Maya

    Sehr geehrte Frau Möschberger

    Es handelt sich bei diesem Artikel ganz klar um die Behörde OHNE Präsident. Wenn Sie den Artikel genau studiert hätten, wäre Ihnen dies sicherlich aufgefallen. Gesprächsangebote wurden ignoriert und die Kinder in Schuleinheiten umgeteilt die gleich grosse Klassengrössen haben. Wir stehen zu unserem Präsidenten, den wir gewählt haben und immer noch unterstützen. Wenn es irgendwo mobbing geben sollte, dann sicherlich an anderen Orten.
    MfG, M. den Dekker- Reichmuth

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    1. Bruno Neidhart

      Eine richtige Klarstellung von M. den Dekker-Reichmuth! Es ging in ihrem Leserbrief, der wiedermal eine erfreulich offene Sachdiskussion im Internet ermöglicht, nicht um einen „noch Schulpräsidenten“. Das ist eine andere, sich nun abzeichnende Ebene der Auseinandersetzung, die einer Verständigungslösung bedarf.

      Zum Leserbriefthema zurück: Tatsächlich ist eine Vorausschau auf demografische Entwicklungen sowohl für die Schülerzahl für einzele Schulhäuser/Stadtquartiere, wie auch für die Ausbildung/Anstellung einer entsprechenden Zahl von Lehrkräften ein wesentlicher Bestandteil von Schulpolitik. Ich nehme an, dass die Schulbehörde sich dessen schon bewusst ist. Ein Vergleich mit dem kleinen Tägerwilen kann anregend sein, doch erscheint die Sachlage in Kreuzlingen bereits durch die weit grössere Anzahl von Schulhäusern schon einiges komplexer zu sein.

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  3. Jerry Weiss

    Was das mit den beiden Vizepräsidien und dem Kindeswohl zu tun hat ist mir ein Rätsel. Bereits vor 30 Jahren fuhren meine ehemaligen 6.-Klass-Gspändli am ersten Schultag in der Realschule mit dem Velo ins Egelsee und wurden dort den Klassen zugeteilt. Einige konnten grad bleiben wo sie waren, andere mussten nach Kurzrickenbach radeln, weil sie dort eingeteilt wurden. Mir ist nicht bekannt, dass ob dieser Praxis irgendjemand Schaden genommen hätte. Und das obwohl die Klasseneinteilung erst am ersten Schultag bekannt war!
    Es geht Ihnen vermutlich weniger um das Kindeswohl, als viel mehr um das Elternwohl. Es ist Ihnen hoch anzurechnen, dass Sie sich für die Interessen Ihrer Kinder so ins Zeug legen. Nur bitte, bitte verlieren Sie nicht das Augenmass. Sprechen Sie einmal mit einem Schulleiter und erkundigen Sie sich, wie schwierig die Stundenplangestaltung tatsächlich ist. Wie stellen Sie sich vor, soll in vernünftiger Zeit eine Einteilung geschehen, wenn man bei 2000 Kinder zuerst im Gespräch mit den Eltern nach Lösungen suchen müsste? Und nicht zuletzt, engagieren Sie sich politisch, wenn Sie etwas verändern wollen, statt hier nur ein wenig heisse Luft von sich zu geben. Ich zähle auf Sie und freue mich, wenn die Kreuzlinger Parteien-Landschaft um die Familien Den Dekker und Wecker ergänzt wird.

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    1. Beni Merk

      Lieber Herr Weiss.
      Ihr Vergleich hinkt dann doch ein wenig. Es geht in beschriebenem Fall – zumindest soweit ich das verstehe – darum, dass zwei Kinder der selben Familie, welche die gleiche Schulstufe besuchen, zwei verschiedene Schulzentren besuchen müssen. Und nicht darum, ob man den Kindern etwas zumuten kann und darf. Dass die Einteilung und die Klassen nicht mehr am ersten Schultag stattfindet, scheint mir übrigens schon ein kleiner Fortschritt zu sein. :)
      Ich habe grosses Verständnis für die Arbeit der Schule und deren Mitarbeiter – dass eine Einteilung von mehreren Kindern in unterschiedliche Schuleinheiten erfolgt, macht aber trotzdem wenig Sinn und stösst bei den betroffenen Eltern und Kindern auf wenig Verständnis. Oder sehen Sie da einen Vorteil für eine der betroffenen Seiten? Und wenn wirklich unumgänglich, dann könnte man den Prozess besser kommunizieren.
      Ob das etwas mit der aktuellen Situation rund um die Behörde und den Präsidenten zu tun hat, kann ich nicht beurteilen.

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      1. Jerry Weiss

        Lieber Herr Merk
        Auch hier: Bereits vor 30 Jahren gab es solche Situationen, auf der Primarschulstufe. Ich habe das selber in meiner Familie erlebt. Ich im Schulhaus in Kurzrickenbach, mein 20 Monate älterer Bruder im Schreiber. Sie erkennen es im Übrigen richtig, es geht nicht um das Kindeswohl, wie es der Titel des Leserbriefes vermuten lässt sondern eben um das Elternwohl.

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