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Zur Kreuzlinger Schulaffäre

Leserbrief – Im April 2015 wählte eine überzeugende Mehrheit von Kreuzlinger Stimmbürgern René Zweifel zum Schulpräsidenten. Kurz darauf engagierte er sich erfolgreich für das Thermalbad Egelsee. (Xaver Dahinden, Kreuzlingen)

(Bild: pixelio)

Die Schule mit Tagesstruktur wurde eingeführt. Die Angestellten der Schulgemeinde spürten sein Bemühen, eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens aufzubauen. Das Verhältnis zu den städtischen Stellen konnte er entkrampfen und konstruktiv gestalten. In einem Mail der Schulbehörden vom vergangenen Samstag wird er zum Rücktritt aufgefordert und der Unfähigkeit bezichtigt. Gleichzeitig berufen sich die Verfasser in zynische Weise auf den Personenschutz für den Schulpräsidenten. Dieses Schreiben an alle Mitarbeiter der Kreuzlinger Schulgemeinden wird für die Behörde zunehmend zum Bumerang. Deren  Kommunikationsstrategie (sofern es eine gibt) wirkt planlos und unbeholfen. Das Vorgehen der aktuellen Vorsteherschaften (ohne Präsident) ist äusserst ungeschickt. Formal und inhaltlich ist die Mitteilung unbefriedigend, teilweise nichtssagend und naiv, das Selbstlob geradezu belustigend.

Die Gründe für die Rücktrittsforderung bleiben im Dunkeln – dies ist der klassische Nährboden für Gerüchte. Die intransparente Kommunikation und das Versteckspiel befremden. Die Behörde gesteht mit dem Text ein, dass es ihr als Ganzes nicht gelungen ist, Differenzen und Unzulänglichkeiten kollegial in den Griff zu bekommen und ihre eigenen Probleme zu lösen. Damit erfüllt sie den Auftrag der Wählerschaft nicht. Angestellte und Lehrkräfte reagieren auf diese überraschende Mitteilung mit Unverständnis. Die Vorsteherschaften verbieten ihnen mit erheblichem Druck öffentliche Stellungnahmen. Wer sich nicht an diesen Maulkorb hält, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Dabei müsste der öffentliche Druck in die andere Richtung laufen: Nur wenn die Behörde die Gründe für ihre Rücktrittsforderung schnellstens auf den Tisch legt, kann sie vielleicht ein Stück Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Die Wähler haben ein Recht auf diese Offenlegung.

Die Schulbehörden riskieren mit ihrem Vorgehen eine Krise, aus der nur Verlierer hervorgehen: der Schulpräsident, die Schulgemeinde und ihre Gremien, die Schule als solche, die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, das politische System, die Parteien, die politische Kultur, auch das Image der Stadt. Ist es zum Wohl der Schule Kreuzlingen, wenn René Zweifel zurücktritt? Wie sollen die Lehrkräfte mit der verbleibenden Laienbehörde, die so handelt, eine gute Schule realisieren, in welcher Werte wie Ehrlichkeit, Kollegialität und Sozialkompetenz noch gelten? Der Schulpräsident wurde im Februar 2017 mit über 90 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Können ein paar Behördenmitglieder diesen Volksentscheid einfach aushebeln? Wenn der Präsident zurücktritt, sollten dies die übrigen Behördenmitglieder auch tun. Sie sind nicht in der Lage, den Volkswillen umzusetzen. Das wäre dann der geforderte personelle Neuanfang.

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