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Das Verkehrskind im Stich gelassen

Kreuzlingen – Enttäuscht und verärgert zeigen sich die Kreuzlinger SP-Politiker über den frühzeitigen Abbruch der Verkehrsführung rund um die Hauptstrasse. Sie wünschen sich nun schnell die versprochenen baulichen und ästhetischen Veränderungen am Boulevard.

Die SP-Vertreter beobachten die Entwicklungen auf der Haupstrasse ganz genau: (v.l.) Walo Abegglen, Cyrill Huber und Markus Brüllmann. (Bild: ek)

Der Durchgangsverkehr brummt wieder auf der Hauptstrasse, an ein müheloses Queren der Verkehrsachse ist nicht zu denken. Dass es auch anders geht, haben die vergangenen vier Monate mit der nördlichen Sperrung des Boulevards gezeigt.

Die SP Kreuzlingen ist deshalb alles andere als erfreut über den vorzeitigen Abbruch der Versuchsphase durch den Stadtrat. «Der Begriff Boulevard ist für uns mittelfristig gestorben», erklärt Walo Abegglen seine Ansicht, dass täglich 8000 Autos nichts mit Aufenthaltsqualität gemein haben. Zwar sehe er ein, dass der Druck seitens Gewerbe auf den Stadtrat enorm hoch gewesen sei. Das SP-Mitglied spricht deshalb von einem «nachvollziehbaren Fehlentscheid». Denn dass die Verkehrsführung einen schweren Stand haben werde, habe sich schon im Vorfeld abgezeichnet. «Das ganze glich von Anfang an einer Abbruchübung», urteilt Abegglen.
Noch weiter geht Cyrill Huber und spricht von einem plötzlichen Kindstod. «Die Versuchsanordnung hatte von Anfang an ein negatives Image», so Huber. Die flankierenden Massnahmen haben gefehlt, damit das neue Verkehrsregime hätte gedeihen können. «Wir sind wieder bei Null angekommen», zeigt sich auch Markus Brüllmann enttäuscht über den derzeitigen Leerlauf bezüglich Boulevard.

Die nach dem Abbruch vom Stadtrat versprochenen baulichen und gestalterischen Massnahmen würde die SP deshalb lieber heute als morgen auf der Hauptstrasse realisiert sehen. «Keine ewige Planerei, jetzt muss etwas passsieren», fordert Abegglen.

Ein Platz zum Verweilen statt Durchgangsstrasse
Ein Patentrezept haben aber auch die drei Sozialdemokraten nicht im Gepäck. Sie berufen sie sich auf ihr Diskussionspapier «Aufwertung Hauptstrasse», welches sie von Professor Klaus Zweibrücken bereits 2013 haben anfertigen lassen. Darin wird vor allem angeregt, die Längsparkierung aufzuheben. Dies führe zu einer Korridorbildung und beschleunige den Verkehr.

Auch sollte sich der Belag deutlich vom normalen Strassenbild abheben. «Dadurch merken Autofahrer sofort, dass sie nun in eine Begegnungszone einfahren», beschreibt Huber seine Vision für eine verkehrsberuhigte Hauptstrasse. Am wichtigsten ist ihnen jedoch, dass nun Fachplaner ans Werk gehen. Denn das viel kritisierte Verkehrsregime war ja keine Idee der Stadtverwaltung, sondern ein Kompromiss verschiedener Interessengruppen. Der Runde Tisch müsse deshalb erst wieder in einer zweiten Phase zum Zug kommen.

Die Chronik einer Umgestaltung
Mai 2009: Klarer Volksentscheid über 3,85 Mio. Franken zur Umgestaltung der Haupstrasse.
Mai 2011: Eröffnung Boulevard.
Mai 2013: Initiative «autofreier Boulevard» kommt zustande.
Juli 2014: Ein runder Tisch soll eine Kompromisslösung finden.
Nov. 2014: Die Initiative wird zurückgezogen. Der Versuch einer neuen Verkehrsanordnung wird vom Stadtrat abgesegnet.
Ab 2015: Das neue Verkehrsregime wird durch Einsprachen blockiert. Erst 2017 heisst das Bundesgericht die neue Signalisation gut.
Feb. 2018: Die Verkehrsführung wird als Versuch installiert.
Mai 2018: Das Gewerbe fordert einen Abbruch der Versuchsphase. Die geplante Umfrage bei Detaillisten und Einwohnern wird vorgezogen.
Juni 2018: Die Ergebnisse der Umfrage liegen vor. Der Stadtrat entscheidet sich für einen Abbruch der Versuchsphase.

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One thought on “Das Verkehrskind im Stich gelassen

  1. Bruno Neidhart

    Es gehört sich nicht, bei diesem Thema von einem „plötzlichen Kindstod“ zu reden. Dieser Vergleich ist absolut fehl am Platz. Das sollte besonders einem Politiker bewusst sein..

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