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Flügge geworden

Kreuzlingen – 137 junge Menschen aus dem ganzen Thurgau und aus Appenzell haben ihre Maturaprüfung an der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen bestanden. (Text: Inka Grabowsky)

Die Freude war gross bei den Absolventinnen und Absolventen. (Bild: zvg)

«Bewahrt euch den Mut zum kritischen Hinterfragen, den Mut, Sicherheit aufzugeben und wieder vom Könner zum Lernenden zu werden», riefen Barbara Josef und Simone Büchi in ihrer Ansprache den Absolventen zu. Die beiden hatten Anfang der neunziger Jahre die PMS besuchte, als sie noch Lehrerseminar hiess, und später ihre gemeinsame Firma «5to9» gegründet. Ihnen habe die Schule genau jene Wurzeln und Flügel gegeben, die es braucht, um Neues zu wagen.

Rektor Lorenz Zubler präzisierte bei der feierlichen Verleihung der Zeugnisse, was diese Wurzeln und Flügel ausmachen: «Die Schülerinnen und Schüler der PMS sollen eine erweiterte Allgemeinbildung erhalten, um an allen Universitäten der Schweiz studieren zu können. Sie sollen aber auch eine vertiefte Gesellschaftsreife erlangen, also Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Und drittens sollen sie einen Anteil an Berufsbildung mitbekommen, sei es in Pädagogik, in Sport, Musik oder Kunst.» In allen drei Bereichen hätten die Maturanden Ausserordentliches erreicht. Am leichtestes zählbar ist das bei den Noten. Ein einziger Schüler muss die Prüfung im nächsten Jahr wiederholen. Dagegen haben 13 Jugendliche einen Notendurchschnitt von 5.3 und besser erreicht, womit sie sich für das Netzwerk der schweizerischen Studienstiftung qualifizieren.

 

Preisverleihungen an verdiente Absolventen
Einen Sonderpreis der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft bekam Samuel Dietrich aus Neuwilen. Er hatte sich in seiner Maturaarbeit mit den Herausforderungen auseinandergesetzt, denen blinde Menschen gegenüberstehen. Bei seinem Selbstversuch über zehn Tage habe anfänglich die Orientierungslosigkeit dominiert, schreibt er in der Einführung zu seiner Arbeit «Leben ohne Augenlicht – Wie Blindheit die menschliche Wahrnehmung beeinflusst».  Später jedoch habe er die Aussenwelt über seine anderen Sinne wahrnehmen können. Gespräche mit Betroffenen bestätigten dieses Phänomen. Roland Wyss, der Vizepräsident der TNG lobte: «Die Preiskommission war fasziniert und beeindruckt von der akribischen Beschreibung.» Samuel Dietrich hat mit der Note 5,81 auch das beste Maturaresultat seines Jahrgangs erreicht.

 Aus dem Fonds für Kunst und Wissenschaft der PMS bekam im Rahmen der Feier der ehemalige Absolvent Max Petersen einen Förderpreis. Der Pianist und Komponist hatte bis 2013 die Kunst- und Sportklasse durchlaufen, um schon während der Schulzeit Musik studieren zu können. Inzwischen hat er in Zürich das Masterdiplom mit Auszeichnung bestanden und braucht Unterstützung für kreative Projekte, darunter eine Konzertreihe mit seinem Trio und Aufnahmen als Solo-Pianist. Sein ehemaliger Lehrer Dieter Jordi bescheinigte ihm einen «olympischen Leistungsausweis, ohne die Konstitution eines Hammerwerfers zu haben»: «Wir haben uns früher schon gelegentlich Sorgen gemacht, weil der Schlaf zu kurz kam. Der Förderpreis soll dazu beitragen, dass Max Petersen weiterarbeiten kann.»

 

Die PMS als Basis
Neben den musikalischen Darbietungen sorgte die Maturandin Lara Stösser aus Langrickenbach für einen emotionalen Höhepunkt. «Das Semi war mein Nest», konstatierte sie in ihrer Rede. Hier seien ihr Flügel gewachsen, sie sei flügge geworden, habe sich mit den Kollegen das Grün von den Schnäbeln gewetzt. «Durch das Lehrerspielen sind wir andere Schüler geworden», bilanzierte sie die diversen Schulpraktika im Rahmen der Ausbildung. Mit neuer Spannweite könnten die Maturanden nun in alle Himmelsrichtungen losfliegen. «Ich wünsche uns dabei viel Aufwind!»

 

 

 

 

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