/// Rubrik: Leserbriefe | Topaktuell

Einmal Hü und einmal Har! Boulevard wohin?

Leserbrief – Wie schön, kann man Altpräsident Netzles nach Osten führende Stadtausfahrt Brückenstrasse, die doch eher einem automobilsportlichen Gymkhana gleicht und uns dauernd daran erinnert, wie wichtig der Rechtsvortritt von unbedeutenden Nebenstrassen auch auf solchen Routen ist, beim Thema Boulevard glatt vergessen. (Jürg W. Schoop, Kreuzlingen)

(Bild: pixelio)

Nein, die unglücklichen und überforderten Verkehrsplaner greifen zu oft in den falschen Topf und schaffen es nicht, was in Hundert andern Städten ohne vernichtende Grabenkämpfe gelungen ist, nämlich eine verkehrsfreie Zone ins Leben zu rufen.

Als Gegner einer zukunftsgerichteten Stadt lassen sich unschwer einerseits ein paar offenbar einflussreiche Hausbesitzer im Stadtkern ausmachen, die sich in der 20-Tausend-Einwohner-Stadt über etwas zunehmendes Verkehrsaufkommen in ihrem Quartie grämen und lieber die Zustände des 19. Jahrhunderts bewahren möchten. Man stelle sich vor, die Bewohner der Sonneggstrasse in Zürich würden sich gerne vom Verkehr befreit fühlen?

Andrerseits bildet eine Gruppe Ladenbesitzer am Boulevard eine starke Phalanx gegen die Stadtoberen. Da darf man nur sagen, dass es solche und solche gibt, ohne ausfällig zu werden. (Noch zur Blütezeit des Einkaufstourismus‘ hat mir ein Inhaber eines Verkaufsgewerbes, der von übermässigen Konkurrenz umgeben ist, erklärt, dass es ihm recht gut gehe.) Man kann auch mit den sich als benachteiligt sehenden Gewerblern mitfühlen, für die als Ursache des schleppenden Geschäftsgangs die mangelnden Verkehrsmöglichkeiten zur Debatte stehen. Sie entpuppen sich jedoch als Sündenbock-Sucher, denen es wohl hauptsächlich an Weitblick fehlt, denn man weiss schon längstens, dass 97 Prozent der auf dem Boulevard anzutreffenden Autos nur die Durchfahrt benutzen.

Nein, es ist doch der Euro-Wind, der aus Konstanz weht, der vor allem die Schieflage verursacht. Die Berner Autorin Livia Anne Richard lässt in ihrem neuen Stück eine Person sagen «Du kannst den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzten!» Könnte man, – Kreativität wäre gefragt -, aber ich begegne eher dem Gegenteil, der Resignation und der Beschränkung. Was ist es anderes, wenn eine Buchhandlung ein ganzes Genre aus dem Verkauf nimmt, oder eine Geschäftsfrau ihr Angebot in einem bestimmten Bereich an Farben und Grössen reduziert und so mit einem nicht mehr befriedigendem Angebot vermeintlich spart?

Der Stadtrat bläst ins gleiche Horn, wenn er unsicher und wankelmütig vorzeitig jeder Pressure-Group nachgibt. Das mag auch bedeuten, dass er ein gewähltes Konzept nicht vertritt, folglich auch nicht bereit ist, argumentierend für etwas einzustehen.

Wie unattraktiv Kreuzlingen für manche Leute sein muss, wurde mir letzthin abermals bewusst, als mir zwei, von weither kommende, regelmässig ihre Arbeitsstellen an unserer Hochschule besuchenden Personen mitteilten, dass sie keine Ahnung hätte, wo der Boulevard sei, dass sie ausser ihrer Arbeitsstelle nichts von Kreuzlingen kennen. Und in Konstanz seien sie noch nie gewesen. Da fühlt man sich als Kreuzlinger schon etwas merkwürdig und ziemlich schlecht. Sind da nur individuelle Probleme zu Tage getreten oder sollte man etwas tiefer graben? Wer beschäftigt sich eingehend und vielleicht offiziell mit dem Image von Kreuzlingen? Warum kennen so viele Leute den schönsten Park am Bodensee nicht? Was bringen wem die Veranstaltungen auf dem Boulevard? Warum lassen sich Hunderte wenn nicht (gefühlte) Tausende von Einwohnern nie sehen in der Stadt? Fragen kann man nie genug. Nur damit lässt sich weiterkommen.

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