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Unkraut vergeht nicht

Kreuzlingen – Der bekannte Schweizer Holocaustleugner Bernhard Schaub hat jahrelang in Deutschland gelebt und seine politischen Ansichten verbreitet. Jetzt ist er wieder zurück in Kreuzlingen – um die deutsche Justiz in die Irre zu führen oder hierzulande seine Umtriebe weiterzuführen, bleibt dahingestellt.

Bernhard Schaub (r.) wurde erst im Juni auf seinem Hof in Mecklenburg-Vorpommern interviewt. (Bild: Screenshot Youtube)

Bernhard Schaub ist 64 Jahre alt und vorzeitiger AHV-Bezüger, schreibt die Wochenzeitung WOZ. Per Mail habe er seine Anhängerschaft um Spenden gebeten. Der Grund: Das Amtsgericht Dresden hat dem gebürtigen Berner eine Geldstrafe von rund 5500 Franken wegen Volksverhetzung an einer Veranstaltung 2017 aufgebrummt. Weil er «das systematische Völkerrechtsverbrechen der Nationalsozialisten an den Juden» in Abrede gestellt und zweitens zum Hass «gegenüber den in der Bundesrepublik lebenden Juden» aufgerufen habe.

In Deutschland sehen sich Juden derzeit vermehrt Anfeindungen ausgesetzt. So wurde Ende Juni ein 19-Jähriger verurteilt, der einen Israeli in Berlin mit seiner Gürtelschnalle verprügelt und beleidigt hatte, weil dieser eine Kippa trug. Ein israelischer Restaurantbesitzer erhielt nach Medienberichten beinahe täglich Hassbriefe und Morddrohungen. In Bonn wurde ein Professor geschlagen, weil er seine Kippa auf einem Spaziergang im Park trug. Diese Klima heizt Schaub mit seinen Aussagen weiter an.

Gegen den Strafbefehl hat der Mann nun Einspruch eingelegt, mit Adresse in Kreuzlingen, schreibt die WOZ. Tatsächlich ist sein Name auch auf Klingelschild und Briefkasten eines Hauses an der Bahnhofstrasse zu finden. Das Kreuzlinger Einwohneramt bestätigt, dass Bernhard Schaub in der Stadt gemeldet ist.

Pferde und völkische Ideologie
Dabei soll Schaub eigentlich in Mecklenburg-Vorpommern leben, wie auf antifaschistischen Internetportalen zu lesen ist. Lange war es um den Rückkehr-Kreuzlinger eher ruhig geworden. Videos seiner Reden auf Youtube bekamen nur wenige hundert Klicks. Sein im Juni veröffentlichtes Interview durch einen in der völkischen Szene beliebten Video-Blogger jedoch wurde fast 40’000 Mal angeschaut.

Darin stilisiert sich der laut Eigenaussage freischaffende «Vortragsredner, Buchautor und rechte Aktivist» als Kämpfer für das Deutschtum, welches auch für ihn als Schweizer «kulturelle Heimat» sei. Diese Heimat werde aber durch einen übermächtigen Feind bedroht, unter anderem durch die «Rothschild-Soros-Cliquenbande», durch nach Weltherrschaft strebende Juden oder klipp und klar: durch Einwanderer, welche die «weisse Leistungsschicht» zerstören.

Klar ist für Schaub, dass dieser Kulturkrieg nicht mit demokratischen Mitteln zu gewinnen ist. Die Bundesrepublik Deutschland sei ein «Trick der Sieger». Schaub ist sich sicher: Wenn die Deutschen den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, würde es «der weissen Rasse, dem Kulturträger der europäischen Tradition», besser gehen. Deswegen will Schaub Widerstand aufbauen und ein «Aufbäumen der Volksseele» befördern. Verpöntes soll wieder geehrt werden: «Disziplin, der aristokratische und der soldatische Gedanke, das eigene Volk, die eigene Rasse» – um am Schluss einen neuen Adel einzuführen, der «farbige, bräunlich eingefärbte Heloten» unterwirft, damit diese ihm dienstbar sind.

Starker Tobak. Dabei ist Rechtsaussen Schaub selbst bekannt als einer, der gern die Hand aufmacht.

Die Kreuzlinger Zeitung hat bereits 2003 über ihn berichtet. Der Artikel zitiert den damaligen Sozialhilfeempfänger mit Wohnsitz Kreuzlingen als «staatlich bezahlten Rechtsextremen». 1993 hatte ihn die Rudolf-Steiner-Schule in Adliswil entlassen, weil er unter anderem die Massenvernichtung der Juden als «angloamerikanisch-zionistische Lüge» in Frage stellte. Die Migros Klubschule in Frauenfeld trennte sich dann im Jahre 1999 von ihm, nach der Veröffentlichung seines Buches «Adler und Rose» im Selbstverlag. Einer Lohnarbeit ging er seitdem nicht mehr nach.

Verfassungsschutz ermittelte
Schaub ist ausserdem Gründer der «Europäischen Aktion». Die EA strebte ein homogenes Europa von Menschen weisser Hautfarbe an. Aussereuropäische Einwanderer sollen abgeschoben werden, ebenso ihre Lebensgefährten. Ziel war eine «Europäische Eidgenossenschaft», die «aussen- und verteidigungspolitisch» als Grossmacht auftritt, ansonsten die Macht den einzelnen Nationalstaaten überlässt – nicht als Demokratien, sondern als Diktaturen. Nach einer Verhaftung, Hausdurchsuchungen und Ermittlungen in Österreich, Deutschland und Südtirol löste sich die EA kürzlich auf.

Welche Aktionen Schaub nun in Kreuzlingen ausheckt, bleibt abzuwarten.

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One thought on “Unkraut vergeht nicht

  1. Beni Merk

    Mir kommt das totale Grausen. Wenn man sich das Gespräch zwischen Schaub und Nikolai Nerling wirklich antun möchte und dies auch bis zum Schluss durchhält, kriegt man eine Breitseite völkisches Gebrabbel, Nazitum und rassistische Parolen in die Gehörgänge. Da bleibt doch sehr zu hoffen, dass sich die Behörden darum kümmern, den feinen Herrn Schaub am Zoll rausnehmen, wenn er gerade zum Einkaufen nach Konstanz geht oder nach Kreuzlingen, um seinen Briefkasten zu leeren.

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