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Boulevard-Theater geht weiter

Kreuzlingen – Das Thurgauer Departement für Bau und Umwelt heisst die Beschwerde der Initianten und einiger Anwohner gut. Damit geht es wieder einen Schritt zurück: Die Stadtregierung muss die Schilder «umgehend» wieder aufstellen oder ihrerseits Beschwerde einlegen.

So wie es aussieht, werden die Tafeln wohl bald wieder aufgestellt. (Bild: ek)

Der Stadtrat, welcher den Rekurs von Initianten und Anwohnern im Juli abschmetterte, hat am Montag von der übergeordneten kantonalen Instanz eins auf den Deckel bekommen. Die Aussage des DBU ist klipp und klar: Die Stadtregierung habe «dafür zu sorgen, dass die entsprechende Signalisation auf dem Boulevard umgehend wieder angebracht wird.»

Die geht aus einer Mail hervor, die Jost Rüegg als Sprecher des Initiativ-Komitees für einen autofreien Boulevard heute Abend versandte.

Der Stadtrat muss nun die Verkehrstafeln wieder aufstellen oder innert 20 Tagen eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau einreichen.

Der Rekurs sei berechtigt, so das DBU, weil Unterzeichnende an der Bodan- bzw. Säntisstrasse direkt betroffen sind. Zudem habe Stadtrat Thomas Beringer die Ausstandsregeln verletzt, weil er durch seine Tätigkeit als Unternehmer auf dem Boulevard befangen gewesen sei und in den Ausstand hätte treten müssen, als diese Dinge entschieden wurden. An der entsprechenden Pressekonferenz liess sich Stadtrat Beringer zitieren: «Als Ladeninhaber habe ich die Einbussen selbst gespürt».

Dem neuen Verkehrsregime auf dem Boulevard ging ein jahrelanger Rechtsstreit voraus. Als es dann so weit war, spaltete das Thema die Stadt in zwei Lager. Der Stadtrat brach die einjährige Versuchsphase mit einer neuen Signalisation (unter anderem Sperrung der Nordeinfahrt, Sperrung Schützenstrasse, Sperrung der Sonnenstrasse von Westen) im Juni nach nur vier Monaten unerwartet ab.

Die Exekutive bergündete ihren Beschluss mit den überaus grossen Protesten des Detailhandels am Boulevard sowie der Anwohner.

Die Initianten für einen autofreien Boulevard fühlten sich daraufhin verraten und erhoben Rekurs. Der Stadtrat habe sich «treuwidrig» verhalten.

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8 Gedanken zu „Boulevard-Theater geht weiter

  1. Bruno Neidhart

    Das Sterbern der Hauptstrasse ist Fakt. Dabei kann ein zukünftiges, vernünftiges Verkehrsregim nur die letze Antwort sein. Hauptgegenstand ist hier längst die Frage, wie dieser zentralen Meile durch Innovation im Bereich des Geschäftlichen, des Kulturellen, des Bürgernahen, der Aussengestaltung, des Architektonischen wieder vermehrt das Interesse sowohl der Einwohner der Stadt und der Region, wie auch der Touristen wecken kann. Oder die Stadt wirft endgültig das Handtuch. Mit dem Wegzug des Stadthauses aus der Mitte erscheint dazu der Boden bereits gelegt zu sein. Oder hat sie, die Stadt, doch noch eine sinnvolle Antwort auf den „Verlust der Mitte“? Bleiben Kreuzlinger/Kreuzlingerinnen im Wortsinn „Schild-Bürger“? Wer ist hier die Katz, wer die Maus?

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  2. Anita Müller Kreuzlingen

    Ich hoffe das endlich Herr Rüegg mal in den Ausstand tritt und dies für alle Zeiten – weiss er überhaupt wie man täglich das Geld verdient und wie schwierig es allgemein mit dem Geschäften geworden ist ? Glaube kaum – dieser lebt auf schon jahrelang auf einem anderen Planeten? Wird Zeit, dass man diesen Herren mal in die Schranken weisst!

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    1. Ruedi Anderegg

      Herr Rüegg und seine Mitstreiter haben nur ihr demokratisches Recht geltend gemacht und dabei Recht bekommen. Was ist daran schlecht?

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  3. fabio frison

    Lieber Herr Rüegg, braucht eine Seestadt wie Kreuzlingen die Möblierung einer städtebaulich wichtigen, gewachsenen Durchfahrtstrasse? Wie Sie vielleicht/oder vielleicht auch nicht Wissen. Straßen funktionieren ähnlich wie Blutbahnen im Körper. Wird eine verschlossen droht der Infarkt. In diesem Fall der Verkehrsinfarkt.
    Bei der Diskussion um diese Deko-Meile geht es schon lage nicht mehr um funktion sondern um vorlieben. Genau dieser Gestaltungswille gehört in die Wohnzimmer der Initianten und nicht in den öffentlichen Raum! Erstrecht nicht wenn kaum städteplanerische kompetenzen vorhanden sind. Zudem führt das Etikett „Boulevard“ höchstens zum Etikettenschwindel als zur innerstädtischen Qualität. Also hören Sie bitte auf mit diesem Pseudo Namen.
    Fokussieren Sie Ihre gestalterische Aufmerksamkeit lieber dort wo es Sinn für alle machen könnte. Vielleicht merkt man irgendwann das Kreuzlingen eine Seestadt ist, mit Bewohnern welche (hoffentlich) ihr Augenmerk endlich zum See richten und nicht vom See weg auf den Asphalt.

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    1. Bruno Neidhart

      Das sind, lieber fabio frison, zwei Seiten einer Medaille: Einerseit geht es um ein gewachsenes Zentrum, das als Identifikation zu jeder Stadt gehört (daher „Haupt“-Strasse), andererseits erwähnen Sie Kreuzlingen richtigerweise als „Seestadt“. Beides gehört jedoch aus meiner Sicht zusammen. Wichtig dabei: Stadtzentrum und Seestadt sind miteinader zu verknüpfen (Eine solche Verbindung ist zum Beispiel ab Helvetiaplatz über das Gleisdreieck attraktiv. Dies wurde bereits mehrfach beschrieben, mutige Pläne sind vorhanden, derzeit „schubladisiert“).

      Kreuzlingen als „Seestadt“: Da liegt wahrlich noch einiges Potetial! Zwar sind im Zeitverlauf so ziemlich alle Wassersportmöglichkeiten ins Angebot aufgenommen worden, doch z.B. seegastronomisch hat sich wenig verändert. Der Bestand ist seit Jahrzehnten gleich geblieben.
      Was die Parks am See angeht, so wäre eine Weiterentwicklung des ürsprünglichen Seeburgparks zu einem kleinen, veritablen „Botanischen Garten“ – mit Arboretum! – eine wichtige Aufwertung. Das grüne, baumbestandene, u.a. künstlich biotopisch angelegte Auffüllgelände mit den hafenwärts volkstümlichen Angeboten zwischen Aussichtsturm, Minigolf, Tierpärklein und Spielplatz, zum Teil im ursprünglichen Park gelegen, bildet dazu den Gegenpart durch kräftigen Publikumszulauf.

      Weiter zu Konstanz hin ist noch immer nicht bekannt, was die Stadt zukünftig mit Klein Venedig vor hat, ob z.B. die Sportanlagen bleiben (wurde schon oft nachgefragt), oder ob das attraktive Ufergebiet dereinst als öffentlich erklärt wird, sich somit u.a. die Frage stellen würde, ob hier ein weiteres Parkgelände entstehen sollte, oder eine mehr urbane Bebauung Kreuzlingen definitiv als „Seestadt“ – neben Konstanz! – profilieren könnte.

      So kommt man fast zwangsläufig auch zum Schifffahrtshafen. Dieser dümpelt in seltener Ruhe vor sich hin. Das ist zwar auch eine Qualität, aber ob man diese ausgerechnet bei einem Schifffahrtshafen erwartet, ist anzuweifeln. Warum, so fragt man sich, fahren ab hier nicht regelmässig kleinere Schiffe ans gegenüberliegende Konstanzer Ufer? Warum zum Beispiel nicht auch regelmässig etwa nach Meersburg? Warum sind hier keine Anlegestellen für private Schiffseigner, die ebenso eine Hafenbelebung bringen würden? – usw. Hier liegt touristisches Kapital brach.

      Und ein Thermalbad am See hat Kreuzlingen verpasst. Da haben andere See-Städte mutiger reagiert. Auch ein ufernahes, „gehobeneres“ Seehotel als touristisches Markenzeichen findet sich nicht am langen Kreuzlinger Seeufer. Ob hier noch Korrekturen möglich sind, wäre mal zu hinterfragen.

      Es mag sein, dass zumindest ein Teil des oben Beschriebenen der „Seestadt“ von fabio frison gerecht werden könnte. Doch bin ich eben überzeugt, dass Kreuzlingen sowohl sein urbanes Zentrum, als auch die Belange zum See hin gleichermassen zur zukünftigen Stadtprofilierung anstreben sollte. Dazu bräuchte es mutige, innovative Räte, wie auch mutige private Investoren! Nichts fällt vom Himmel.

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  4. Melvyn

    Wenn man Probleme mit Lärm hat, verstehe ich das absolut. Aber warum wohnen denn diese Leute in einem belebten Kern? Man brauch keine Untersuchung zu mache um zu sehen das die Geschäfte und Bars voller sind wenn alles offen ist. Ich hoffe die auf die einzig sinnvolle Entscheidung.

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    1. Peter

      Genau, sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Und deshalb sollte Herr Rüegg und seine Kumpanen, endlich mal ruhig sein und wenn schon anderen Themen widmen, die die Stadt vorwärts bring!

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      1. schiesser

        Na zum Glück, gibt’s noch niemand, der vorschreiben kann, wer sich sich zu welchem Thema äussern darf. Teil einer Demokratie ist es, dass man nicht nur im stillen Kämmerlein eine eigene Meinung haben, sondern diese auch öffentlich äussern darf. Es gehört dann eigentlich zu den Spielregeln, dass man sich mit der geäusserten Meinung auseinandersetzt und nicht auf „den Mann spielt“. Deshalb wäre es nett, man setzte sich mit den Argumenten auseinander und nicht damit, ob diese von Herrn Rüegg oder Frau Müller geäussert wurden. Der Kanton hat den Einsprechern Recht gegeben, weil der Stadtrat einen Fehler gemacht hat. Diesen Fehler haben nicht die Einsprecher zu verantworten. Zudem hat die Umfrage, welche die Stadt durchführte, ein Patt zwischen den Befürwortern der Verkehrsbeschränkung und den Gegnern derselben ergeben. Es ist also nicht so, dass diejenigen, die hier jetzt „Ende der Debatte“ fordern, so sicher sein können, dass sie die Mehrheit hiner sich haben.

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