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Nicht schnelles, aber nachhaltiges Geld

Kreuzlingen – Zwei Kreuzlinger Entwickler arbeiten an der Kryptowährung der Zukunft. Damit soll nicht nur ein alltagstaugliches Zahlungsmittel entstehen sondern die dafür notwendigen Ressourcen nachhaltig genutzt werden. Am 1. August gehen sie mit ihrer Währung «Vrenelium» an die Öffentlichkeit und erhoffen sich Investitionen in Millionenhöhe.

Sascha Lorenz (v.l.), Maurizio Tidei und Daniel Affolter wollen die Blockchain der dritten Generation in der Schweiz etablieren. (Bild: ek)

Eigentlich hätte das Konzept für die Kryptowährung «Vrenelium» bereits im Februar stehen sollen. Doch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat sich genau in dieser Zeit mit dem Boom der digitalen Währungen befasst. Die beiden Kreuzlinger Softwareentwickler Maurizio Tidei und Sascha Lorenz setzten sich daraufhin zum Ziel, die höchsten Anforderungen der Finma an ihre digitalen «Tokens» zu erfüllen. Das kostete Zeit, Geld und brachte einen enormen bürokratischen Aufwand mit sich.
Der Zürcher Anwalt und Mitbegründer Daniel Affolter begrüsst im Endeffekt die regulatorischen Vorgaben an die neue Technologie. «Nun befinden wir uns quasi eine Stufe unter der Banklizenz», erklärt er die Hürden, welche das Start-up nehmen musste, um ihre «Tokens» auf den Markt bringen zu dürfen.

Denn nicht weniger als die «Blockchain» der dritten Generation haben sich die Informatikpioniere zum Ziel gesetzt. Neben der Möglichkeit, eine sichere Währung zu erstellen, bietet diese Technologie noch ganz andere Ansätze. Für sicheren digitalen Datenverkehr gebe es zuhauf Anwendungsmöglichkeiten, ist sich das Vrenelium-Team sicher. Egal ob Mailverkehr, digitale Patientenakten, E-Voting oder das Versenden von Geschäftsverträgen, mit einer «Blockchain» kann alles kryptografisch verschlüsselt und elektronisch verschickt werden.

Rechenleistung für die Forschung
Doch die aktuellen Systeme lassen derzeit Unmengen an Energie verpuffen (Bitcoin allein verbraucht jährlich soviel Energie wie die gesamte Schweiz). Zudem dauert es relativ lange, bis die dezentral geführten Datenbanken sich gegenseitig abgeglichen haben. Diese beiden Probleme will «Vrenelium» mit ihrem Ansatz einer neuen «Blockchain» beheben.

Die anfallende Rechenleistung soll der Forschung oder der Medikamentenentwicklung zugute kommen. Und ein dazulernendes Authentifizierungssystem soll in Windeseile erkennen, ob eine Transaktion rechtens ist. Doch um eine solches Programm aus der Taufe zu heben, braucht es eine Infrastruktur, Arbeitsplätze und vor allem Geld, um Löhne zu zahlen.

Starthilfe für das Start up
Am 1. August findet also die «Initial Coin Offering» von «Vrenelium» statt. Dabei kann man sich während drei Monaten «Tokens» sichern. Diese landen im digitalen Portemonnaie. Ob sie wirklich etwas Wert sind, zeigt sich aber erst in gut einem Jahr. Bis dahin geben sich die Entwickler Zeit, ihre Blockchain zu entwickeln.

Das jetzt investierte Geld ähnelt also eher einem Vertrauensvorschuss in ein Start-up Unternehmen als einem Währungsgeschäft. Aufgrund der regulatorischen Vorgaben muss man mindesten 600 Franken aufbringen, um «Tokens» kaufen zu können.

Sechs Millionen Franken müssen dabei zusammenkommen, damit die Software entwickelt werden kann. Was sich nach enorm viel Geld anhört, ist keine Seltenheit in der stark nachgefragten Blockchain-Szene. Doch mindestens genauso viele Unternehmen scheitern an dieser Finanzierungshürde. «Um zu zeigen, dass wir nicht auf schnelles Geld aus sind, haben wir uns ein Limit von 20 Millionen Franken gesetzt», sagt Maurizio Tidei. Denn mit mehr Geld könnten die Firmengründer derzeit gar nichts anfangen.

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