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Mit dem Velo bis nach Nepal

Tägerwilen/Kirgistan – Eine Reise ins Ungewisse. So starteten die beiden Tägerwiler Percy-John Weibel und Cécile Streit. Der Plan: mit dem Velo bis nach Nepal. Mit rund 60 Kilo Gepäck wird in die Pedalen getreten. Durch idyllische Landschaften aber auch durch Krisengebiete hat es die Beiden geführt.

Täglich fahren die beiden an verschiedensten Landschaften und imposanten Gebirgsketten vorbei. «Im Pamir Gebirge sieht es aus wie in der Schweiz. Nur ist alles etwas grösser», sagt Percy-John Weibel. (Bild: zvg)

Gemeinsam mit ihrem Partner Percy-John Weibel ist Cécile Streit seit einem Jahr mit dem Velo unterwegs. «Wir wollten schon lange eine grosse Reise zusammen machen», erklärt sie. «Für uns war klar, dass es mehr als ein paar Wochen sein sollten.» Es sei die Frage im Raum gestanden, ob zu Fuss oder mit dem Velo? Aber da man zu Fuss alles selber schleppen müsse, hätten sie sich fürs Velo entschieden. Deshalb wurden die Zelte im Heimatdorf Tägerwilen abgebrochen. «Wir haben alles eingelagert, es gibt nur noch eine Postadresse bei meinen Eltern», erklärt Percy-John Weibel.

Freundliche Gastgeber im Iran
Am Mittwoch, 24. Juli 2017, ging es los. Von Oberiberg im Kanton Schwyz fuhren sie mit dem Velo über den Gotthard nach Italien. Mit regelmässigen Zwischenstopps und Wanderungen radelten die Beiden weiter nach Griechenland und durch den Golf von Korinth nach Georgien. «Bis Georgien konnten wir ohne Visum reisen. Für die kommenden Länder war es nicht immer so einfach», erklärt Weibel. In gewissen Länder sei die Aufenthaltsbewilligung extrem kurz. Da müsse man darauf achten, dass man zur richtigen Zeit das Land wieder verlassen habe.
«Wir sind durch einige Länder gefahren, von deren Besuch man abrät», so die 34-Jährige. «Doch vor allem dort waren die Einwohner sehr zuvorkommend. Im Iran wurden wir überall von freundlichen und herzlichen Menschen empfangen.» Ab und an sei es fast ein bisschen zu viel gewesen. «Wir konnten uns kaum retten vor Einladungen.» Die Tägerwiler waren überrascht über diese Gastfreundlichkeit. «Im Iran sind Velotouristen selten, deshalb sind die Bewohner sehr neugierig und wollen mehr erfahren. So konnten wir oft bei Einheimischen übernachten», schwärmt Streit.

Quer durch das Pamir Gebirge
«Wir haben den Pamir Highway hinter uns gelassen. Nun erholen wir uns einige Tage in einem Hotel in Osch, in Kirgistan», sagt Weibel. Die Rede ist von der Route M41, die von der tadschikischen Hauptstadt Dushanbe quer durch das Pamir-Gebirge in die kirgisische Stadt Osch führt. Die Strasse gilt als höchstgelegene «Autobahn», wobei die Schotterstrassen nichts mit unseren Autobahnen zu tun haben. «Mit dem Fahrrad auf 4600 Höhenmetern zu fahren ist ein grosses Erlebnis», so der 42-Jährige. Es fühle sich fast ein bisschen unrealistisch an. Aber das Gefühl danach sei unbeschreiblich. «Die Luft wird immer dünner und wir mussten immer wieder Pausen einlegen, um die Atmung zu kontrollieren.»
«Wir versuchen so oft wie möglich im Zelt zu schlafen, aber er ist nicht mehr wasserdicht, deshalb suchen wir uns bei schlechtem Wetter eine Unterkunft», so Streit. Aber wie packt man ein Velo für eine unendliche Reise? «Anfänglich wussten wir noch nicht wie lange wir es miteinander aushalten werden», scherzt Streit. Kleidung für hohe und tiefe Temperaturen, ein Zelt und das Nötigste an Campingausrüstung wurde von Anfang an eingepackt. Zudem noch ein Wasserfilter, um Quellwasser trinken zu können, ist mit dabei. «Als Verpflegung lässt sich immer etwas finden. Wir sind Vegetarier und ich glaube ,Gurken und Tomaten begleiten uns praktisch die ganze Reise», so die 34-Jährige.
Im Durchschnitt radeln die beiden 70 bis 80 Kilometer bei flachem Gelände. Bei Steigungen sind es rund 50 Kilometer. «Wir hatten sehr viel Glück mit dem Material. Insgesamt hatten wir nur drei Platten. Das kommt uns sehr zu gute, wir sind nämlich nicht die besten Velomechaniker», erzählt Streit.

Weil sie den gesamten Haushalt auf dem Gepäckträger haben, können Cécile Streit und Percy-John Weibel überall ihre Zelte aufschlagen. (Bild: zvg)

«Wir wollen nach Nepal»
Das ursprüngliche Ziel ist Nepal. Ob es mit dem Visum passt, ist noch ungewiss. «Der Visaantrag ist schwierig, da man es vom Heimatland aus machen muss. Aber wir wussten vor einem Jahr noch nicht, ob wir es bis hier hin schaffen», erklärt Streit. Doch trotz eventuellen Anpassungen an der Reiseroute möchte sie unbedingt nach Nepal. «Schon als kleines Mädchen war ich von den hohen Bergen in Nepal fasziniert. Percy-John ist sozusagen nur der Mitläufer, der meinen Traum verwirklicht.» «Als Mitläufer muss ich doch noch etwas sagen», erwidert der ursprüngliche Lehrer. «Ich bin auch die Putzkolonne, ich fahre immer hinter Cécile her, und räume gleichzeitig noch auf, sie verliert so alle zehn Kilometer ihre Schlafmatte», erklärt er lachend.
«Am meisten vermissen wir unsere Familien und Freunde. Durch die heutige Technologie kann man durchaus überall miteinander verbunden sein, aber es nicht das Gleiche», sagt die Tägerwilerin. Zudem fehle ihnen auch die Schweizer Schokolade und der Käse.

Wer mehr über die Reise erfahren möchte, findet unter www.stahlpferdgygsy.ch Bilder und weitere Informationen.

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