/// Rubrik: Leserbriefe | Topaktuell

Vom (Un-) Sinn eines traditionellen Seenachtfestes

Leserbrief – Sommer, Sonne, laue Nächte, geniessen, Freunde treffen, chillen, sich freuen, Ferien zu Hause, Budenstadt und Vergnügungspark am Strand, flanieren, essen und trinken...why not? (Walter Lang, Landschlacht)

(Bild: archiv)

Der Seenachtfest-Samstag begann in Kreuzlingen mit einem von Dutzenden von Kondensstreifen überzogenen, von Ferienfliegern gestürmten Himmel. Wenigstens kaum hörbar, jedoch angesichts der Klimasituation eine Überlegung wert, wie das Ausmass eingeschränkt werden könnte: Kerosen- und CO2-Steuer würden das Fliegen weniger attraktiv machen. Am frühen Nachmittag begann dann aber ein Geknatter in der Luft von tieffliegenden Flugzeugen einer sogenannten Flugshow. Die Ju-52 stürzte wenigstens über unbewohntem Gebiet ab. Sicherheitsbedenken sind offenbar fehl am Platz. Doch sei die Frage erlaubt, ob wir an einem modernen Seenachtsfest eine solche Show wirklich noch brauchen. Der Lärmteppich dieser Flugshow erstreckte sich über den ganzen Bezirk. Wer darf da eine Bewilligung geben, wer muss den Lärm einfach tolerieren?

Und dann endlich der sogenannte Höhepunkt eines Seenachtfestes: das Feuerwerk ein Spektakel, das einigen wohl Freude aber noch viel mehr Menschen und Tieren Leid besorgt. Hunde, Katzen, Pferde und Wasservögel reagieren verstört. Wer gibt das Recht dazu, wer kann das stoppen? Es ist an der Zeit angesichts unserer darbenden, leidenden Natur Traditionen zu hinterfragen. Ein Glück, dass am 1. August das Geknalle verboten war. In Spanien wird Sinn und Unsinn von Stierkämpfen diskutiert, Arenen werden zu Event-Orten umgebaut. Geniessen wir doch 2019 ein Seenachtsfest ohne Lärm, ohne Pulverdampf und Pulverrauch. Auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene ergibt sich schliesslich immer wieder Gelegenheit Politiker und Politikerinnen zu wählen, welchen Umweltanliegen wichtiger sind als eine Flugshow und ein kurzfristiges Feuerwerk.

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