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Fest am Angelhaken

Kreuzlingen – Vor 50 Jahren servierten die Kreuzlinger Sportfischer erstmals ihre Kretzer den heimischen Fischliebhabern. Damit wollten sie den damals noch unpopulären Fisch ans Volk bringen. Doch selbst die damals unliebsame Gattung ist heute Mangelware im Bodensee. Heutzutage muss ein Teil des Fischs importiert werden.

Hafenmeister Josef Hess (l.) und Vereinspräsident Alfredo Sanfilippo mit dem Fang des Tages. Seit einer Woche bereiten die Sportfischer ihre über die Saison gefangenen Fische für das Fest vor. (Bild: ek)

Eigentlich dürften die Sportfischer gar nicht mit ihrer Ausbeute aus dem See handeln. «Der Fisch ist bei uns kostenlos, bezahlt werden wir fürs Fischeputzen», erklärt Vereinspräsident Alfredo Sanfilippo, wie die Sportfischer diese Untiefe umgehen. Mit der Zahnbürste wird da teilweise an die Fischfilets rangegangen, damit ja keine Gräte im Hals stecken bleibt. Und dies machen sie mit einer Gründlichkeit, welche seit 50 Jahren Fischliebhaber begeistert. Aus dem ursprünglich angedachten Sommernachtsfest entwickelte sich 1968 schnell das Sportfischerfest. Die Resonanz war von Beginn weg gut, 300 Portionen Kretzer für 3,50 Franken verkauften die Angler aus Leidenschaft an ihrem ersten Fest.

Heute sind es an einem Wochenende jeweils vier- bis fünftausend Portionen Fisch, welche über die Festbänke vor dem Vereinslokal der Heinrichhalle gehen. Die Preise sind mittlerweile gestiegen, dem Motto «kleine Fische – kleine Preise» von anno dazumal hat man dabei versucht treu zu bleiben. Das Ziel war schon damals, dem Volksmund noch relativ unbeliebte Fische näher zu bringen. Auch heute noch werden keine Edelfische aufgetischt, sondern überbackene oder geräucherte Kretzer, Zander und Hechte serviert. Nur alle zwei Jahre lädt der Verein zum Fest, um die Fischbestände und Mitglieder zu schonen. Doch selbst bei solchen Vorkehrungen sind die Fangerträge im Bodensee zu gering, um das Fest mit der eigenen Angel stemmen zu können. Deshalb setzt das OK seit geraumer Zeit auf importierte Flossen. «Diese müssen aber unseren qualitativen und ökologischen Ansprüchen genügen», betont Präsident Sanfilippo. Die gekauften Fische aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Kaspischen Meer stammen deshalb aus Wildfang. Einzig vom Hecht gibt es noch genügend Exemplare im Bodensee, dass die Hobbyangler ihn fürs Fest selbst aufsparen können. «Da sind sogar die Berufsfischer froh, wenn wir diesen Raubfisch aus dem Gewässer entfernen», so Sanfilippo.

Der See ist zu warm
Schlagseite bereitet den Sportfischern aber auch das derzeitige Wetter. Die Qualität der Fische leidet unter den warmen Temperaturen. Wenn diese nach dem Fang nicht sofort kalt gestellt werden, zersetzt sich das Fleisch. Eine Woche vor dem Fest beginnen die Fischexperten deshalb mit dem schonenden Auftauen ihres Fangguts. Beim Fest selbst sind um die 120 Freiwillige eingespannt, welche in rund 2000 Stunden Frondienst Fische putzen, panieren und zubereiten. Neben dem kulinarischen Genuss werden an der Hechtbar Sommerdrinks gemixt und Musik aufgelegt.

Am Freitag öffnen die Fischer ihr Bootshaus am Kreuzlinger Hafen um 18 Uhr, am Samstag geht es bereits um 11 Uhr los. Es ist das letze Mal in der altbekannten Halle, diese wird im nächsten Jahr erweitert.

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