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Von Strassenbauer zum Hochseekapitän

Salenstein – Der Salensteiner Silvan Pauli baut einen Hochseekatamaran. Seit zweieinhalb Jahren steht er fast täglich in der Werkstatt und verwirklicht sich so seinen Kindheitstraum. Er möchte mit seinem eigenen Boot um die Welt segeln.

Silvan Pauli (links) und Philipp Hasenfratz auf dem Deck des selbstgebauten Katamarans. Zeit und Geld wurden bereits investiert. (Bild: jz)

Obwohl die Schweiz keinen Meeranschluss hat, scheint es doch einigen ein grosser Traum zu sein, eines Tages die Weltmeere zu durchsegeln. Alleine im Thurgau bauen zurzeit drei Hobbybootsbauer und ein gemeinnütziger Verein an ihren Traumschiffen. Einer davon ist Silvan Pauli. Der Salensteiner steht beinahe Tag und Nacht in der Werkstatt und baut einen riesigen, hochseetauglichen Katamaran. «Es ist mein Kindheitstraum und vor dreieinhalb Jahren passte alles zusammen und ich startete das Projekt», sagt Pauli. Als selbstständiger Lohnunternehmer im Strassenbausektor kann sich der 33-Jährige die Arbeitszeiten selber einteilen. «Normalerweise komme ich direkt nach der Arbeit in die Halle und werke bis 22 Uhr», erklärt Pauli.

Ein Katamaran in Salenstein
Sein Schiff steht in der alten Schreinerhalle von Roland Nothelfer in Salenstein. «Es ist toll, dass ich hier mein Boot bauen darf», sagt Pauli. Da die Halle im Januar 2019 abgerissen werden soll, möchte er bis dahin fertig werden. «Es ist ein sportliches Ziel, doch ich bin zuversichtlich. Wir gehen einen Schritt nach dem anderen.»
Alleine ist der Salensteiner nicht. An seiner Seite steht Philipp Hasenfratz: «Ich habe Silvan in einer Beiz kennengelernt und dachte, dass ich ihm für einen halben Tag helfen werde. Aus dem halben Jahr wurden zweieinhalb Jahre», scherzt der Steckborner.
Um jede helfende Hand ist der zukünftige Kapitän froh. Während den grossen Laminieretappen an den Rümpfen sowie am Mittelteil seien bis zu elf Helfer im Einsatz gewesen. «Ich bin froh, in meinem Freundeskreis solche Helfer zu haben», dankt Pauli.

14 Meter lang, 7,5 Meter breit
Boote bauen ist seine Leidenschaft und sein Hobby. «Als Kind war ich im Segelclub in Ermatingen und habe dort vieles übers Segeln und auch über das Bauen gelernt», so Pauli. Bereits mit 21 baute er ein Motorboot. Trotz dem vorhandenen Wissen hatte er professionelle Hilfe bei der Planung seines Meisterwerkes. «Gemeinsam mit einem Jugendfreund, der Maschinenbauingenieur ist, habe ich die Pläne für meinen Katamaran gezeichnet.» Ihm ist klar, dass er als Strassenbauer kein Superschreiner ist. «Der Clou ist: Der Durchhaltewille ist wichtiger als die Millimeterarbeit.» Das Boot besteht aus einem Sandwich von Glasfasern und Sperrholz und wird mit dem Nötigsten ausgestattet sein. «Für mich war klar, auf meinem Boot muss nicht der gleiche Luxus vorhanden sein wie zu Hause», so Pauli. Mit 14 Metern Länge und 7,5 Metern in der Breite bietet das Boot viel Platz, was der wesentliche Luxus ist. Insgesamt wird es acht Schlafplätze, Dusche, WC und Küche auf dem Schiff haben.

Mit acht Schlafplätzen in den Seitenteilen hat das Boot viel Platz. (Bild: jz)

Ein Mal rund um den Globus
Wenn das Schiff fertig gebaut ist, will Pauli in See stechen. Für die Atlantiküberquerung wird auch Philipp Hasenfratz an Bord sein. Die Route ist noch offen. «Vielleicht bleib ich auch in der Karibik und komme nicht mehr nach Hause», scherzt Pauli. Doch der Weg bis dahin ist noch lang. Damit das Schiff die Halle in Salenstein verlassen kann, muss die Rückwand des Gebäudes herausgebrochen werden.
Wie das Schiff das Meer erreichen wird ist noch in Abklärung. «Es besteht die Option mit einem Strassentransport bis nach Frankreich zu fahren, um dort einzuwassern», erklärt Pauli. Der 17 Meter lange Mast des Boots wird in La Rochelle, an der Westküste Frankreichs, hergestellt. Es besteht auch die Möglichkeit, bereits in Basel an Bord zu gehen und somit über den Wasserweg bis nach Rotterdam zu gelangen.
Die Frage, was der Salensteiner nach der Weltreise mit dem Boot macht, kann er noch nicht beantworten. «Vielleicht ist es unterwegs gesunken, oder ich werde es verkaufen, wir werden es dann sehen», sagt Pauli. Seinen eigentlichen Plan verrät der Strassenbauer am Ende unter einem Schmunzeln auch noch: «Ich denke, dass ich per Zufall an einem Piratenschatz vorbeischwimme und somit als reicher Mann in die Schweiz zurückkomme.»

Die Kreuzlinger Zeitung war unterdessen wieder zu Gast beim Katamaranbauer und konnte einiges Interessantes in Erfahrung bringen. Der Artikel entstand in der letzten Phase vor dem Einwassern im Bodensee.

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One thought on “Von Strassenbauer zum Hochseekapitän

  1. Mark Koller

    Besten Dank an Jana Zellweger für diesen Bericht, den ich vorhin in der Papierausgabe aufmerksam gelesen habe. Ich möchte die Beiden, Silvan Pauli und Philipp Hasenfratz, unbedingt kennenlernen und natürlich den Katamaranbau mitverfolgen. Ich kann gerne dazu von Kreuzlingen nach Salenstein radeln, nur die Adresse kann ich (noch) nicht finden.
    Vielleicht mag mich Silvan Pauli kontaktieren:
    mark.r.koller@gmail.com oder 079 733 73 76

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