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Anwohner befürchten Verkehrszunahme

Kreuzlingen – Als die Imhof AG vergangene Woche die Pläne für den neuen Entsorgungshof vorstellte, äusserten einige Anwohner ihre Bedenken. Die Seefelder wollen weder Lärm noch Abgase vor ihrer Haustüre. Auch führt der Schulweg vieler Kinder direkt am neuen Standort vorbei. Stadt, Kanton und Betreiber stehen voll hinter dem Projekt.

Da taten sich einige Gräben auf: Stadtrat Ernst Zülle bei der Präsentation der Pläne zum neuen RAZ. (Bild: sb)

«Für uns ist das eine Win-Win-Situation, und für den Bürger eine Aufwertung des bisherigen Angebots», legte Stadtrat Ernst Zülle den Anwesenden an der Informationsveranstaltung die Sicht des Stadtrats dar. Das Regionale Annahmezentrum (RAZ) an der Sonnenwiesenstrasse ist heute häufig überlastet, es gibt Wartezeiten, manche reden gar von Verkehrschaos. Bis zu 100’000 Autos im Jahr rollen hier auf den Hof und bringen 7000 Tonnen Material. 2002 waren es erst 4000 Tonnen, allerdings wurden diese von 30’000 Autos gebracht. «Die Menschen fahren heute einfach öfter und mit kleineren Mengen entsorgen», erklärte Stadtrat Ernst Zülle diesen überproportionalen Anstieg im Bereich der Fahrten. Eine Vergrösserung des RAZ steht deshalb schon länger auf der To-Do-Liste des Stadtrats.

Auf dem ehemaligen Strabag-Areal im Seefeld soll mit der Imhof AG als Partner die Wunschlösung umgesetzt werden. Die Mitarbeitenden des Entsorgungshofs bekommen dann einen neuen Arbeitgeber. Diese Privatisierung wurde an folgende Bedingungen geknüpft: Die Versorgungssicherheit muss gewährleistet sein, die Qualität gleich bleiben oder gesteigert werden, das Personal zu gleichen Bedingungen weiterarbeiten können und das ohne Mehrkosten. «Parkplatzprobleme oder Mehrverkehr soll es nicht geben», nannte Stadtrat Zülle eine weitere Bedingung.

«In Kreuzlingen wird das Entsorgen von Last zu Lust»
Thomas Peyer, Imhof AG

Um das Projekt umzusetzen, kaufte die Imhof AG Liegenschaften der ehemaligen Strabag AG, um auch ihr Firmenzentrum hierher zu verlegen. Der Kanton übernahm eine grosse Halle, um diese im Baurecht an das Familienunternehmen abzugeben. «Denn wir sind verantwortliche für die Abfallentsorgung und können diese so langfristig sichern», sagte Peter Steiner vom Verband Kehrrichtverbrennungsanlage Thurgau (KVA). «Das ist ein gutes Projekt.»

Firmeninhaber Thomas Imhof. (Bild: sb)

Die Baueingabe fürs neue RAZ soll noch im August erfolgen. Im Winter könnte Baubeginn sein, mit wunschgemässer Inbetriebnahme im Sommer 2019. Das neue RAZ soll mit benutzerfreundlichem Konzept und längeren Öffnungszeiten punkten, erläuterte Thomas Peyer, Leiter Entsorgung-Recycling, von der Imhof AG. An der Hallenwand sind Einwurfluken für alle Arten von gratis zu entsorgendem Abfall vorgesehen, die die Bürger täglich von 6 bis 20 Uhr benutzen können, ausser sonntags. Die Öffnungszeiten für kostenpflichtiges Entsorgen in der Halle wurden geringfügig verlängert: Eine halbe Stunde länger, bis 17.35 Uhr, dürfen die Kunden ihren Kehricht unter der Woche bringen; samstags ist um 11.45 Uhr Schluss statt um 11.30 Uhr. Um den Lärm für die Nachbarschaft so gering wie möglich zu halten, haben die Entsorgungsspezialisten eine massive Hallenkonstruktion mit schallgedämpften Luken vorgesehen.

«Mehr Verkehr, Lärm, Abgase – das ist kein Klacks so nah an einem Wohngebiet»
Anwohner aus der Seefeldstrasse

Längere Öffnungszeiten und genügend Parkplätze sollen effizient Rückstau vorbeugen, sagte Firmeninhaber Thomas Inhaber. «In Stein am Rhein haben wir die Luken 24 Stunden täglich geöffnet und gute Erfahrung damit gemacht.» In Kreuzlingen gehen die Planer nicht so weit, benutzen aber die bewährte Zweiteilung der Bereiche gratis und kostenpflichtig.

Die Nachbarn sorgen sich vor allem um die Verkehrssituation. Zu hören war zunächst pauschale Kritik am Projekt als «undemokratischem Schnellschuss». Für Anwohner, vor allem Familien mit Kindern, und Velofahrer stelle das Projekt einen «Minderwert» zum Bestehenden dar. Der Stadtrat solle angesichts der erwarteten Verkehrszunahme auch etwas für Radfahrer und Fussgänger machen. In diesem Zusammenhang verwies Stadtrat Zülle auf das Langsamverkehrskonzept und auf den geplanten Fussgängerübergang mit Schutzinsel über die Seetalstrasse.

«Das ist ein Industriegebiet, hier sind immer schon LKW gefahren. Es wird eine
Verkehrszunahme geben, aber keine grosse» Stadtrat Ernst Zülle

Sorgen wegen des Lärms äusserte ein direkter Anstösser. «Samstags ausschlafen wird dann nicht mehr drin sein», sagte er. Eine Mutter forderte, die Seetalstrasse zur 30er-Zone zu machen, damit keine LKWs mit 50 Sachen an den Schulkindern vorbei rauschen. «Der Schulweg wird gefährlicher, das darf man nicht ausser Acht lassen», befand sie. Technisch sei eine 30er-Zone in einem Industriegebiet nicht möglich, antwortete Stadtrat Zülle. Auch hätten Verkehrsmessungen ergeben, dass die Lastwagen hier kaum 30 Kilometer pro Stunde fahren.
Ein ehemaliger Arbeiter des Kreuzlinger Entsorgungshofs war zugegen und nahm das neue Konzept der Imhof AG, besonders hinsichtlich der Parkplatzsituation und der Leerung der Wertstoffe, kritisch unter die Pupe. «Wir haben mit unserem Hallenkran gute Erfahrungen gemacht, der ist besser als ein Gabelstapler», gab er den Verantwortlichen der Imhof AG noch einen Rat.

«Wenn man das runterrechnet, ist es ein Auto in der Minute»
Thomas Imhof, Firmeninhaber

Ermunternde Worte gab es hingegen vom Egelshofer Quartiervereinspräsidenten Rainer Keller. Er wies darauf hin, dass der geplante Ausbau der Kreuzung Reutistrasse/Seetalstrasse mit Einspurungen funktionieren werde und auch, um Rückstau zu vermeiden, aufgespurt werden kann. Keller schlug ausserdem vor, von offizieller Seite einen Appell an die Bürger auszusprechen, dezentral Papier und PET abzugeben und nicht wegen jeder Kleinigkeit ins Auto zu steigen und zum RAZ zu fahren.

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3 thoughts on “Anwohner befürchten Verkehrszunahme

  1. Erfahrung

    Und haben sich die Befürchtungen bestätigt? Jetzt nach mehreren Monaten hat sich vermutlich wieder einmal herausgestellt, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird :)

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    1. Stefan Böker Beitragsautor

      Das neue RAZ ist noch gar nicht eröffnet!
      Gruss, die Redaktion
      PS: Wir veröffentlichen eigentlich keine anonymen Beiträge, also beim nächsten Mal bitte mit Namen schreiben.

      Antworten

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