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Gegründet nach einer Naturkatastrophe

Kreuzlingen – Anlässlich des Jubiläums wälzte Präsidentin Irene Eberle alte Aufzeichnungen, Protokolle und Briefe. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist eine Chronik des Frauenvereins, die zeigt, wie viel gute Taten die Organisation seit ihrer Gründung im Jahre 1868 bewirkte.

Präsidentin Irene Eberle (r.) im Kreise der aktiven Frauen des Vereins, (sitzend, v.l.) Anni Stoll, Hanni Toth, Christa Wiegand, Ursi Frei, (stehend, v.l.) Lotti Merk, Regula Herzog, Doris Kellenberger, Margareta Spälti, Gaby Stocker, Rita Cieli und Renate Küchle. (Bild: zvg)

Der gemeinnützige Frauenverein Kreuzlingen gründete sich im Jahre 1868, um den Betroffenen einer Naturkatastrophe zu helfen. In diesem Sommer hatte es ungewöhnlich oft und heftig geregnet. Der damals noch nicht korrigierte, wilde Rhein trat über seine Ufer. Kartoffel- und Maisfelder waren unter meterhohem Schutt begraben, was eine schlimme Hungersnot zur Folge hatte. Zusammen mit dem damaligen Dekan Steiger machten sich einige Egelshofer Frauen daran, Geld zu sammeln und warme Winterkleider aufzutreiben. Diese Zusammenarbeit funktionierte gut, sodass am 11. Oktober die Gründungsversammlung des Frauenvereins mit sieben Vorstandsfrauen und 36 Mitgliedern stattfand.

In den Anfangsjahren kümmerte sich der Frauenverein hauptsächlich um Bedürftige. 103 Familien und Einzelpersonen wurden beispielsweise im Jahr 1892 unterstützt. Aus den Jahren 1914 bis 1918 existieren genaue Aufzeichnungen, wie viele Geschenke in Form von selbst gestrickten Socken und selbst genähten Hemden die Frauen fertigten. Auch Weihnachtsgaben an Soldaten des Ersten Weltriegs oder Waren für die Rot-Kreuz-Sammlung zu Gunsten der Schweizerischen Armee sammelten die Frauen.

Was heute die Einkaufsgutscheine, das waren in früheren Zeiten Naturalien, die kinderreichen Armen direkt übergeben wurden, seien es Brot, Milch, Holz oder Briketts.

Hilfe für Schmugglerin
Die Obrigkeit zeigte nicht immer vollstes Verständnis für die Vereinsaktivitäten. Wie aus den Aufzeichnungen hervorging, musste die Vereinskasse 1923 für eine «Schmugglerin» von Kleidung den Zollbetrag inklusive der Untersuchungskosten von 13 Franken übernehmen.
Von anderer Seite gab es dafür Spenden,sei es von der Fabrik Edelweiss, die 200 Franken spendete, oder von Privatpersonen und Ärzten.

Während des Zweiten Weltkriegs übernahm der Frauenverein Patenschaften für kriegsgeschädigte Kinder, sammelte Lebensmittel für notleidende Mütter oder Brillen für das Rote Kreuz. 1942 nahm der Frauenverein an der Gründung der Fürsorge-Zentrale teil, als deren Präsident Dr. Binswanger gewählt wurde. Die Winterhilfe oder die Ausstellung «Gsundi Choscht» waren weitere erfolgreiche Aktivitäten dieser Zeit.

Über Kurse vermittelte der Verein praktisches Wissen, etwa beim Näh- und Flickabend oder beim Haushaltshilfe-Kurs für Betagte. Wer es nicht selber konnte, dem flickten die Frauen die Wäsche. Diese Hilfe in fremden Haushalten machte 1968 einen grossen Anteil der Vereinsaktivitäten aus. Statt mit Geld halfen die Frauen damals mit Arbeitszeit. Auch Kranke und Betagte versorgten sie bei ihren wöchentlichen Besuchen, die sehr geschätzt wurden, aber auch Takt und Einfühlungsvermögen verlangten.

Heute hat der Frauenverein Kreuzlingen 288 passive Mitglieder, welche die Aktivitäten der Aktiven unterstützen (s. Kasten). Einer der vornehmlichsten Wünsche für die Zukunft wären mehrere Orte, an denen ein Verkaufsstand betrieben werden kann, wie früher an manchen Samstagen am Coop Karrussell.

Aktives Vereinsjahr
Wer in eine Notsituation gerät, ist froh über Hilfe. Der Frauenverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in Not zu unterstützen. So spendeten die Frauen im vergangenen Jahr 3000 Franken an eine von einem Brandfall betroffene Familie aus Weinfelden, 1000 Franken, um einem behinderten Mädchen zu helfen, 1000 Franken an die Griechenlandhilfe und denselben Betrag an die Organisation «Ostschweizer helfen Ostschweizern». Die Frauen beteiligten sich auch am Kreuzlinger Spielstrassenfest und sorgten hier für viele strahlende Kindergesichter. Auch am Jahrmarkt waren sie mit einem Stand vertreten. Der dort erwirtschaftete Erlös von 3000 Franken ging an die Betroffenen des Felssturzes von Bondo. Natürlich strickten die Vereinsmitglieder auch wieder etliche warme Socken für weitere Projekte und füllten Geschenkpakete. Unter anderem wurde das Dienstbotenheim Oeschberg mit Kleidung und Accessoires bedacht. Die Vergabe von Einkaufsgutscheinen hat sich bewährt, ebenso die Babysitter-Vermittlung. Menschen in Kreuzlingen und von weiter weg bereiteten die Frauen im vergangenen Jahr auf diese Weise grosse Freude.

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