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Für bessere und umweltfreundlichere Lebensmittel

Thurgau – Klimawandel und Artensterben, Massentierhaltung und Lebensmittelskandale, Industrialisierung der Landwirtschaft und Raubbau an der Natur: Die Land- und Ernährungswirtschaft muss dringend nachhaltiger werden. Dies haben Vertreterinnen und Vertreter des Thurgauer Komitees der Fair-Food-Initiative an einer Medienkonferenz auf dem Weiherhof in Amriswil klar gemacht.

Das Thurgauer Komitee JA zur Fair-Food-Initiative. (v.l.n.r.): Beat Schenk, Präsident Juso, Toni Kappeler, Präsident Pro Natura, Kurt Egger, Präsident Grüne, Nina Schläfli, Präsidentin SP, Simon Vogel, Präsident Junge Grüne (Bild: zvg)

Die Fair-Food-Initiative ist nötiger denn je. Sie verlangt die Förderung von Lebensmitteln aus einer naturnahen, umwelt- und tierfreundlichen Landwirtschaft mit fairen Arbeitsbedingungen. «Die Fair-Food-Initiative will erreichen, dass es ein grösseres Angebot an Lebensmitteln gibt, die von guter Qualität sind und die umweltschonend, tierfreundlich und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden», fasste Kurt Egger, Präsident des Komitees, das zentrale Anliegen der Initiative zusammen. Die Initiative setze dabei vor allem auf Anreize und Informationen. Die Umsetzung sei mit wenig Aufwand möglich, etwa durch eine bessere Deklaration oder Zielvereinbarungen mit der Branche. Bewährte privatwirtschaftliche Massnahmen wie Labels sollen gestärkt werden. Wo möglich, sollen nachhaltig produzierte Lebensmittel an der Grenze bevorzugt behandelt werden, zum Beispiel bei der Vergabe von Einfuhrkontingenten.

Die SP-Präsidentin Nina Schläfli hielt fest, dass die Fair-Food-Initiative handelsrechts-konform umsetzbar sei: «Entgegen der Behauptungen von Gegnern der Vorlage sind die bestehenden Handelsbestimmungen nicht gefährdet, sie werden lediglich nachhaltig weiterentwickelt. Der Handel soll künftig im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der UNO, dem Klimaabkommen von Paris oder der Arbeitsnormen der ILO sein.»

Toni Kappeler von Pro Natura betonte, dass die Fair-Food-Initiative unsere Landwirtschaftspolitik bewegt und bewirkt, dass unsere Landwirtschaft naturnäher wird. Nicht von heute auf morgen – aber mittel- und langfristig. «Das Bewusstsein, dass das Arbeiten mit und nicht gegen die Natur erfolgreicher und zukunftsfähiger ist, ist in den letzten Jahren in bäuerlichen Kreisen deutlich gewachsen.» So erstaunt es nicht, dass viele bäuerliche Organisationen die Fair-Food-Initiative unterstützen.

Beat Schenk, Präsident der Juso, sieht Vorteile für die Arbeitnehmenden «Die Initiative hilft, die Arbeitsbedingungen und Löhne in der Landwirtschaft zu verbessern und leistet einen Beitrag gegen die Überproduktion in der schweizerischen Landwirtschaft.»

In der Schweiz landet ein Drittel aller Lebensmittel im Müll. Dies entspricht zwei Millionen Tonnen oder 140’000 Lastwagen, welche aneinandergereiht eine Kolonne von Zürich bis nach Madrid bilden. «Eine enorme Verschwendung von Lebensmitteln, welche hier in der Schweiz praktiziert wird. Das muss gestoppt werden», fordert Simon Vogel, Präsident der Grünen Thurgau.

In der Land- und Ernährungswirtschaft stehen wichtige politische Weichenstellungen an. Der Bundesrat möchte neue Freihandelsabkommen abschliessen. Umwelt-, Sozial, und Tierschutzstandards spielen dabei aber leider keine Rolle. Dabei wäre der Bund aufgrund von Artikel 104a der Bundesverfassung verpflichtet, für Handelsbeziehungen zu sorgen, die zur nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft beitragen.

Das Parlament wird sich bald mit der Weiterentwicklung der Agrarpolitik (Agrarpolitik 22+) befassen. Der Handlungsdarf ist insbesondere im Umweltbereich gross. Die Umweltziele in der Landwirtschaft sind nach wie vor ungenügend erfüllt. Mit der Agrarpolitik 22+ muss eine ressourcenschonende, klimafreundliche Landwirtschaft weiterentwickelt werden. Dazu sind Bündnisse zwischen bäuerlichen Kreisen und Umweltverbänden nötig.

Die Fair-Food-Initiative geniesst eine breite Unterstützung. Kein Wunder, kommt sie doch allen zugute: Umwelt und Klima, Konsumentinnen und Konsumenten, Bäuerinnen und Bauern sowie dem Tierwohl. Die Fair-Food-Initiative hilft aber auch den Bäuerinnen und Bauern in den armen Ländern des Südens. Mit der Fair-Food-Initiative würde es mehr und auch verarbeitete Lebensmittel geben, die unter umweltfreundlichen und fairen Bedingungen produziert und in die Schweiz exportiert werden.

Vielen Konsumentinnen und Konsumenten ist nicht bewusst, dass Tiere, deren Fleisch, Milchprodukte oder Eier importiert werden, im Ausland oft unter schlimmsten Bedingungen, die in der Schweiz verboten sind, leben und sterben müssten. Allein mit einer transparenteren Deklaration über die Produktionsbedingungen – und dies auch bei verarbeiteten Lebensmitteln – kann schon viel erreicht werden. Aber auch in der Schweiz besteht Handlungsbedarf. Hierzulande müssen immer mehr kleine und mittlere Bauernhöfe aufgeben. Das ist eine fatale Entwicklung, die den Trend zur Massentierhaltung in Tierfabriken fördert.

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