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Lauerismus trifft auf Trautmanns Expressionismus

Kreuzlingen – Im Kreuzlinger Dreispitz ist derzeit ein künstlerisches Experiment zu bewundern: Der Maler und Musiker Kurt Lauer hat Bilder aus dem Nachlass des 2008 verstorbenen Künstlers Philipp Trautmann teilweise übermalt, ergänzt oder neu interpretiert. Die Kunstkommission der Stadt hat aus diesen hybriden Bildern, aus Original-Trautmann-Werken und einigen Gemälden von Kurt Lauer eine einzigartige Ausstellung zusammengestellt.

Ein Zufall legte die Basis für die ungewöhnliche Zusammenarbeit zwischen einem lebendigen und einem toten Künstler. Die Eltern von Philipp Trautmann, Ado und Esther Trautmann aus Kreuzlingen, mussten sich um den umfangreichen Nachlass ihres Sohnes kümmern. Neben vielen gelungenen Werken, die heute zum Teil im Kulturschutzraum der Stadt archiviert sind, gab es auch Halbfertiges und nicht ganz Perfektes. «Einiges haben wir vernichtet», sagt Ado Trautmann. «Aber bei anderem war es einfach zu schade. Wir wollten, dass wenigstens das Material noch genutzt wird.» Trautmanns kannten Kurt Lauer und gaben ihm 62 Originale zur freien Verfügung. Er hätte alle Leinwände einfach mit seinem Werken übermalen können, doch bei einigen reizte es ihn zu sehr, Philipp Trautmann zu ergänzen. In einem Brief an den Verstorbenen formuliert er: «Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich deine Werke vernichte, aber andererseits kommst du Dank deiner Familie, der Kunstkommission und auch Dank mir wieder ins Gespräch. Du hast nicht für die Katz gemalt!»

Die 18 Original Trautmanns zeigen Portraits, Frauenakte, Flugzeuge oder auch die Zürcher Streetparade – jeweils mit schnellem Pinselstrich expressionistisch auf die Leinwand gebannt. Trautmann suchte nach eigener Aussage immer einen direkten Bezug zur Realität. «Im Gegensatz zur Bildwelt von Philipp Trautmann konzentriert sich Kurt Lauer weniger auf die sichtbare als vielmehr auf einen für ihn hörbare wie fühlbare Welt», sagt Christiane Hoefert, die gemeinsam mit Sabine Kröber die Ausstellung für die Kunstkommission Kreuzlingen kuratiert hat. Diese beiden Gegensätze verschmelzen in 15 der gezeigten Werke. Kurt Lauer glättete einige Oberflächen, fügte surreale Elemente ein und nutze seine spezifische Farbskala, um die Bilder seinem «Lauerismus» anzupassen. «Geplant habe ich das nicht. Als Jazzmusiker lebe ich im Augenblick. Ich fange einfach an.» Spannend ist das Ergebnis auf jeden Fall.

Die Ausstellung ist bis zum 23. September donnerstags und freitags jeweils von 17 bis 20 Uhr zu sehen, sowie samstags von 11 bis 14 Uhr.

geschrieben von Inka Grabowsky 

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