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«Seitdem ich Bruce Lee sah, wollte ich Karate machen»

Kreuzlingen – Der Karateexperte und Autor Iain Abernethy hat anlässlich eines Lehrgangs im Karatecenter Reto Kern erstmals die Schweiz besucht. Im Gespräch erzählt er von seinen internationalen Lehrgängen und wie die Familie da reinpasst.

Schwarzgurtträger Iain Abernethy ganz in seinem Element (Bild: zvg)

Reto Kern, Leiter des gleichnamigen Karatecenter, stiess vor vier Jahren im Buch «Der Bunkai Code» von Alfred Haubeck, auf Aussagen von Iain Abernethy. Es faszinierte ihn, wie Iain mit seinem grossem Wissen Katas (Bewegungsabläufe) in Einzelteile zerlegt und Antworten auf grundlegende Fragen zum Karate gibt. Deshalb nahm er mit ihm Kontakt auf, um einen Lehrgang in der Schweiz zu organisieren.

Du bist das erste Mal in der Schweiz. Wie gefällt es dir hier?
Iain Abanethy: Ich habe es am Freitag sehr genossen, Zürich ein wenig kennen zu lernen. Auf dem Weg nach Kreuzlingen zeigte Reto mir eine schöne Aussicht auf den Boden- und Untersee. Das erinnerte mich an Zuhause: Die Sicht auf den Solwayfirth, wo man nach Schottland hinüberschaut, so wie hier nach Deutschland. Die erste Trainingssession am Freitag verlief sehr gut , die Karatekas haben ein gutes Niveau.

Wie bist du zum Karate gekommen?
Als ich den Film «Enter the Dragon» von Bruce Lees sah, wollte ich unbedingt auch mit Karate beginnen. Da war ich gerade mal 11 Jahre alt, mein jüngerer Bruder trainierte zu dieser Zeit schon Judo und zwei meiner Schulfreunde praktizierten Karate. Mein Vater machte Cumberland Wrestling, eine Sportart, die zu jener Zeit Teil der lokalen Kultur war. Es wurde an vielen Schulen unterrichtet und Bilder, der lokalen Champions waren in den Pubs aufgehängt. Mein erster Karatelehrer war sehr unterstützend. Er bot viele verschiedene Arten an und die Schüler konnten sich je nach Begabung spezialisieren.

Hast du auch an Turnieren mit Kata und/oder Kumite teilgenommen?
Ich nahm an Kata- und Kumitewettkämpfen teil bis ich dritter Dan war, also bis Mitte 30. Dann hörte ich damit auf. Ich habe Karate gelernt, weil ich an der Kampfkunst interessiert war und nicht um Wettkämpfe zu gewinnen. Es ist eine tolle Leistung, die die Karatewettkämpfer erbringen, aber mit Selbstverteidigung, wie ich es verstehe, hat es wenig zu tun. Die Wettkämpfe waren aber wichtig, damit das Karate überhaupt aus Japan nach Europa kam.

Was fasziniert dich an den Katas?

Schwarzgurtträger Iain Abernethy zeigte den anwesenden Karatekas verschiedene Techniken zur Selbstverteidigung. (Bild: zvg)

Ich erinnere mich sehr lebhaft, als ich als Weissgurt zum ersten Mal jemanden eine Kata machen sah. Das war ein Orange-Gurt, also wahrscheinlich war die Kata nicht speziell gut. Ich war trotzdem von den Bewegungen total fasziniert und wollte das unbedingt lernen. Als kleiner Junge übte ich ständig Katas, bei meinen Grosseltern, im Garten – überall. Ich musste die Katas jeweils lange üben, bis ich sie konnte. Ich schaute die Katas schon immer durch den Blickwinkel der Selbstverteidigung an. Es fasziniert mich, dass Karate von Menschen von fünf bis über achzig Jahren betrieben werden kann – und in jedem Alter kann man etwas für sich herausnehmen.

Wie bist du zu dem Thema Kata Bunkai (Anwendung der Kata) gekommen?
Es faszinierte mich schon seit ich als Kind Karate machte, was sich hinter diesen Bewegungen versteckt. Durch Nachforschungen in Büchern und Videos, durch viele Trainings mit Karatekas, Judokas, Leuten aus dem Ju Jutsu und meinen Karatelehrern bekam ich ein immer besseres Verständnis über die Bewegungen. Für mich sind die Katas ein perfekt durchdachtes Selbstverteidigungssystem.

Wie muss man sich das vorstellen?
Für mich ist Kata ein für sich abgeschlossenes Kampfsystem, welches sich auf etwas spezialisiert hat. Man muss wissen, dass die Karatemeister die Katas so zusammen gestellt haben, dass man sich gegen Kriminelle wehren konnte. Die Katas sind nicht dafür gedacht, gegen einen anderen Karateka zu kämpfen. Für das gibt es das Sportkarate. Der Kampf gegen einen Kriminellen muss schnell und einfach passieren und man muss für die verschiedensten Angriffe gewappnet sein. Es ist wichtig dass man die Basis sehr gut beherrscht, damit man die Techniken auch genau und präzise ausführen kann. Ein Kampf auf der Strasse ist dreckig und man weiss nie, wie es ausgeht. Man muss versuchen, den Kampf zu dominieren, sonst geht man unter. Man kann sagen: Schau, dass du nicht getroffen wirst und schlage präzise und hart zu.

Du unterrichtest auf der ganzen Welt und hast Familie. Wie bringst das und dein Privatleben unter einen Hut?
Meine Partnerin und meine Tochter kommen oft mit mir auf Lehrgänge. Meine Partnerin macht auch Karate und trainiert mit mir. Unter der Woche bin ich viel zu Hause, schreibe an meinen Büchern, mache Youtube Videos, Podcasts oder unterrichte Karate. Ich habe keinen eigenen Club und gehe daher für unseren Verband (WCA) als internationaler Instruktor ins Ausland um zu unterrichten.

geschrieben von Reto Kern

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