/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Ein neuer Dreh- und Angelpunkt

Kreuzlingen – Ein neues Parkhaus direkt am Hafenbahnhof soll nicht nur Pendlern und Buschauffeuren als Unterstand dienen. Gerade in Anbetracht der anstehende Stadthaus-Baustelle sollen die zusätzlichen Parkplätze Entlastung bringen. Für den Seekebab könnte es indes eng werden – möglicherweise findet der Imbiss jedoch seinen Platz im futuristischen Parkhaus.

Stadtrat Ernst Zülle und Wettbewerbskoordinator Ueli Wepfer haben die eingegangen Parkhaus-Projekte genau in Augenschein genommen. (Bild: ek)

Die Vorgaben hatten es in sich: 160 öffentliche Parkplätze, eine Station für 150 Velos sowie ein Busdepot für 18 Stadtbusse und Postautos samt Waschanlage und Werkstatt – keine leichte Aufgabe für die Architekten, alles auf dem schmalen Landstrich zwischen Bahngleisen und Burgerfeld unterzubringen. Dennoch bewarben sich 61 Büros auf den Architekturwettbewerb der Stadt. Sieben anonym gelistete Projekte schafften es in die Endausscheidung und wurden von einer neunköpfigen Jury genau unter die Lupe genommen. Die Bauingenieure und Architekten entschieden sich einhellig für das Projekt «E-Type» des Architekturbüros «Kistler Vogt» aus Biel. «Sie sind durch ihre einzigartige Lösung der Platzprobleme herausgestochen», erklärte Stadtrat Zülle, welcher selbst in der Jury sass, die Entscheidung für den Sieger.

Das Obergeschoss mit den Parkdecks soll eine durchlässige Haut aus Metall umgeben. (Bild: Loomn Architekturvisualisierungen)

Transparente Parkdecks
Angedacht ist, das Automobilisten sowie Buschauffeure vom Hafenbahnhof in das Parkhaus hinein- und bei der Promenadenstrasse wieder heraus fahren. So entsteht im Parkhaus selbst kein Suchverkehr und die Busse müssen nicht unnötig wenden. Möglich machen dies zwei Spindelsysteme, welche an den jeweiligen Enden des langgezogenen Baus angebracht werden. So können Autos in einem Zug durch die zwei Parkdecks fahren.

Das Gebäude soll zudem auch optisch etwas hergeben, denn täglich passieren rund 15000 Autos die Hafenstrasse. «Es wird kein Betonklotz. Die oberen beiden Stockwerke wirken durch eine Metallkonstruktion durchlässig und transparent», beschreibt Ueli Wepfer die Details. Der Architekt hat den Wettbewerb koordiniert und ist erfreut darüber, wie das Architekturbüro die komplexe Aufgabenstellung gelöst hat. Das Gebäude bleibt zudem unter elf Metern Höhe und verschandelt somit nicht die Sicht auf die denkmalgeschützte Basilika St. Ulrich.

Auffangnetz für den Bärenplatz
Doch warum ist der Stadtrat so bedacht darauf, weitere 160 Parkplätze in Zentrumsnähe zu schaffen? Bereits im Vorfeld zur Stadthaus-Abstimmung haben die wegfallenden Parkplätze auf dem Bärenplatz für Wirbel gesorgt. Zwar ist eine Tiefgarage angedacht, doch bis diese bezugsbereit ist, fürchten Detaillisten grosser Parkplatzmangel. Zudem hat die Ankündigung, dass die PHTG eine Anzahl von Parkplätzen für sich beansprucht, für Unmut gesorgt.
Die Stadt konnte nun mit der Lehrerschmiede aushandeln, dass sie ihre 60 Parkplätze in das neue Parkhaus an den See zügeln. Dozenten und Studierende können dann tagsüber die Busabstellplätze nutzen, abends stellen die Chauffeure dort ihre Fahrzeuge ab. «Diese Doppelnutzung der Flächen macht das Parkhaus zusätzlich wirtschaftlich», rechnet Zülle vor. Das Grundstück sei zudem der ideale Ort für ein Parkhaus. Direkt am Bahnhof und einer Bushaltestelle gelegen, mit Unterführung zum Seeburgpark sowie der Bodensee-Arena, sieht die Stadtführung auch in Zukunft noch Bedarf an Abstellplätzen.

Optional könnte eine Kioskwirtschaft im Parkhaus integriert werden. (Bild: Loomn Architekturvisualisierungen)

Seekebab soll am See bleiben
Noch nicht in Stein gemeisselt sind die Pläne für den Seekebab. Die Stadt hat das Land, auf dem der beliebte Imbiss steht, vor einiger Zeit gekauft. Dies ermöglicht ihr nun Einfahrtspuren für das Parkhaus zu platzieren. Doch wird dadurch der Platz für den Seekebab eng.
Derzeit stehen zwei Optionen im Raum: Entweder es wird eine Kioskwirtschaft ins Parkhaus eingebaut oder die Architekten finden vor dem Gebäude ein Plätzchen. Mehmet Ince, Inhaber des Seekebabs, zeigt sich für beide Varianten aufgeschlossen: «Für mich ist vor allem wichtig, dass wir an diesem Standort bleiben können», erklärt der Imbissbesitzer. Positiv hat Ince auf jeden Fall aufgenommen, dass er von Anfang an in die Planung miteinbezogen wurde. Als Experte konnte er beim Architekturwettbewerb seine Meinungen einbringen. Wie genau die Zukunft für seinen Betrieb aussieht, könne er aber erst abschätzen, wenn die endgültigen Pläne gezeichnet sind.

«Oberste Dringlichkeit»
Dies soll so schnell wie möglich geschehen, wenn es nach Stadtrat Zülle geht. 400’000 Franken hat der Gemeinderat im Oktober 2017 in einem ersten Schritt für den Architekturwettbewerb gesprochen. Damit das Parkhaus gebaut werden kann, muss dass Kreuzlinger Stimmvolk jedoch noch sein Ja in die Urne legen. Dabei bereiten derzeit vor allem die Kosten Kopfzerbrechen. «Die Zahl wird höher sein als die ursprünglich angedachten acht Millionen Franken», kann Zülle jetzt schon abschätzen. Grund dafür: die vielseitige Nutzung samt Sozialräumen für Busfahrer treiben die Kosten in die Höhe. «Das ist kein 0815-Parkhaus, das hier gebaut wird», relativiert Wepfer die Summe.

Zülle hofft, dass die Volksabstimmung im 2019 über die Bühne geht, damit 2020 gebaut werden kann. «Unser Ziel ist es immer noch, Parkplätze bereitzustellen, sobald der Stadthausbau beginnt», so der Chef des Departements Bau. Sollte diese Zeitplanung durch Einsprachen verzögert werden, hat Zülle bereits eine Alternative in der Hinterhand. Der Baugrund am Hafen würde soweit präpariert, damit er als provisorischer Parkplatz genutzt werden kann. Damit schafft die Stadt eine Ausweichmöglichkeit, wenn für die Dauer des Stadthausbaus die Parkplätze auf dem Bärenplatz wegfallen. Emil Keller

Die Architekturbeiträge samt dem Gewinnerprojekt können noch heute Samstag, von 9 bis 11.30 Uhr und am Sonntag von 11 bis 13.30 Uhr, im Schulpavillon hinter der Bauverwaltung besichtigt werden.

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