/// Rubrik: Region | Topaktuell

Zwei Städte, ein gemeinsames Erbe

Kreuzlingen/Konstanz – Ein Rückblick auf den Tag des offenen Denkmals, der 2018 in Kreuzlingen und Konstanz gemeinsam stattfand.

Der Konstanzer Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn (v.l.), Musiker Bernd Konrad und die Kreuzlinger Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass. (Bild: zvg)

Konstanz und Kreuzlingen verbindet eine jahrhundertelange Geschichte. Wie sehr die beiden Nachbarstädte kulturell, wirtschaftlich und sozial miteinander verzahnt sind, machte der Tag des offenen Denkmals am vergangenen Sonntag deutlich. Unter dem Motto «Entdecke, was uns verbindet» legten die Nachbarstädte erstmals ein gemeinsames, grenzüberschreitendes Programm zum Tag des Denkmals auf.

Zahlreiche Besucher kamen bereits zur Eröffnung des Denkmaltags, die der renommierte Saxophonist Bernd Konrad musikalisch untermalte. Passend zum diesjährigen Motto «Entdecke, was uns verbindet», begrüssten der Konstanzer Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn und die Kreuzlinger Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass Bürgerinnen und Bürger beider Städte an der Kunstgrenze. Wo einst Stacheldraht die Städte teilte, legen nun die Kunstwerke von Johannes Dörflinger Zeugnis für die Verständigung und die Verbundenheit zwischen den Nachbarstädten ab.

«Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr für den Denkmaltag», erklärte Langensteiner-Schönborn. Denn er ist Teil der vielfältigen Aktionen des Europäischen Kulturjahres, das unter dem Motto «Sharing Heritage» steht. Angesichts der weltweiten Abschottungstendenzen müsse man umso mehr «die Gemeinsamkeiten, das, was uns verbindet, hervorheben, « so der Bürgermeister. «Sie sind alle Entdecker», versicherte Dorena Raggenbass dem Publikum. Mit dem Denkmaltag böte sich die Chance, auch die historischen Zwischenräume auszuloten. «Man denkt ja, man kennt die Geschichte der schönen alten Häuser und der Wege. Aber heute kann man viel Neues erfahren.»

Gemeinsam mit dem Architekturforum KonstanzKreuzlingen wurde ein vielschichtiges Programm erstellt. Raggenbass und Langensteiner-Schönborn dankten besonders den Institutionen und Privatleuten, die ihre Räume der Öffentlichkeit zugänglich machten.

So führte die Architektin und Eigentümerin Karin Meid-Bächle durch den Schwarzacher Hof, ein Stadtpalais in der Zollernstrasse. Es entstand um 1360 als dreigeschossiger Steinbau. «Hinter der Fassade verbergen sich eigentlich drei Häuser» klärte Karin Meid-Bächle die Besucher auf. «Wir haben mit viel Respekt vor der historischen Bausubstanz die ursprüngliche Raumfolge wieder erlebbar gemacht.» Hier wurde zum Beispiel ein Innenhof frei gelegt und im Saal im zweiten Obergeschoss die verborgene reiche Stuckverzierung und Bemalung des Saales wieder hervorgeholt. «Das Haus ist ein Zeuge für die Wohnkultur der Patrizier», sagte Meid-Bächle, die die Räume als Büro nutzt. Erbaut hat es wohl Friedrich von Sulgen. Er stammte aus dem mittelthurgauischen Dorf Sulgen und war bischöflicher Siegelbewahrer.

In Kreuzlingen öffnete Mechthild Langhainzl die Türen zur Villa Raichle in der Schützenstrasse. Die gebürtige Würzburgerin lebt seit 1999 in Konstanz und erwarb mit ihrem Mann 2013 die Villa. «Für mich sind Konstanz und Kreuzlingen gefühlt eine Stadt», beschreibt Mechthild Langhainzl ihren Eindruck der Grenzstädte. Neben den Langhainzls leben und arbeiten drei weitere Parteien in der geräumigen Villa, die 1915 von Schuhfabrikant Louis Raichle erbaut wurde. «In diesen Bau ist alles geflossen, was damals Hightech war», erklärte der Musiker und Maler Kurt Lauer, der hier seit 1995 sein Atelier hat. So sind zum Beispiel die Originalbadezimmereinrichtung und der prächtige Kamin in der Empfangshalle erhalten worden. «Wir freuen uns, dass wir das Alte bewahren können», betonte Mechthild Langhainzl.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.