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«(Er)klärungsbedürftig»

Leserbrief – Gino Kočís Replik auf den Leserbrief von Walter Heider («Kreuzlinger Zeitung» vom 7. September 2018)

(Bild: pixelio)

Gino Kočís Replik auf den Leserbrief von Walter Heider («Kreuzlinger Zeitung» vom 7. September 2018)

Auf schulmeisterliche Art attackiert Walter Heider den Redaktor der Kreuzlinger Zeitung, Stefan Böker. «Mangels eines Themas für einen schlaueren Kommentar» ziehe er über Christoph Blocher her, den Heider als «gebrandmarktes Opfer» sieht. Dieser Seitenhieb sei «klärungsbedürftig», und er hoffe, dass Böker «für die nächste Ausgabe ein gescheiteres Thema» finde. Auch kenne er weder «gehäuft auftretende Inserate» noch (in genannter Ausgabe) einen Artikel mit «Rechtsruck» – was ich nun wiederum klärungsbedürftig finde.

Nach der Übernahme der Zehnder-Gruppe 2017 (Blocher beglückt mit seinen Gratiszeitungen damit rund 1,3 Millionen Haushaltungen) hat sich der neue Verleger ein gutes Jahr sichtlich zurückgehalten. Seit dem 9. August 2018 hat sich dies geändert; ich rekapituliere aus den «Kreuzlinger Nachrichten»:

Ausgabe vom 9. August 2018. «Hintergrund einer Geburtstagsfeier»:
In seiner «Nachlese zum 1. August» unterstellt Blocher den Schweizer Politikern, die direkte Demokratie in unserm Lande abschaffen zu wollen, schlägt eine Breitseite gegen einen der brillantesten Intellektuellen der Schweiz, Peter von Matt («je gelehrter, desto verkehrter»), und bezeichnet ihn (so wie den österreichischen Geschichtsprofessor Valentin Groebner) als eine «selbsternannte Elite». «Braucht die Schweiz einen EU-Knechtschaftsvertrag?»: Im Inserat des «Komitees gegen den schleichenden EU-Beitritt» werden dem Präsidenten desselben Komitees (namens Christoph Blocher) vier Fragen zum vom Bundesrat angestrebten Rahmenabkommen mit der EU gestellt. Er behauptet, dass damit «Freiheit, Sicherheit, Unabhängigkeit, direkte Demokratie, Föderalismus und» – man höre und staune – «Weltoffenheit» unseres Landes preisgegeben würden.

Ausgabe vom 16. August 2018. «Zweimal Nein zu den Agrar-Initiativen»:
Halbseitige Publireportage – diese mittlerweile in vielen Medien grassierende unsägliche Vermischung (könnte man auch «Verschleierung» nennen) von Inserat und redaktionellem Teil, Seriosität «vortäuschend» –, ein «Interview» mit Exnationalrat und Exbundesratskandidat Hansjörg Walter, der sich in jüngeren Jahren auch schon kritischer gegenüber dem Zürcher SVP-Flügel gezeigt hat, sich jetzt aber offenbar vom Verleger instrumentalisieren lässt.

Ausgabe vom 23. August 2018. «In eigener Sache»:
Der Geschäftsführer, Marcel Geissbühler, kündigt die regelmässig erscheinende «exklusive Kolumne» von Christoph Blocher an. Damit zeigt dieser nun sein wirkliches Interesse betreffend der Übernahme des Gratiszeitung-Imperiums. «Zweimal Nein zu den Agrar-Initiativen»: Zum zweiten Male eine halbseitige Publireportage; diesmal wird Daniel Borner, Direktor von GastroSuisse «befragt» (der/die «Interviewer/-in» wird natürlich auch dieses Mal nicht offengelegt). «Der Verleger hat das Wort»: Erste Kolumne des Verlegers Christoph Blocher, der dem Drängen «vieler Mitbürgerinnen und Mitbürger» nachgibt, die ihn «persönlich gebeten haben, doch regelmässig zu schreiben», um sie «zum (Nach)Denken» anzuregen.

In den nachfolgenden Ausgaben folgen Kolumnen über Albert Anker und Wolfgang Amadeus Mozart. Nun, diese relativ unverfänglich daherkommenden kulturellen Themen werden Blocher mit der Zeit höchstwahrscheinlich ausgehen, und er wird genügend Gelegenheit haben, seine vielen Mitbürgerinnen und Mitbürger zum «rechten» (Nach)Denken zu bringen.

Und das alles will Walter Heider nicht gesehen haben? Man muss sich wirklich die Frage stellen, ob er auf mindestens einem Auge blind ist. Ich werde mich jedenfalls weiterhin eher an den «verkehrten Gelehrten» orientieren als an einem selbsternannten «Landesvater», der die neue Geschichtsschreibung verachtet, weil sie seinem (natürlich einzigen und wahren!) Geschichtsbild nicht entspricht.

Und noch etwas: Heider schreibt in seiner Replik: «Leider konnten damals wenige, mutige Menschen das verhindern» (nämlich dass «ein österreichisch/deutsches Grossmaul ganz Europa ins Untertanentum» hätte zwingen können). Ist das nun ein Freud’scher Versprecher (eigentlich wollte er – so hoffe ich doch – «Glücklicherweise» schreiben)? Oder hat ihm da wohl der «böse» Herr Redaktor einen Streich gespielt? – Auch (er)klärungsbedürftig …

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Ein Gedanke zu „«(Er)klärungsbedürftig»

  1. Ruedi Anderegg

    Sehr gut formuliert. Bin vor speziell mit dem letzten Absatz einverstanden. Vielleicht war sogar Absicht hinter dem „leider“!

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