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Mehr Arbeitsplätze in der Innenstadt

Kreuzlingen – Beim Stadtgespräch diskutierten Kreuzlinger Bürger über die Einrichtung eines Co-Working Büros. Die Genossenschaft «Village Office» unterstützt das Projekt mit Fachwissen.

Projektleiter Enzo Schrembs (v.l) mit den Experten von Village Office Remo Rusca und Daniela Hälg. (Bild: Inka Grabowsky)

«Jeden Tag pendeln 6247 Kreuzlinger nach Zürich, St. Gallen oder in andere Gemeinden im Thurgau», erklärt Remo Rusca, Experte von Village Office. «Das kostet 3594 Stunden und verursacht beträchtliche Belastungen für die Umwelt.» Gleichzeitig stehen in Kreuzlingen, sehr zum Ärger der Immobilienbesitzer, Gebäude leer, in denen man eigentlich wunderbar arbeiten könnte. Zudem fehlen den lokalen Detailhändlern und Dienstleistern die 6247 Konsumenten. Der Stadtrat hat sich deshalb an die Genossenschaft «Village Office» gewandt, die Kommunen und private Träger bei der Einrichtung von Co-Working Spaces unterstützt. Hier arbeiten Freiberufler, Start-up-Gründer oder Festangestellte mit Home-Office unter einem Dach, nutzen eine gemeinschaftliche Infrastruktur und bilden ein Netzwerk von unterschiedlichsten Spezialisten. Rund 60 Co-Working-Büros in der ganzen Schweiz gehören bereits zur Organisation «Village Office», zwei Dutzend weitere Standorte sind in Vorbereitung.
Der Wunsch am Wohnort zu arbeiten verstärkt sich eben mit jedem Tag, an dem man im Stau steht – auch in der Gruppe der Festangestellten, die bisher bei den Nutzern der Gemeinschaftsbüros noch unterrepräsentiert ist. Dabei gäbe es sowohl für die Unternehmen, die Arbeitnehmer von ihrer Präsenzpflicht befreiten, als auch für die Angestellten nur Vorteile, meint Rusca. «Die Unternehmen sparen sich Investitionen in Büroflächen und bekommen kreative und motivierte Mitarbeiter. Und sogenannte «Digitalnomaden», die bisher zuhause gearbeitet haben, entgehen der sozialen Vereinsamung.»

Projektleiter Enzo Schrembs erläuterte die Ergebnisse der Diskussionsrunden. (Bild: Inka Grabowsky)

Zahllose Ideen
Im Sitzungssaal des Rathauses überlegten 16 Kreuzlinger, wie ein Co-Working Büro aussehen müsste, um möglichst viele Nutzer anzuziehen. Repräsentative Meeting-Räume, gute technische Ausstattung, lange Öffnungszeiten und Platz für den sozialen Austausch wurden oft genannt. Sie sammelten auch Argumente, um Immobilienbesitzer als konziliante Vermieter zu gewinnen und Arbeitgeber dazu zu bringen, Angestellten das dezentrale Arbeiten zu erlauben.
Welche Vorteile die Stadt durch einen Co-Working Space hätte, war vergleichsweise leicht zusammenzustellen. Die Innenstadt würde belebt, die Identifikation der Arbeitnehmer mit Kreuzlingen würde wachsen, Expertenwissen bliebe vor Ort.

Mitdenker gesucht
Fabian Munz, der seit 2015 das Co-Working Büro co-bo am Bottighofer Hafen leitet, diskutierte mit. Rund 15 Personen kämen regelmässig zum Arbeiten ins co-bo, erzählt er. Mehr würden aber nicht schaden, um für mehr Diversität in der Gemeinschaft zu sorgen. Einen weiteren der speziellen Räume in der Nachbarschaft würde er trotzdem nicht als Konkurrenz betrachten: «Wir könnten gemeinsam daran arbeiten, Co-Working gross zu machen.» Potential gibt es offenkundig genug. Vier der 16 Anwesenden beim «Stadtgespräch» wären selbst gegebenenfalls an einem Arbeitsplatz im Co-Working Büro interessiert. Und ein Teilnehmer gab sich als Besitzer einer leerstehenden Immobilie zu erkennen, die möglicherweise wenigstens in Zwischennutzung für die Versuchsphase geeignet wäre. Jetzt muss sich nur noch eine Kerngruppe von Interessenten finden, die mit dem Projektleiter Enzo Schrembs weiter plant und schliesslich eine Trägerschaft gründet. Dann könnte in sechs Monaten ein Kreuzlinger Co-Working-Büro eröffnen. Melden können sie sich per Mail unter e.schrembs@schrembs-solutions.ch.

Geschrieben von Inka Grabowsky

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