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Das Stadthauses auf der Festwiese

Leserbrief – Ein Leserbrief von Jost Rüegg aus Kreuzlingen zum geplanten Stadthaus.

(Bild: archiv)

Ein neues Stadthaus auf der Festwiese in der geplanten Dimension und unmittelbar vor der erst im Jahre 2006 eröffneten Dreispitzhalle, unserem schönen neuen Stadtsaal, würde diesen völlig verdecken. Von der Hauptstrasse her würde er garnicht mehr wahrgenommen. Auch der jahrzehntelang, sorgsam gehütete Freiraum vor der Basilika St. Ulrich wäre dahin.
Als der Kredit von 47,5 Millionen mit einem Zufalls mehr von gerade mal fünf mehr Ja- als Nein- und 73 !? ungültigen Stimmen angenommen wurde, war ich sehr überrascht, habe aber das knappe Resultat als Demokrat akzeptiert. Damals wusste ich allerdings noch nicht wie die Stellungnahme der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) vom 8. Juni 2012 genau gelautete hat, die angeblich diesen Neubau auf der Festwiese gutgeheissen haben soll. Das hat sie nämlich am jetzt vorgesehenen Standort gerade nicht. Die Öffentlichkeit wusste zudem nicht, dass der geplante Bau, der nicht dem gültigen Baureglement entspricht, mehrere Ausnahmebewilligungen braucht, die erst noch mit einer anfechtbaren Auflage eingeholt werden müssen. Vor diesem Hintergrund und dem Wissen, dass das Projekt Marktstrasse im Anschluss an das bestehende Stadthaus auf stadteigenem Grund und mit möglichen Bauten bis hin zur Sonnenstrasse sowie einer zentrumsnahen Tiefgarage darunter dem Volk noch nie ausreichend vorgestellt wurde, muss das Abstimmungsresultat jetzt hinterfragt werden. Fast 50% – oder sind es inzwischen mehr ? – der Kreuzlinger Stimmberechtigten wollen das Stadthaus auf der Festwiese nicht. Darum ist der vor zwei Jahren äusserst knapp gefällt Volksentscheid jetzt so nicht mehr haltbar. Wussten Sie, dass an Stelle des unschönen Autoabstellplatzes auf dem Bärenplatz, es bereits ein fixfertiges Projekt in den Schubladen der Stadt für eine schön gestaltete Festwiese mit einer Tiefgarage darunter gibt ? Übrigens, die Ära von Stadtpräsident Andreas Netzle, der sich für dieses Projekt stark gemacht hatte und unmittelbar danach aus der exekutiven, politischen Verantwortung verabschiedet hat, ist definitiv zu Ende.

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One thought on “Das Stadthauses auf der Festwiese

  1. Bruno Neidhart

    Unter dem sich vor nich allzulanger Zeit vorzeitig aus dem Amt in die private Bauwirtschaft verabschiedeten Stadtpräsidenten wurde die Idee eines neuen Kreuzlinger Stadthauses stark vorangetrieben. Dabei wurde eine Evaluation am derzeitigen Standort Hauptstrasse/Ecke Marktstrasse mindesten nicht so weit grundsätzlich entwickelt und veröffentlicht, dass sich die Stimmbürgerinnen/Stimmbürger bereits mal ein genaueres Bild hätten machen können, was da auf sie zukommen könnte. „Ziemlich intern“ hiess es dann, dass sich „aus diesen oder jenen Gründen“ eine Machbarkeit am jetzigen Standort nicht ergeben hätte.

    So richtig abgeklärt liegt bis heute die Sache nicht vor, wer plötzlich auf die Idee gekommen ist, den Neubau halt dann eben zum Beispiel in den Dreispitzpark zu stellen (hierzu wurden sogar Darstellungen veröffentlicht). Die Einsicht kam dann rasch, dass einerseits das notwendige Bauvolumen im Dreispitzparkt gar nicht unterzubringen wäre, es sich gleichzeitig bei diesem bis anhin einzigen Zentrums-Stadtpark um ein kleines Flächendenkmal handeln könnte, das den pflegerischen Bestrebungen der Denkmalbehörde zuwiderlaufen müsste.

    Dann traten noch Mutigere in den Ring und fingen an, einfach dem Dreispitz gegenüber auf der Festwiese zu planen. Als plötzlich „ein ellenlanger Bau“ vor dem Dreispitz Sport- und Kulturzentrum, sowie dem Schreiberschulhaus planerisch ausgelobt das Licht der Welt erblickte, muss es bei der Denkmalbehörde irgendwie eine unkontrollierte Explosion gegeben haben, in deren Folge sich die Grundsätze eines sorgfältigen Umgangs mit dem Ortsbild zu relativieren begannen – warum auch immer!

    Nun sagte die Denkmalbehörde allerdings damals keineswegs, man „solle“ hier bauen (!), wenn es am Dreispitz schon nicht klappen darf, sondern der Stadrat äusserte sich entsprechend so, dass die Denkmalbehörde „nicht grundsätzlich etwas dagegen hätte“, wenn hier dieser „Langhans“ entstünde. Damit sei ja die Gewähr gegeben, dass z.B. wenigsten ein Blick auf die Kirche noch möglich wäre. Dabei fällt auf, dass es der Denkmalbehörde durchaus schon etwas ungemütlich wurde, hier in das historische Ortsbild einzugreifen. Dem Stadtrat unter der Regie ihres inzwischen abgetretenen Chefs war es hingegen keineswegs ungemütlich. Ja er nahm den vorsichtigen Hinweis des Denkmalamts als Bestätigung seines Tuns euphorisch auf – so wohl auch der Rest-Stadtrat..

    In der Zwischenzeit nahm das geplante Bauwerk – inklusive der Pergola zum Bärenplatz hin (!) – eine besondere Fahrt auf. Nach dem die Abstimmenden dem damalige Projekt lediglich mit einer klitze-kleinen (Stadtrats-?) Mehrhheit den Segen gaben, wird erkennbar, dass effektiv nicht genau über das abgestimmt wurde, was nun tatsächlich von den Architekten vorgelegt werden musste, um die notwendige Quadratmeterzahl zu erreichen, somit den Bauanforderungen zu genügen. Also wurde der Bau immer länger und länger. Gleichzeit sei daran erinnert, dass er aber nicht nur schmal sei kann, um die Quadratmeterzahl zu erreichen, sondern sich auch breit ausladend gebärden muss!

    Und so merkt der Stadtrat – musste es wissen! -, dass diese Baumasse in dieser Darstellung (besonder der Länge) gar nicht dem Baureglement entsprechen kann. Das war zwar schon länger einigermassen durchgesickert, damals den Abstimmenden jedoch nicht transparent genug dargestellt. Auch reichten wenige Stangen nicht aus, allen Abstimmenden die grösstmögliche Vorstellungskraft zu vermitteln. Da hat man heute ganz andere Möglichkeiten, wenn es sich um sensible Bauvorhaben bei sensiblen Ortsbildern handelt.

    Und so hat denn der ausgeschiedene Stadtpräsident dem Herrn Niederberger ein ganz schönes Ei in seine noch junge Stadtpräsidentenzeit gelegt. Es wird spannen sei zu erfahren, wie er sich in dieser Zwickmühle bewegt.

    Ich habe mich schon oft gegen dieses Projekt gewandt, dabei unterschiedliche Beweggründe dargelegt, die ich hier nicht nochmals darstellen möchte. Mir ging es jetzt einmal um die blosse Abfolge dieses sich womöglich als „Drama“ zu etablierenden Paradestücks eines nicht nur planerisch diskutablen Vorgehens. Kurz gesagt wäre es schon grundsätzlich sinnvoller gewesen, man hätte zuerst nach möglichen Standorten gefragt. Und dann in einer zweiten Abstimmung das letztlich ausgelobte Projekt auf dem von den Abstimmenden als sinnvoll betrachteten Areal bejahen – oder verneinen lassen. Dagegen war viel zuviel Drang erkennbar, endlich mal „zu Potte“ zu kommen. Das Drängen hat sich, wie es jetzt aussieht, nicht gelohnt.

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