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Dem Biber auf der Spur

Kreuzlingen – 44 Biber-Watcher suchten zwischen Dezember und April die rund tausend Kilometer Ufergebiet der Thurgauer Gewässer ab. Ihr Ziel war es, Spuren des Bibers zu entdecken und diese auf einer Karte zu verzeichnen. Nun wurde die Auswertung von Mathis Müller im Seemuseum vorgestellt.

Die versammelten Biber Watcher. (Bild: Desirée Müller)

«Es war fast so etwas wie eine Schatzsuche», erzählt Revierförster und Biber-Watcher Paul Koch. Ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen wurden von Pro Natura Thurgau und WWF Thurgau Gebiete zugeteilt, welche es zu erkunden galt. Synergien zu nutzen, mache absolut Sinn, findet Gabriele Aebli, Präsidentin des WWF Thurgau. Für die beiden Naturschutzorganisationen war es das erste gemeinsame Projekt. Auch Leiter der Biber-Kartierungsaktion, Mathis Müller, ist überzeugt von der Zusammenarbeit. «Die Organisation verlief optimal», so der Biologe und Inhaber eines Ökobüros. Er bekam vom Kanton Thurgau den Auftrag, die Kartierung durchzuführen und auszuwerten. Erste Resultate stellte er den Biber-Watchern im Seemuseum vor. «Insgesamt wurden 120 Biberreviere von den Freiwilligen entdeckt. Das sind zehn Prozent mehr als bei der letzten Kartierung vor fünf Jahren», so Müller. Der Bestand sei um vier Prozent gewachsen. Der Projektleiter sieht im noch wenig besiedelten Oberthurgau Potenzial für das Wachstum des Bestandes.

Biber-Manager gesucht
Rolf Traber ist das Kartieren gewohnt. Der Biber fasziniert den 72-jährigen Naturfreund aus Pfyn schon lange. «Er sorgt für eine ausgewogene Biodiversität», weiss der Biber-Watcher. Als weiteres ehrenamtliches Engagement besucht er in der Region Vereine, um den Mitgliedern den Lebensraum des Bibers und seine wichtige Rolle in der Natur näher zu bringen. «Ich möchte die Menschen sensibilisieren», so Traber. Er spricht die sich anhäufenden Fälle von Konflikten zwischen Landwirten und dem eifrigen Nager an. Ein Thema, das auch den Kanton Thurgau beschäftigt. Im Speziellen Michael Vogel vom für Amt für Jagd und Fischerei. Gemeinsam mit dem WWF und Pro Natura möchte er einen Lehrgang für angehende «Biber-Manager» aufbauen. «Wir können auf die Dauer nicht genügend ausgebildetes Personal stellen, das sich um die Bearbeitung der Reklamationen der betroffenen Bauern kümmert», so Vogel. Daher wünscht er sich ein Netzwerk aus freiwilligen Mitarbeitern, die einspringen, wenn der Biber wieder auf den Feldern unterwegs ist. Biber-Watcher Tim Schoch kann sich im Moment solch ein Engagement nicht vorstellen. «Das wäre mir eine zu grosse Verantwortung», so der 24-jährige Biologiestudent. Auch andere Freiwillige äusserten sich skeptisch zu Vogels Ausführungen. «Man braucht in der Tat ein dickes Fell bei diesem Job», so der Biber-Verantwortliche des Kantons. Dazu ein fundiertes Wissen über die rechtlichen Ansprüche der Landwirte. Gabriele Aebli beschwichtigte die rege Diskussion: «Wir sind erst ganz am Anfang der Umsetzung. Es ist uns bewusst, dass es für diese Arbeit eine vertiefte Ausbildung benötigt», so die WWF Thurgau Präsidentin. In den nächsten Monaten wird nun das Konzept entwickelt. «Eines wissen wir: es ist ein Schritt in die richtige Richtung», ist Gabriele Aebli überzeugt.

geschrieben von Desirée Müller

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