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Ein Dorf sucht seinen neuen Häuptling

Bottighofen – Für das frei werdende Gemeindepräsidium interessieren sich gleich vier gestandene Herren. An einer Podiumsdiskussion zeigten alle Kandidaten, dass sie in den Gemeindethemen sattelfest sind. Unterschiede machten sich vor allem in der angedachten Amtsführung bemerkbar.

Wer macht das Rennen? Michael Thurau (v.l.), Lukas Hoffmann, Matthias Hofmann und Beat Müller interessieren sich für den frei werdenden Sitz im Bottighofer Gemeindepräsidium. (Bild: ek)

Nicht wie angekündigt drei, sondern gleich vier Kandidaten standen am Mittwoch, 26. September, auf der Bühne im Dorfzentrum Bottighofen. Der derzeitige Gemeinderat Beat Müller hatte sich kurzfristig entschlossen, an der Podiumsdiskussion teilzunehmen, um bei der Bottighofer Bevölkerung die Zustimmung für eine allfällige Kandidatur abzutasten. Das Interesse am potenziellen neuen Gemeindeoberhaupt war immens hoch, rund 200 Personen wollten wissen, wer Urs Siegfried beerben könnte. Zur Wahl wurden ihnen neben dem Verkaufsleiter Müller, Zahnarzt Matthias Hofmann und Treuhänder Michael Thurau präsentiert. Als einziger Anwärter von ausserhalb Bottighofens steigt Lukas Hoffmann aus Balterswil in den Wahlkampf. Nach der Veranstaltung weibelte der Unternehmensberater dann auch fleissig für die nötigen Unterschriften, um sich auf den offizielen Wahlzettel setzen zu dürfen.

Tiefer Steuerfuss
Grosse Konfliktpunkte zwischen den gestandenen Männern konnte Moderator Urs Brüschweiler während des Abends keine herauskitzeln. Alle vier antworteten souverän auf seine Fragen zu Familienpolitik, Tourismus und Möglichkeiten, neue Firmen im Dorf anzusiedeln. Nach der Wahl auch noch für den Kantonsrat zu kandidieren, um die Bottighofer Interessen eine Instanz höher zu vertreten, schlossen alle vier erstmal aus.

Hohe Steuerkraft
Den Dorfcharakter zu wahren war hingegen allen wichtig. Das zeigt sich auch daran, dass sie sich nur ein moderates Bevölkerungswachstum wünschen. Vor allem Familien und einkommensstarke Mitbürger wünschen sie sich. Ermöglicht werden soll dies weiterhin mit dem tiefen Steuerfuss. Dass dieser in Zukunft schwierig zu halten sein wird, war jedoch allen klar. Besonders der Finanzausgleich an schwächer gestellte Gemeinden schlägt in Bottighofen jährlich mit rund einer Million Franken zu Buche. Es zeichnet sich ab, dass entweder die Steuern erhöht oder das Eigenkapital aufgebraucht werden muss.

Besonders Treuhänder Thurau, welcher den Finanzausgleich bereits als Primarschulpräsident von Bottighofen kennt, konnte sich bei diesem Thema hervortun: «Es wäre wünschenswert, wenn in diesem Mechanismus auch berücksichtig wird, wie umsichtig wir mit unseren Geldern umgehen», so der 53-Jährige, welcher sich zum linken Flügel der FDP zählt.

Matthias Hoffmann konnte dank seiner Militärkarriere und dem Aufbau seiner Zahnarztpraxis seine Führungsstärke glaubhaft machen: «Ich bin sehr zielgerichtet in der Entscheidungsfindung», beschrieb sich der parteilose Kandidat.

Den Bahnübergang am See hat Lukas Hoffmann als verkehrstechnisches Problem lokalisiert. Um dem täglichen Stau auf der Hauptstrasse in Bottighofen Herr zu werden, hatte der 58-Jährige kein Patentrezept mit dabei. «Öffentliche Verkehrsmittel sind auf jeden Fall keine Lösung», so der SVPler.

Bereits mit der Verwaltung vertraut ist Beat Müller. Seit einem Jahr ist er im Gemeinderat für das Ressort Umwelt und Entsorgung verantwortlich. Als Präsident der Männerriege liegen dem 49-Jährigen die Vereine und das Dorfleben am Herzen. «Solche Dinge müssen wir erhalten.»

Poker beim Pensum
Mit einer Tradition möchte Müller hingegen brechen: dem Arbeitspensum des Gemeindepräsidenten. Er machte von Beginn der Veranstaltung an klar, dass er das Amt nur annehmen werde, wenn dieses auf 80 Prozent aufgestockt wird. Ausgeschrieben ist die Stelle derzeit mit 40 bis 60 Prozent.

«Davon kann ich nicht leben», so der zweifache Vater. Seine derzeitige Arbeitsstelle liesse sich nicht mit dem Präsidium vereinen.

Die übrigen drei Anwärter können ihre bisherigen Berufe gut mit dem Gemeindepräsidium vereinen. Gleichzeitig machten sie klar, dass sie als engagiertes Oberhaupt mehr leisten würden, als auf dem Papier festgeschrieben. «Für Anliegen aus der Bevölkerung werden wir immer eine offene Tür haben», so der gemeinsame Tenor.

Der erste Wahlgang findet am 25. November statt. Alle vier Teilnehmer der Podiumsveranstaltung haben sich auf der offiziellen Namensliste eintragen lassen.

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