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Illegale Sommerromanze

Kreuzlingen – Das Bezirksgericht Kreuzlingen hat einen jungen Mann zu einer 20-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Er hatte Sex mit einer Unter-16-Jährigen. Besonders schwer trifft den Beschuldigten das mit der Strafe verhängte Tätigkeitsverbot. Zehn Jahre lang darf er weder beruflich noch in Vereinen mit Jugendlichen zu tun haben.

Die verhängnisvolle Affäre spielte sich hauptsächlich im Sommer 2016 ab. (Symbolbild: Moni Sertel/pixelio.de)

Im Juli und August 2016 entspann sich zwischen einer 14-Jährigen und einem 24-Jährigen aus der Region eine verbotene Liebschaft. Die beiden trafen sich mehrere Male, meist im Beisein von zumindest einer weiteren Person aus dem Freundeskreis. Der junge Mann startete seine Annäherungsversuche bei einer Bootsfahrt. Bei einem Badeausflug in Müllheim wollte er fummeln, unterliess dies aber, als das Opfer sagte, es fühle sich unwohl dabei. Als das Opfer mit einer Freundin zeltete, kam er auf ihren Wunsch hinzu, sie küssten sich und hatten Petting. Als das Mädchen den Mann Tage später in seiner Wohnung besuchte, schliefen sie miteinander.

Im April des Folgejahres trafen sich die beiden an einer Geburtagsparty bei der Ruine Castell. Der Mann startete erneut Annäherungsversuche. Als das Mädchen ihn einen Monat später zuhause besuchte, kam es wiederum zu Petting.

Zum Schutz der Tochter
Zusammen mit ihrer Mutter erstattete die Jugendliche Ende Juli Anzeige beim Kreuzlinger Polizeiposten. Aus ihrer Einvernahme geht hevor, dass sie dem Angeklagten keine bösen Gefühle nachträgt.

Das Bezirksgericht behandelte den Fall am vergangenen Mittwochmorgen im verkürzten Verfahren. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten sich hinter den Kulissen auf ein für beide Seiten zufriedenstellendes Strafmass geeinigt. Das Bezirksgericht musste die entsprechenden Anträge nur noch genehmigen.

In seinem Urteil sah es das Gericht als erwiesen an, dass der junge Mann die sexuellen Handlungen mit dem Opfer vornahm, obwohl er wusste, dass es jünger als 16 Jahre alt war. Das Mädchen hatte ihm dies gegenüber gesagt, und weiterhin, dass sie mit dem Geschlechtsverkehr abwarten wolle, bis sie 16 Jahre alt sei. «Dennoch suchte er immer wieder den körperlichen Kontakt zum Opfer», so die Anklageschrift.

Aus dem Bett heraus verhaftet
Strafmindernd wurden die stabilen Lebensumstände des Mannes gewertet. Er lebt heute mit seiner Partnerin und deren Kind zusammen. Und sein Geständnis. An einem Septembermorgen um 5.50 Uhr verhafteten ihn die Beamten und steckten ihn bis 14.30 Uhr in Untersuchungshaft.
Im Zuge der Hausdurchsuchung fanden die Ermittler eine nicht genehmigte Softairpistole. Zudem fanden sie heraus, dass der Angeklagte zwischen 2015 und 2017 viermal rund vier Gramm Marihuana in Kreuzlingen gekauft hatte. Für diese Übertretungen büsste ihn das Bezirksgericht mit 300 Franken.

Ausserdem muss er die Untersuchungskosten von knapp 4000 Franken und rund 800 Franken Gerichtskosten zahlen. Besonders schwer trifft den Beschuldigten aber das zusätzlich verhängte Tätigkeitsverbot. Zehn Jahre lang darf er weder beruflich noch in Vereinen mit Jugendlichen zu tun haben. Der Chauffeur wollte eine Weiterbildung im Spitalbereich machen, die nun wahrscheinlich nicht möglich sein wird. Dem Gericht blieb in dieser Hinsicht allerdings kein Spielraum, das Gesetz gibt hier strikte Vorgaben, sagte der Richter.

Die 20 Monate Haft wurden bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren ausgesprochen.

Schutzalter
• In der Schweiz gilt grundsätzlich das Schutzalter 16. Jegliche sexuellen Handlungen mit Unter-16-Jährigen gelten als sexueller Missbrauch. Auch Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren stehen unter besonderem Schutz. Wenn etwa Erwachsene eine Machtposition ausnutzen, um Minderjährige dazu zu bringen, mit ihnen Sex zu haben, beispielsweise als Lehrer, Lehrmeister oder Chef, machen sie sich genauso strafbar.
• Kurios: Bis 2014 war in der Schweiz noch Prostitution ab 16 Jahren erlaubt.
• Sex unter 16 Jahren ist erlaubt, wenn der Altersunterschied höchstens drei Jahre beträgt – immer gesetzt den Fall, beide willigen ein. sb

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