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Von «arglistigen Täuschungsmanövern» und dem «Monsterbau am Dreispitz»

Leserbrief – Ernst Buchers Sicht auf das Stadthaus und die dies umgebende Politik.

Lerserbrief (Bild: Archiv)

Mit grossem Erstaunen habe ich in den Kreuzlinger Nachrichten vom 4. Oktober und Kreuzlinger Zeitung  vom 5. Oktober neue Informationen von Jost Rüegg und Ado Trautmann zur Kenntnis genommen, die uns Stimmbürger bei der Abstimmung über das neue Stadthaus vorenthalten wurden. Die Dreistigkeit , mit der dieses Projekt wider alle Argumente für eine Erweiterung am jetzigen Standort durchgezwängt wurde, finde ich unerträglich. Als Andreas Netzle die Wiederwahl zum Stadtpräsidenten suchte, hat er grossartig verkündet, den Boulevard reaktivieren zu wollen.

Und was macht er? Genau das Gegenteil! Er deaktiviert ihn zusätzlich durch die Verlegung des Stadthauses zum Dreispitz! Zudem unter grösstmöglicher Verschwendung von ohnehin prekär knappem Grünland, massiver Verletzung des Baureglementes, Ignorierung des Votums der EKD, zudem Verschandelung der Silouette der St.Ulrich Basilika, trügerischer Projektbilder, und zum Schaden der Geschäfte am Boulevard. Mit dem Argument «verdichtetes Bauen» wird mancher Einwohner Sonne, Licht und schöner Aussicht durch Hochbauten beraubt. Nicht genug, dass wir schon auf eidg . Ebene durch Politiker dauernd ausgetrickst und angelogen werden? Muss das auch noch auf kommunaler Ebene geschehen um das ohnehin schon stark geschädigte Vertrauen zwischen Bürger und Politiker noch mehr zu belasten?

Ich frage mich, ob das Abstimmungsergebnis mit gerade nur fünf Stimmen Ja Überschuss nach diesem arglistigen Täuschungsmanöver überhaupt rechtsgültig und damit rechtlich anfechtbar würde? Vom ethischen Standpunkt aus gesehen wohl schon. Wieviele hätten wohl in Kenntnis des wahren Sachverhaltes mit Nein statt Ja gestimmt und das jetzige 47,5 Millionen teure Projekt verworfen? Die Erweiterung Richtung Markt-/ Sonnenstrasse müsste dann erneut in Betracht gezogen werden. Sie würde vermutlich nicht nur um viele Millionen günstiger, sondern wäre für die Einwohner bequemer erreichbar,  in Kombination mit Einkäufen am Boulevard. Auch wenn die Platzverhältnisse im jetzigen Stadthaus prekär sind, ein Provisorium hinter dem Stadthaus ist in wenigen Monaten erstellt und schneller bezugsbereit als der Monsterbau am Dreispitz.

Zudem stehen in nächster Umgebung in weit weniger als der 111 Meter Distanz vom einen Ende zum anderen der jetzigen Planung ausreichend viele Geschäftsräume leer die angemietet werden könnten. Heute ,wo alle PC’s vernetzt sind , ist die Unterbringung aller unter einem Dach längst nicht mehr zwingend. Ich bin kein Jurist und kann die rechtliche Seite dieser üblen Machenschaften der Akteure dieses verfehlten Projektes nicht beurteilen. Ein Komitee zur Abklärung fände ich wertvoll und ich wäre auch bereit, dafür etwas hinzublättern um gegen solche Zwängerei-Methoden ein Exempel zu statuieren.

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2 thoughts on “Von «arglistigen Täuschungsmanövern» und dem «Monsterbau am Dreispitz»

  1. schiesser

    Auch wenn man kein Fan des geplanten Stadthaus-Neubaus ist, sollte man die Behörden nicht schlechter machen als sie sind. Bei der Abstimmung war bekannt, wo das neue Stadthaus stehen soll. Auch damals stand bereits die Kirche. Auch damals wurde schon darüber diskutiert, ob der Neubau den Blick auf dieselbe beeinträchtige oder nicht. Zudem war klar gesagt worden, dass für Stadthaus samt Tiefgarage mit rund 45 Mio. Franken Kosten zu rechnen sei, von denen 17 Mio. bereits im städtischen Kässeli lägen. Der damalige Stadtpräsident Andreas Netzle hatte sogar immer von „45 Mio. plus/minus 25%“ gesprochen. Der heute genannte Kostenrahmen entspricht also genau den damaligen Angaben. Neu ist nur, dass das Stadthaus 111 und nicht 100 Meter lang werden soll, wie damals kommuniziert. Und neu ist auch, dass die Behörden vor der Abstimmung offensichtlich das eigene Baureglement nicht kannten, das eine Maximallänge von 50 Metern vorsieht/-sah. 11 Meter mehr sind eine ganze Menge und die Nichtkenntnis des Baureglements ist vor allem ein Anlass für Spott – aber weder Betrug noch Irreführung der Stimmberechtigten noch arglistige Täuschung. Wenn ich an das Debakel um das einstmals geplante Parkhaus auf Klein Venedig denke, wo im Vorfeld nicht einmal die Besitzverhältnisse der gewünschten Betreibergesellschaft abgeklärt wurden, glaube ich durchaus daran, dass die 50-Meter-Vorschrift schlicht von Stadt- und Gemeinderat vergessen worden war.
    Allerdings würde ich den städtischen Angestellten wünschen, dass man eine Zwischenlösung – z.B. durch das Anmieten einer oder mehrer Büroliegenschaften in Betracht zöge. Denn bis zum ersten Spatenstich für den Neubau werden – angesichts der Einsprachen und Planungspannen – noch viele Jahre ins Land ziehen.

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  2. Bruno Neidhart

    Für die Abstimmenden stand keine Alternative bereit. Daher – u.a. – die 50:50. Und nun wird nachträglich festgestellt, dass die zur Abstimmung vorgezeigten Unterlagen gar nicht stimmig waren, weder materiell (die Baulänge), noch immateriell (bildliche Darstellung), somit über etwas abgestimmt wurde, das es so nie geben wird, ganz unabhängig vom Unwissen der Behörde, dass hier nach Reglement nur der halbe Bau denkbar wäre. Dass die 50-Meter-Vorschrift „schlicht…..vergessen worden war“ (schiesser), ist ein klassischer Treppenwitz.

    Die ganze Angelegenheit „Stadthaus platzt aus den Nähten, ist wenig behindertengerecht“, usw., ist vollständig neu zu überdenken. Dann mit mindesten einer Alternative betreffend Standort.

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