/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Bei ihm laufen die Fäden zusammen

Kreuzlingen – Stadtschreiber Michael Stahl ist nun 100 Tage im Amt. Der Wechsel von der Politik hinter die Kulissen ist ihm nicht schwer gefallen. Im Interview erklärt der einstige FDP-Gemeinderat, warum er sich als Dienstleister von Stadtrat, Gemeinderat und Bürgerinnen und Bürgern versteht und welche Projekte ihn aktuell beschäftigen.

Stadtschreiber Michael Stahl in seinem Büro im Stadthaus. (Bild: sb)

KreuzlingerZeitung: Herr Stahl, wie ist der Einstieg geglückt?
Michael Stahl: Super, ich bin happy. Das Team auf der Stadtkanzlei und das Arbeitsklima sind sehr gut. Es ist sehr schön, in einen Laden zu kommen, der läuft. Auch kannte ich die Mitarbeiterinnen schon von meiner Zeit als Präsident der Einbürgerungskommission. Da hatte ich viel auf der Stadtkanzlei zu tun. Das hat mir die Einarbeitung erleichtert und war mit ein Grund, der mich bestärkte, mich für die Stelle zu bewerben. Es wäre aber vermessen, zu sagen, ich weiss jetzt schon alles.

Das heisst, die Einarbeitungszeit dauert an?
Mein Motto lautet: Im ersten Jahr überleben, das zweite Jahr sauber durchlaufen, und im dritten Jahr das System weiterentwickeln. Deswegen nehme ich zur Zeit möglichst viele Abendtermine wahr. Ich will so viele Bereiche wie möglich kennenlernen, um an den folgenden Sitzungen in der Materie drin zu sein.

Genügt das Arbeitspensum von 100 Prozent?
Zu wenig zu arbeiten hat ein Stadtschreiber nicht. Aber ich kann mir die Zeit frei einteilen. Ich gehe lieber früher ins Büro, um dann rechtzeitig zum Abendessen mit der Familie wieder zuhause zu sein.

Man sagt ja, der Stadtschreiber ist der sechste Stadtrat. Fast jedes Geschäft geht einmal über Ihren Schreibtisch …
Wer will, kann in dieser Position extrem tief in die Materie reinschauen. Das reizt mich nach wie vor an diesem Amt: die Themen sind breit gefächert, es gibt immer etwas Neues, man lernt ganz viele Menschen und Interessengruppen kennen. Vor allem das Stadtplanerische interessiert mich sehr. Und man sieht, wie es hinter den Kulissen läuft. Beispielsweise ist mir das Bestattungsamt unterstellt. Es ist ungemein spannend zu sehen, wie so ein System funktioniert, welche Abläufe beim Todesfall in Gang gesetzt werden. Ich bekomme Einblicke, die ein Bürger sonst nicht hat.

Als Stadtschreiber sind Sie verpflichtet, politisch neutral zu bleiben. Vermissen Sie das aktive Politisieren?
Der Wechsel in die zweite Reihe ist mir nicht schwergefallen. Ich war nie einer, der unbedingt seine Meinung hinausposaunen musste. Nur manchmal, wenn ich Leserbriefe sehe, in denen, meiner Meinung nach, Sachverhalte falsch wiedergegeben werden, würde ich mich gerne äussern.

Wie aktuell zum Thema Stadthaus?
Manche Leute unterstellen zurzeit, der Stadtrat habe das neue Stadthaus aus Versehen in diesen Massen geplant oder im Vorfeld etwas verschwiegen. Das ist nicht wahr. Der Stadtrat hat bewusst dieses Projekt gewählt und das auch kommuniziert. Auch Gebäude der PHTG oder beim Alterszentrum haben die Regelbauweise überschritten und benötigten eine Sondergenehmigung. Da interessierte es aber keinen.

Welche Projekte beschäftigen Sie im Moment?
Ganz allgemein: die ganzen Baurechtsgeschichten. Dann ist gerade die Zukunft des Bahnhofs Bernrain grosses Thema. Ich sitze in der Jury, welche die Ideen für den Bahnhof Bernrain sichtet und für den Stadtrat auswählt. Da gingen zwei Handvoll Vorschläge ein. Ausserdem bin ich Mitglied der Projektsteuerungsgruppe des neuen Stadthauses. Die Organisation des Gartentags 2019 läuft ebenfalls schon.

Dieses Projekt haben Sie von Ihrem Vorgänger, Stadtpräsident Thomas Niederberger, geerbt …
Wie ein Strassenfest organisiert wird, kannte ich allerdings schon, denn ich war von Anfang an im OK der Sportstrasse. Solche Sachen liegen mir, ich lege immer gerne Hand an: Bühnen aufbauen, Boxen schleppen, und so weiter. Ein guter Ausgleich, wenn ich sonst viel hinter dem Bildschirm sitze.

Im Gegenteil zu früher sind Sie heute bei wichtigen Entscheidungen zwar näher dabei, aber «nur» in beratender Funktion.
Das ist sehr spannend und es ist mir sehr wichtig, allzeit «up to date» zu sein. Wenn ich mich zu einem Geschäft unterstützend äussern kann, bringe ich mich ein. Um das zu tun, beschäftige ich mich auch intensiv mit der Materie. Aber ich habe immer schon gern gelernt. Manchmal kommen mir auch meine Vorkenntnisse zugute: Die erste Botschaft, die ich bearbeiten durfte, war die Überarbeitung des Einbürgerungsreglements. Das war eine Steilvorlage, da musste ich mich nicht mehr gross einarbeiten.

Werden Sie auch auf der Strasse angesprochen?
Das kommt vor, aber da ich in Kreuzlingen aufgewachsen bin, kennen mich die Leute. Die Veränderung ist nicht allzu gross. Generell nehme ich alle Anliegen ernst, teile sie den zuständigen Stellen mit oder versuche, etwas für die Bevölkerung zum Besseren zu ändern. Da verstehe ich mich als Dienstleister der Bürgerinnen und Bürger. Letztens wurde ich von einem Anwohner auf die Notwendigkeit angesprochen, den Boulevard nach der Jazzmeile wirklich bereits sonntags um 6 Uhr morgens abräumen zu müssen. Wir haben das geprüft und werden das für den nächsten Event auf eine für Anwohner freundlichere Tageszeit schieben.

War Stadtschreiber schon immer Ihr Berufswunsch?
Ich habe immer gedacht, eine Führungsaufgabe in der Verwaltung könnte zu mir passen. Richtig ein Lämpchen aufgegangen ist mir aber erst, als Thomas Niederberger seine Kandidatur bekanntgab. Ich bat ihn um ein Treffen, damit er mir erklärt, was ein Stadtschreiber für Aufgaben hat. Das fand ich interessant. Wer Spass hat an der Zusammenarbeit mit Menschen, an Zahlen und Juristischem, ist hier am richtigen Ort.

Zur Person
Michael Stahl ist 38 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Stahl ist in der Kreuzlinger Politik bestens bekannt. Er war mehrere Jahre Gemeinderat für die FDP und in der Primarschulbehörde. Der Sekundarlehrer hat an der ZHAW berufsbegleitend den Bachelor of Science in Betriebsökonomie erworben und später den Master of Science in Banking und Finance.

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