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Neues Quartier beim Yachthafen

Kreuzlingen – Der Kreuzlinger Stadtrat möchte Land hinter dem Yachthafen baureif machen. Die Arbeit am Gestaltungsplan ist schon recht weit fortgeschritten. Jetzt gab es einen Marschhalt, weil der Gemeinderat bei der mit der Erschliessung zusammenhängenden Radwegverlegung mitreden will.

Für dieses Gebiet entsteht ein Gestaltungsplan. Im Hintergrund ist die Heinrichhalle zu sehen. (Bild: sb)

Die Fläche ist riesig, befindet sich an bester Lage und gehört zu einem grossen Teil der Stadt Kreuzlingen: Die Rede ist von mehreren Wiesen hinter dem Yachthafen. Diese umfassen fast 14’500 Quadratmeter zwischen der Heinrichhalle und den bestehenden Häusern im Westen. Angesichts der allgemeinen Landknappheit ist ein solcher Flecken in Kreuzlingen eine Seltenheit. Kein Wunder, bezeichnen Experten dieses Land gern als «Tafelsilber» im Portfolio der Stadt.

Über einen Gestaltungsplan will die Stadt Einfluss nehmen auf die Qualität von hier möglichen Bebauungen. Die Arbeit daran ist schon weit vorangeschritten, eine Vorprüfung beim Katonalen Departement für Bau und Umwelt bereits erfolgt.

Architektonisch gut und auf die bauliche und landschaftliche Umgebung abgestimmt sollen die zwei- bis dreigeschossigen Reihenfamilienhäuser sein und als Einheit, als neues Quartier erkennbar. Es sollte nicht schwierig sein, dafür Investoren zu finden. «Eine Möglichkeit wäre, die Grundstücke im Baurecht auszuschreiben», erklärt Stadtrat Ernst Zülle das weitere Vorgehen. Sogar preisgünstiger Wohnraum sei nicht ausgeschlossen, sagt er, «östlich des Gebietes entlang der Heinrichhalle».

Zentraler Bestandteil des Gestaltungsplans ist allerdings die Verlegung des Bodenseeradwegs von der Werft- in die Promenadenstrasse. Denn die neuen Bewohnerinnen und Bewohner zukünftiger Überbauungen werden den Verkehr hinter dem Hafen verändern. Die Planer befürchten, dass unübersichtliche Situationen zunehmen.

1000 Velos an Spitzentagen
Heute führt der Bodenseeradweg mit 600 Velos pro Tag über die Werftstrasse. Aus dem Gestaltungsplan geht hervor, dass die neuen Bewohner über die Werftstrasse zu ihren Häusern gelangen. Da im sensiblen Baugrund keine Tiefgarage entstehen kann, sind ebenerdige Parkplätze angezeigt. Autos, die zu den Häusern ein- und ausfahren oder die Strasse queren, bedeuten ein erhöhtes Risiko für die Velofahrer.

Der Gestaltungsplan sieht vor, dass auch die Anwohner an der Promenadenstrasse über die Stichstrassen der Werftstrasse zu ihren Häusern gelangen. Hier fahren ebenfalls schon heute viele Velos durch: Obwohl die Strasse für Fahrräder gesperrt ist, missachten an Spitzentagen bis zu 400 Personen das Verbot. Das sorgt für Konflikte mit Fussgängern, die den Verbindungsweg zum Yachthafen ebenfalls rege nutzen.

Neuer, sicherer Radweg
Die Promenadenstrasse soll deswegen verbreitert werden. Auf insgesamt acht Metern Breite sollen Fussgänger und Velofahrer durch zwei Meter breite, mit Bäumen bepflanzte Rabatte getrennt, sicher und separat aneinander vorbeikommen.

Im Budget 2019 sind für die Verlegung und Neugestaltung des Bodenseeradwegs 1,26 Millionen Franken vorgesehen – ein Plan, mit dem der Stadtrat den Vorgaben des Quartierrichtplans folgt. Dieser sieht vor, das Promenadennetz aufzuwerten und den Bodenseeradweg bis zur Heinrichhalle über die Promenadenstrasse zu führen. An der zurückliegenden Sitzung verpflichtete der Gemeinderat den Stadtrat, für das Projekt eine Botschaft auszuarbeiten (wir berichteten). Frühestens im März 2019 kann diese im Stadtparlament behandelt werden.

Frühestens im März geht’s weiter
Das bedeutet, die Arbeit am Gestaltungsplan «Promenaden Mitte» ist bis zur Entscheidung des Gemeinderats gestoppt. Sollte das städtische Parlament an den Kosten schrauben, leidet die Sicherheit, Qualität und Dimension des geplanten Projekts, ist Stadtrat Zülle überzeugt. Was schade wäre: «Es handelt sich um einen der meist befahrenen Velowege der Schweiz. Da sollten wir etwas Gutes realisieren», findet er.

Sollte der Gemeinderat der Verlegung des Radwegs nicht zustimmen, fiele nicht nur der Bundesbeitrag von 140’000 Franken für den Ausbau der Promenadenstrasse weg, welchen das Agglomerationsprogramm vorsieht. Gelder, die den Langsamverkehr fördern sollen. Dann wäre auch die Idee vom separaten Veloweg gebodigt. «Auf der Werftsstrasse kann dieser wegen den zukünftigen Ausfahrten und Stichstrassen nicht realisiert werden, sondern müsste in den Mischverkehr geführt werden», so Stadtrat Zülle.

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