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Vertiefter Einblick in wirtschaftliche Zusammenhänge

Kreuzlingen – Eine schlechte Wirtschaftslage verschärft die ohnehin bestehenden Zielkonflikte zwischen Wirtschaft, Staat und Umwelt. Diese und andere Erfahrungen machten die Schülerinnen und Schüler der Maturaklassen bei der diesjährigen Wirtschaftswoche der Pädagogischen Maturitätsschule (PMS) Kreuzlingen im Rahmen des volkswirtschaftlich-staatskundlichen Planspiels Oekowi.

Die «Regierung» ringt um das Budget für das nächste Jahr. (Bild: zvg)

Während die weit häufiger verwendeten betriebswirtschaftlichen Simulationen in erster Linie darauf ausgerichtet sind, den Gewinn eines fiktiven Einzelunternehmens zu maximieren, geht es beim von der Ernst Schmidheiny Stiftung entwickelten Planspiel Oekowi® um eine gesamtheitliche Sicht: Wirtschaft, Gesellschaft, Staat und Ökologie sollen möglichst in Einklang gebracht werden.

Komplexe Aufgabe
Das ist eine äusserst komplexe und anspruchsvolle Aufgabe, wie die 130 Schülerinnen und Schüler auch bei der diesjährigen Wirtschaftswoche der PMS erkennen mussten. Wenn sie beispielsweise im ersten Geschäftsjahr (entspricht dem ersten Tag der Woche) grosszügig in den öffentlichen Verkehr und andere Umweltmassnahmen investierten, mussten sie im zweiten Geschäftsjahr (am zweiten Tag) erkennen, dass die Staatsverschuldung ein nicht zu verantwortendes Ausmass angenommen hatte. Um zu mehr Einnahmen zu kommen, konnten die Haushalte und die Unternehmen wegen des wirtschaftlich schwierigen Umfeldes und der ausländischen Konkurrenz aber nicht mit höheren Steuern und Abgaben belastet werden, im Gegenteil. Was also tun? In der Regierung, in den zwei Unternehmen und in den vier Haushalten, die in den sechs Klassen (bzw. Ecoländern) von jeweiligen Untergruppen vertreten waren, wurden ebenso intensiv wie engagiert Massnahmen diskutiert, Budgets erarbeitet und Entscheide getroffen, um im dritten und vierten Geschäftsjahr bessere und ausgeglichenere Ergebnisse zu erzielen. Im Parlament prallten die unterschiedlichen Interessen schliesslich aufeinander, was – wie die gesamte Entwicklung über die vier Jahre (bzw. Tage) – von der Mediengruppe kolportiert und kritisch kommentiert wurde. Für eine gewisse Entspannung sorgte, dass sich zum Schluss des vierjährigen Konjunkturzyklus’ das wirtschaftliche Umfeld aufhellte.

Umfassender Einblick
Einen authentischen Einblick in die unternehmerische Realität erhielten die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der Woche beim packenden Referat von Andreas Sallmann, Chef und Inhaber der ISA Sallmann AG in Amriswil, sowie bei der halbtägigen Besichtigung von sechs namhaften Thurgauer Unternehmen. Ebenfalls aus erster Hand und umfassend informiert wurden sie bei der Thurgauer Kantonalbank (TKB) in Weinfelden zum Thema «Geld im Wirtschaftskreislauf».
Die Wirtschaftswoche der PMS hat zudem ein jährlich wechselndes Schwerpunktthema, dieses Jahr zur Frage: Mehr oder weniger Globalisierung? Darüber diskutierten auf dem Podium Jean-Philippe Kohl vom Branchenverband Swissmem der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie, Thomas Braunschweig von der Schweizer NGO Public Eye sowie Martin Gutjahr vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO des Bundes.
In der Summe vermittelte die traditionelle Wirtschaftswoche der PMS auch dieses Jahr in prägnanter Form einen vertieften Einblick in die Wirtschaft und ihre Zusammenhänge – reell und virtuell, und jedenfalls nachhaltiger als es mit mancher Unterrichtsstunde möglich wäre.

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