/// Rubrik: Artikel | Region | Topaktuell

Kontrolle bei Schafzüchter ergab keine Missstände

Herrenhof, Langrickenbach – Nachdem am Montag eine Anzeige wegen Tierquälerei und Missbrauch vom Verein gegen Tierfabriken (VgT) bei der Staatsanwaltschaft einging, kam es am Dienstagnachmittag zu einer unangekündigten Kontrolle durch Veterinäramt, Staatsanwaltschaft und Polizei auf einem Hof in Herrenhof. Die behördliche Kontrolle entlastet den Bauern aber. Gleichzeitig kritisiert das Veterinäramt die Tierschützer scharf.

Symbolbild (Bild: Gerhard Hermes / pixelio.de )

Am 15. Oktober reichte der Verein gegen Tierfabriken (VgT) bei der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen eine Anzeige ein. Diese beinhaltet unter anderem den Vorwurf, ein Bauer aus Herrenhof würde seine Tiere schlagen und misshandeln. Basis ist ein Video, welches unter anderem auf der Plattform Youtube zu sehen war. Es zeigt den Bauern angeblich, wie er Lämmer und Schafe an den Läufen packt und sie über ein Gatter wirft. Bell und Coop beendeten nach Veröffentlichung des Videos «per sofort» die Zusammenarbeit mit dem Herrenhof, berichtete der «Blick».

Die Staatsanwaltschaft gab am Dienstag in einer Stellungnahme bekannt, dass die Anzeige eingegangen sei, aber «die eingereichten Unterlagen beim Veterinäramt völlig unzureichend waren. Der VgT wurde seitens des Amtes noch gleichentags aufgefordert, die fehlenden Unterlagen nachzureichen.»

Keine Missstände sichtbar
Viele fühlten sich sofort an den Fall vom Hefenhofen erinnert, welcher 2017 die Schweiz einen ganzen Sommer lang in Atem hielt. Doch dann nahm der Fall eine Wendung. Bei einer unangemeldeten Kontrolle durch das Veterinäramt, begleitet durch die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei, konnten am Dienstag keine Missstände vorgefunden werden. Bei der Kontrolle wurden sowohl die betrieblichen Einrichtungen als auch der Zustand der Tiere überprüft. Dabei wurden weder eine Gefährdung des Wohlergehens der Tiere noch Anzeichen von Tierquälerei festgestellt.

Der Hof war schon zur Abnahme des neugebauten Schafstalls durch das Veterinäramt  tierschutzrechtlich geprüft worden. Damals gab es bei dieser Abnahme keinen Anlass zu Beanstandungen .

Der Bauer zeigte sich im Interview mit der Thurgauer Zeitung schockiert. Er stecke viel Arbeit und Herzblut in seine Tiere und würde ihnen nie etwas tun. Das Video hält er für manipuliert. Die Tiere wiegen vor der Schlachtung rund 45 Kilo, da kann man diese wohl kaum herum schmeissen, so seine Aussage. Zudem könnte man die Tiere nicht bei der Wolle packen, daher ist es gängige Praxis, die scheuen Tiere bei den Hinterläufen zu fangen und zu verladen. Dabei wird dem Tier kein Schaden zugefügt, bekräftigt der Bauer. Die Landwirtin äusserte ausserdem auf Nachfrage der Zeitung, dass das Video definitiv manipuliert sei: «Hier werden Handlungen dargestellt, die niemals so schnell sein können.»

Nachbarschaftsstreit als Auslöser?
Das Video wurde aus grosser Entfernung mit einem Teleobjektiv aufgenommen, so der Präsident der Vgt, Erwin Kessler, gegenüber «Blick». Die Identität des Filmenden wollte er aber nicht nennen. Der Bauer nimmt stark an, es ist sein Nachbar. Dieser hatte in der Vergangenheit schon Schwierigkeiten mit ihm, beschwerte sich über Gerüche und sei ausfällig geworden. Eine Person, die den Bauer gut kennt, sagte gegenüber der Thurgauer Zeitung, der Nachbar hätte schon früher gedroht ihm (besagtem Bauern) «den Tierschutz auf den Hals zu hetzten», dabei aber keinen Erfolg gehabt. Den grössten Schaden hat wohl das Image des Schafzüchters bekommen.

Bereits kurz nach der Veröffentlichung des Videos berichteten sowohl Print- als auch Onlinemedien schweizweit über Herrenhof. Mit Überschriften wie: «Warum wirft dieser Bauer Lämmer quer durch den Stall?»  und «Thurgauer Bauer misshandelt Lämmer brutal» ist dem guten Ruf nicht wirklich geholfen. Youtube hat das Video bereits entfernt, es ist aber noch unter anderem bei «Blick» und anderen Onlinemedien zu finden.

Scharfe Kritik an VgT
In einer offiziellen Stellungnahme gab die Staatskanzlei des Kantons Thurgau an, die unangekündigte Kontrolle habe ergeben, dass Sofortmassnahmen aus tierschutzrechtlicher Sicht laut Veterinäramt nicht nötig sind. Ob sich der Tierhalter strafrechtlich etwas hat zu Schulden kommen lassen, werden die weiteren Abklärungen von Polizei und Staatsanwaltschaft zeigen. Der Abschlussbericht wird Ende des Monats erwartet. Die Staatskanzlei übte allerdings scharfe Kritik an der VgT. «Die Art und Weise, wie der VgT die Anzeige öffentlich gemacht hat, ist grundsätzlich nicht im Sinne der angelaufenen Untersuchung und der Strafverfolgungsbehörden. Die Veröffentlichung einer Anzeige nur wenige Stunden nach Anzeigeerstattung erschwert eine Beweissicherung in jeglicher Hinsicht», so das Statement.

Und weiter: «Ausserdem führe sie zu einer übereilten öffentlichen Vorverurteilung mit existenzbedrohenden Konsequenzen für den Tierhalter, seine Frau und die Kinder. In einem Rechtsstaat gilt bis zu einem in Rechtskraft erwachsenen Entscheid die Unschuldsvermutung. Insbesondere die Veröffentlichung des Familienfotos in den Sozialen Medien erscheint verantwortungslos und steht in keinem Zusammenhang mit dem aufgrund der Anzeige zu untersuchenden Sachverhalt.»

Share Button

One thought on “Kontrolle bei Schafzüchter ergab keine Missstände

  1. Markus Birrer

    im Thurgau hat derBauernstand einen grossen Einfluss. Sie nennen tierquälerisches Verhalten professionelle Nutztierhaltung. Der Bauernstand sollte dazu lernen. Der lange Arm der Politik hat seit Jahrzenten verhindert dass Tierquäler im Thurgau konsequent bestraft werden. Bauern dieser Schweiz. Erzieht bitte Eure Kollegen. Politiker. Macht Schluss mit dem Wegschauen und Schönreden.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar zu Markus Birrer Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.