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Konstanz gibt Contra

Konstanz – Der Konstanzer Oberbürgermeister kritisiert die italienische Partnerstadt Lodi für ihre fremdenfeindliche und diskriminierende Politik.

Schöne Stadt, unschöne Politik: Lodi in der Lombardei. (Bild: commons.wikipedia.org)

Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt und sein Amtskollege aus der französischen Partnerstadt Fontainebleau schiessen scharf gegen die italienische Partnerstadt Lodi. Diese erliess kürzlich eine Regelung, welche die ausländischen Einwohner der Stadt verpflichtet, nachzuweisen, dass sie in ihrem Herkunftsland über keinerlei Besitz verfügen. Ohne einen solchen Nachweis wird den Familien die Unterstützung für Schulkantine, Schultransport und Hausaufgabenbetreuung gestrichen. De facto führe diese Regelung dazu, dass rund 300 Kinder vom Essen in der Schule ausgeschlossen sind und den Schulbus nicht benutzen dürfen, schreibt die Oberbürgermeister in seinem offenen Brief an die Bürgermeisterin von Lodi. Burchhardt beruft sich dabei auf Presseberichte. Denn einen solchen Vermögensnachweis zu erbringen, sei in den teilweise von Kriegen gebeutelten Ländern unmöglich.

Es handele sich hierbei um ein fremdenfeindliches und diskriminierendes politisches Programm, das erbarmungslos zuschlage und in erster Linie die Kinder träfe, so der Brief weiter.

«Wir sind der aufrichtigen Überzeugung, dass man in Europa Kinder nicht nach ihrer Herkunft ordnet», so Burchhardt. Das widerspreche auch der symbolischen Städtepartnerschaft, die für Frieden, Brüderlichkeit und Humanismus stehe. Das Vorgehen in Italien erinnere an die düstersten Stunden der eigenen Geschichte. Der Brief endet mit einer Forderung nach Lodi, die Entscheidung sofort zurückzunehmen und der «unwürdigen Situation» ein Ende zu setzen.

Von der Konstanzer Linken Liste war bereits am Mittwoch gefordert worden, die Partnerschaft mit Lodi zu kündigen. Lodis Bürgermeisterin Sara Casanova degradiere Schüler zu Menschen zweiter Klasse. 

Pikant – und gewiss nicht unabsichtlich? Wie das Internetportal «SeeMoz» berichtet, hat am Samstagabend auf der Konstanzer Fähre «Lodi» ein Konzert der Rechtsrocker «Frei.Wild» stattgefunden. Am Tag zuvor erst hatten 1500 Menschen in der Stadt gegen Rassismus protestiert.

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