/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Wie jeden Herbst – nur schlimmer!

Kreuzlingen – Die neuen unwillkommenen Hausgäste in diesem Jahr sind Baumwanzen. Die Insekten sind harmlos. Wer sie eklig findet, kann dennoch Massnahmen ergreifen.

Die Wanze ist vielleicht ein Stöhrenfried aber vollkommen harmlos. (Bild: Alpsdake)

Fast jeder hat es diesen Herbst schon erlebt: Man öffnet das Fenster um noch ein paar der verbliebenen Sonnenstrahlen einzufangen und bekommt Besuch von einem brummenden Insekt. Die Baumwanze oder auch Halyomorpha halys ist eine aus Ost-Asien eingeschleppte Art von Wanze. Sie ist für den Menschen harmlos und auch das stark duftende Sekret, welches sie ausstösst, wenn sie gestresst ist, ist ungefährlich.

Harmlose Stinktiere
Es ist trotzdem nicht zu empfehlen, sich mit den kleinen Brummern anzulegen. Denn sie können ihr Sekret weitläufig versprühen. Werden sie zerquetscht oder erschlagen, kann der Geruch sogar über eine Woche anhalten. Gerade nach unserem Rekordsommer haben sich die Wanzen zur Plage entwickelt. Der Grund dafür ist, dass die Baumwanze es schafft, im Gegensatz zu heimischen Wanzenarten, mehrere Generationen im Jahr zu produzieren. Ihre Larven brauchen vergleichsweise kurz, nur vier bis fünf Wochen, um sich zu entwickeln. Diese Tiere halten zudem keine klassische Winterruhe.

Sie sind vollkommen auf Temperaturen fixiert. Im Gegensatz zu anderen Insekten, welche nach Anzeichen von Kälte ihre Winterruhe halten, fliegen Baumwanzen beim ersten Anzeichen von Wärme wieder munter herum. Sie kommen momentan vor allem auf Futtersuche in unsere Häuser. Die Insekten verbringen den Spätsommer oftmals in Gewächshäusern, ernähren sich dort von Pflanzensäften, und sobald zum Herbst kein Futter mehr zu finden ist, machen sie sich auf die Suche. Für uns mutet das dann wie ein Massenansturm an. Es ist zudem damit zu rechnen, dass die Tiere auch einen Platz zum Überwintern in unseren Häusern suchen werden, sobald es kälter wird.

Um die Tiere fernzuhalten empfielt der Südkurier ein Gemisch aus Knoblauch, Minzpulver und Wasser an den Fensterrahmen zu sprühen. Katzenminze am Fenster soll auch helfen. Manuel Wegmann von Anticimex–Intelligente Schädlingsbekämpfung steht Hausmitteln hingegen skeptisch gegenüber. Er sagt: «Ich denke, das ist eher eine Glaubensfrage.» Einen Schädlingsbekämpfer würde er aber wegen den Tierchen nicht rufen. «Lassen Sie die Fenster geschlossen oder installieren Sie ein Fliegengitter», empfiehlt er jenen, die wirklich von den Tieren genervt sind. Er als Schädlingsbekämpfer rückt nur aus, wenn die Tiere in Massen, zum Beispiel hinter Fassaden, auftreten.

Faszination Wanze
Ralf Heckmann ist ein geschätzter Biologe und Experte auf dem Gebiet von Wanzen. Sowohl bei ihm zu Hause in Konstanz als auch in seiner Praxis in Tägerwilen sind ihm die Baumwanzen begegnet. «Es gibt kein sicheres Mittel, sie fernzuhalten. Ich habe letztens eine auf einer Korrianderpflanze gesehen», sagt er. Er rät zudem davon ab, mit aggressiven Mittelchen gegen die Insekten vorzugehen.
«Sie tun einem ja nichts und sind auch nicht schwer einzufangen», erklärt er. Daher sei dies die einfachste und stressfreiste Methode, sich von den unwillkommen Hausgästen zu entledigen: sie hinauszuwerfen.
Wir werden uns also noch etwas mit den kleinen Plagegeistern herumärgern müssen, bis es kälter wird.

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