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Schweigen für jene ohne Stimme

Konstanz – Beim weltweiten «Walk For Freedom» am 20. Oktober haben auch über 200 Teilnehmer aus Konstanz und der Schweizer Grenzregion ein Zeichen gegen Menschenhandel gesetzt.

200 Teilnehmer prozessierten in einer langen Schlange durch die Konstanzer Innenstadt. (Bild: Hillsong Church Deutschland)

Sie sind schwarz gekleidet und schweigen. Die über 200 Teilnehmer des «Walk For Freedom» schreiten in einer langen Reihe durch die Konstanzer Innenstadt, Männer und Frauen. «Wir sind symbolisch für die Freiheit anderer gelaufen. Schweigend, denn Opfer haben keine Stimme. Aber wir glauben daran, dass moderne Sklaverei abgeschafft werden kann», betont Anne Okolowitz, die seit Jahren beim «Walk For Freedom» in Konstanz mitläuft und zum Team der Ehrenamtlichen gehört, die das lokale Event organisieren. Veranstalter in Konstanz ist in diesem Jahr wieder die evangelisch-freikirchliche Gemeinde «Hillsong Church Deutschland». Auf ein Problem aufmerksam zu machen, sei der erste Schritt zur Prävention, ist sich Anne Okolowitz sicher. Zum «Walk For Freedom» ruft seit fünf Jahren die Organisation A21 auf, die weltweit Menschenhandel bekämpft.

Während des Schweigemarschs verteilen Helfer Flyer an Passanten, beantworten Fragen. «Viele sind interessiert stehen geblieben», sagt Okolowitz. So ergeben sich Gespräche. Schnell wird klar: Den meisten ist nicht bewusst, dass Menschenhandel auch die eigene Stadt und durch Konsumgüter den eigenen Alltag betrifft – und dass sie etwas dagegen tun können. Bereits zunehmend bewusster Konsum und kritische Rückfragen bei Herstellern seien ein echter Anfang. «Oder über das Thema zu reden und ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit dafür zu schaffen», betont Okolowitz. Das kann jeder. Zum Beispiel beim jährlichen «Walk For Freedom».

Denn laut aktuellen UN-Schätzungen leben mittlerweile rund 40 Millionen Menschen in modernen Formen von Sklaverei – ein Viertel davon sind Kinder. Aber nur ein Prozent der Opfer wird jemals gerettet. Nicht nur in Konstanz, sondern in 25 deutschen Städten und überall auf der Welt haben am 20. Oktober – zeitnah zum EU-Tag gegen Menschenhandel – 467 lokale Schweigemärsche stattgefunden. Bundesweit unterstützen viele Vereine, Gruppen und Kirchengemeinden die Arbeit von A21 und setzen sich gegen diese «weltweite Ungerechtigkeit» ein.

geschrieben von Claudia Salzmann-Eltermann

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