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Demokratie, so wichtig wie die Fasnacht

Ermatingen – Nach zwölf Amtsjahren stellt sich der ermatinger Gemeindepräsident Martin Stuber nicht mehr zur Wiederwahl. Gleich drei Kandidaten und eine Kandidatin stellten sich an der Podiumsdiskussion in der Mehrzweckhalle am Mittwochabend über 250 Interessierten vor.

Die Podiumsdiskussion erfreute sich breiter Beliebtheit. (Bild:zvg)

Von ursprünglich sieben Interessenten blieben noch vier Personen nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen der Interpartei bei ihrer Kandidatur. Am vergangenen Montagabend stellten sich diese vier in der Mehrzweckhalle in Ermatingen den Fragen des Moderators Urs Brüschweiler und anschliessend den Voten aus der Bevölkerung.
Zur Wahl stellen sich Heidi Gerber-Zbinden, Bildungsverantwortliche Tertianum Ermatingen, Willi Hartmann, Gemeindepräsident von Raperswilen sowie Liegenschaftenverwalter, Andreas Jenny, Geschäftsführer Jakoubek Medizintechnik, Ermatingen und Urs Tobler-Schümperli, Vertriebsleiter Kurz SSI AG.
Das Interesse bei der Bevölkerung war riesig, Reto Wagner von der Interpartei meinte scherzend zur Einleitung: «Ich kann die Kandidaten nur warnen, bei den zukünftigen Gemeindeversammlungen werden bestimmt nicht so viele Personen anwesend sein.» Der Saal füllte sich bis auf den letzten Platz, insgesamt waren an die 250 Interessierte anwesend.
Urs Brüschweiler führte locker die Moderation. Als Erstes fragte er Heidi Gerber-Zbinden, wie es sich als einzige Frau in dieser Vorrunde anfühlt. Diese meinte: «Ich setze nicht auf den Frauenbonus, aber ich versichere ihnen: ich stehe meinen Mann!»

Fasnacht fest verankert
Dass die Fasnacht in Ermatingen neben der Politik ein wichtiger Posten ist, zeigt sich bei der Umfrage, was die betreffenden Kandidaten in der Freizeit bevorzugen würden. Zwei von vier sprachen sich ganz klar für die Fasnacht aus. Andreas Jenny, der in Luzern aufgewachsen war, betonte seine Verbundenheit zur Fasnacht.

Zukünftiger Führungsstil
Die drei Herren und Heidi Gerber-Zbinden als einzige Frau, wurden zum zukünftigen Führungsstil mit dem Gemeinderat und der Verwaltung befragt. Durchgehend wurde auf Teamplay, Teamförderung und auf einen eher sanften Führungsstil hingewiesen. Einzig Urs Tobler meinte: «der Führungsstil soll teamorientiert, mit klaren Zielen, mit Kontrollen und dennoch offen sein».
Andreas Jenny will bessere Rahmenbedingungen schaffen, dazu sollte vorgängig ein neues Leitbild erarbeitet werden. Ziel sollte sein, neues Gewerbe in Ermatingen anzusiedeln. Auch Willi Hartmann war der Meinung, dass die Rahmenbedingungen geschaffen werden sollen und der Dialog mit dem schon starken Gewerbeverein gesucht werden müsste. Urs Tobler-Schümperli war jedoch der Meinung, dass neben der Standortförderung von neuem Gewerbe, auch dem schon ansässigen Gewerbe Sorge getragen werden und auch gefördert werden muss.

Ermatingen ist nicht langweilig
Im Bereich Tourismus wurde einstimmig von den Kandidaten bestätigt, dass Ermatingen eine sehr attraktive Gemeinde für Touristen ist. Zwar sind die Übernachtungszahlen rückläufig, aber mit den vielen verschiedenen Attraktionen wie die Gropenfasnacht, dem Napoleonturm und der wunderschönen Umgebung, jederzeit konkurrenzfähig.
Die neue Gemeindeordnung wurde vom Stimmvolk vergangenes Jahr verabschiedet und fand bei allen Kandidaten Zustimmung. Das Amt im 100 Prozent Pensum auszuschreiben sei notwendig und dieses im Homeoffice zu erledigen, unrealistisch. Einzig Heidi Gerber-Zbinden war der Meinung, dass man das Pensum mit 80 bis 100 Prozent überdenken müsse, sei doch ein gutes Team im Rücken vorhanden.

Gemeindefusion kein Thema
Alle vier Kandidaten waren derselben Meinung, dass eine Fusion mit umliegenden Gemeinden keine Zukunftsmusik ist. Einzig die Vernetzung und Ressourcenverknüpfung wäre sinnvoll und müsste gefördert werden.
Das Dorfbild soll seinen ländlichen Charakter behalten. Es seien schon verschiedene Bausünden begangen worden. Jedoch ist das Wachstum durch fehlendes Bauland beschränkt. Der Steuerfuss soll gemäss allen vier Kandidaten so bleiben, wie er gerade ist. Es besteht eine hohe Steuerkraft pro Einwohner, was Begehrlichkeiten hervorrufe. Ein Haar in der Suppe war für alle Kandidaten, dass das Sportangebot in Ermatingen nicht sehr attraktiv ist, und viele nach Tägerwilen oder Kreuzlingen ausweichen müssten. Eine schnelle Lösung hatte aber keiner der Kandidaten im Gepäck.
Im Grossen und Ganzen gab es keine grossen Konfliktpunkte, es konnte sich auch kein Kandidat mit einer anderen Meinung positionieren. Alle vier Kandidaten hatten bekanntgegeben, an ihrer Kandidatur festzuhalten und sich am 25. November aufzustellen. Am 14. Januar 2019 findet allenfalls eine zweite Podiumsdiskussion statt, vorbereitend auf einen allfälligen zweiten Wahlgang am 10. Februar.
Wie ein Sprecher der Interpartei am Schluss treffenderweise schlussfolgerte: das Interesse am neuen Gemeindepräsidenten ist gross, man darf auf den Wahlausgang gespannt sein: «hier ist die Demokratie so wichtig wie die Fasnacht.»

geschrieben von Petra Gruber

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