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«Verschieden und doch einig»

Kreuzlingen – An der Podiumsveranstaltung der Quartiervereine betonten Stadtpräsident Thomas Niederberger und die bisherigen Mitglieder des Stadtrats ihre auf Konsens ausgelegte Arbeitsweise. Auch Markus Brüllmann, SP-Kandidat für den frei werdenden Sitz im Stadtrat, stellte sich den Wählerinnen und Wählern vor.

(V.l.) Moderator Edgar Sidamgrotzki, Kandidat Markus Brüllmann, die Stadträte Ernst Zülle, Thomas Beringer und Dorena Raggenbass sowie Stadtpräsident Thomas Niederberger. (Bilder: sb)

Die Quartiervereine hatten den parteilosen, neutralen und unbeteiligten Landschlachter Edgar Sidamgrotzki als Moderator für das Wahlpodium gewinnen können. Er war 18 Jahre lang Chef des Amts für Wirtschaft und Arbeit Thurgau und führte kompetent durch den Abend.

Bei seinen Fragen liess Sidamgrotzki Humor nicht vermissen. Beispielsweise sprach er Markus Brüllmann, 50, auf den von seiner Partei organisierten Hol- und Bringtag an: «Hol- und Bring, könnte man das auch als Motto ihrer Politik verstehen?» Seinen Gegenüber konnte er damit nicht aus der Fassung bringen. Brüllmann wies den Moderator auf die Absage des Recycling-Anlasses wegen Schlechtwetters hin und erläuterte ihm ausserdem seine sozialdemokratische Haltung. Sidamgrotzki daraufhin: «Aber wenn sie gewählt werden, müssen Sie es bringen!»

Markus Brüllmann will Stadtrat Soziales werden.

Brüllmann will ran!
SP-Kandidat Brüllmann präsentierte sich als Linkspolitiker mit langfristigen Ambitionen. «Mit 50 habe ich genug Zeit, um in das Amt reinzuwachsen», sagte der Familienvater. Er empfahl sich unter anderem als langjähriger Gemeinderat zur Wahl. Mit dieser Erfahrung sei es ihm sicher möglich, in der Exekutive viel zu bewegen. Den Seitenwechsel gehe er deswegen voll motiviert an. «Ich bin auch für Bürgerliche wählbar», betonte Brüllmann seine Fähigkeit, Mehrheiten zu schaffen. Im Fall seiner Wahl will er trotz 60-Prozent-Pensum zum Berufspolitiker werden.

Auf konkrete Themen angesprochen, hielt er seinen dezidierten Meinungen nicht hinter dem Berg. Die Stadt für Fussgänger und Velofahrer zu verbessern, funktioniere nur auf Kosten des motorisierten Individualverkehrs, sprich: der Autofahrer, findet Brüllmann, «sonst ist bald alles mit Autos zugeparkt».

Stadtpräsident Thomas Niederberger (r.) ist seit März im Amt.

Dem Stapi macht’s Spass
Den Anfang bei der Vorstellung der Bisherigen machte Stadtpräsident Thomas Niederberger (48, FDP). Er ist seit März im Amt und sieht die kommenden Wahlen als Test seiner Leistung an. Er selbst findet seinen Rollenwechsel vom Stadtschreiber ins Präsidium gelungen. Auch wenn die Arbeit jetzt eine andere sei, habe er sich menschlich nicht verändert, sagt Niederberger. Sein Herz schlage nach wie vor für Kreuzlingen und als eine seiner besonderen Qualitäten hob er seine Fähigkeit hervor, Menschen mit verschiedenen Meinungen an einen Tisch zu bringen – auch wenn es nicht immer einfach sei, Lösungen zu finden, die für alle tragbar sind, wie die Diskussion um den Boulevard beweist. Dank eines monatlichen Jour Fixe mit dem Konstanzer Oberbürgermeister sei der Kontakt zur Nachbarstadt produktiv und unkompliziert.

Kopfzerbrechen bereitet dem Stadtoberhaupt derzeit der geplante Neubau des zentralen Verwaltungsgebäudes. Eine Genehmigung des Kantons für die Überschreitung der Regelbauweise steht hier noch aus, was etliche Bürger als Anlass zur Kritik nahmen. Bisher sei viel Arbeit in das Grossprojekt Stadthaus investiert worden, betonte Niederberger, und es sei ihm wichtig, dass es hier so schnell wie möglich vorwärts geht. Er sieht das Stadthaus als Teil der Zentrumsentwicklung. Zusammen mit dem Bau und der Sanierung des Schwimmbads Egelsee, der angedachten Sanierung des Dreispitzparks und der Löwenstrasse sind hier Projekte in der Pipeline, die das Gesicht des Kreuzlinger Zentrums stark verändern werden.

Stadtrat Ernst Zülle (r.) schätzt die lebhaften Diskussionen im Gremium.

Im Gespräch mit den drei weiteren Mitgliedern des Stadtrats musste nichts Neues in Erfahrung gebracht werden, sind sie doch dank ihrer mehrjährigen Tätigkeit bestens bekannt. Sie alle würden gerne ihr Departement behalten. Der alteingesessene Kurzrickenbacher Ernst Zülle (CVP, 58, Departement Bau) wurde auf seine Tätigkeit als Gewerkschafter angesprochen und hätte bei der Sanierung der Romanshornerstrasse gerne mit grösserer Kelle geschöpft. Dorena Raggenbass (parteilos, 61, Departement Gesellschaft) hat als Interims-Stadtpräsidentin bewiesen, dass sie den Laden zusammenhalten kann und will unter anderem ein Kulturzentrum auf dem Schiesser-Areal realisieren. Thomas Beringer (55, EVP, Departement Dienste) hat unter anderem lang pendente Geschäfte wie das Sicherheitsreglement erledigt und liest zum Ausgleich gerne Krimis von Tom Clancy und Harry-Potter-Romane.

Moderator Edgar Sidamgrotzki.

Gutes Team
Das Klima im Stadtrat beurteilen alle Kandidaten als sehr gut: «Wir diskutieren viel und intensiv, aber finden uns immer», so Thomas Niederberger. Und Ernst Zülle ergänzte: «Dabei beschiessen wir uns nicht mit Wattebäuschen.» Die Parteizugehörigkeit trete seiner Meinung nach im Stadtrat in den Hintergrund, auch wenn keiner seine Herkunft verleugne.

BTS/OLS
Aus dem Publikum kam im Anschluss nur eine einzige Frage, und die betraf die Südumfahrung. Die Mehrheit des Stadtrats sieht hier ohne BTS/OLS keine Realisierungsmöglichkeit. Wertet man die Anzahl der Fragen als Gradmesser für die Zufriedenheit der Bürger mit ihrer Regierung, so kann davon ausgegangen werden, dass die bisherigen Stadträte und der Stadtpräsident in ihren Ämtern bestätigt werden und Markus Brüllmann die Nachfolge von Barbara Kern antreten wird.

Die Wahl findet am 25. November statt.

Hier geht es zum Bericht über das Podium zu den Schulwahlen.

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2 thoughts on “«Verschieden und doch einig»

  1. Rechenkunst

    Fehlerhafte Angabe:

    Liebe Kreuzlinger Zeitung. Bereits letztes Jahr erwies es sich für Euch als schwierig und zu herausfordernd, richtig zu recherchieren. Zülle ist 58 Jahre alt und nicht etwa 59.

    Antworten

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