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Lichtspiele mit Geometrie

Kreuzlingen – Ab dem 8. November zeigt der Kreuzlinger Edwin Steuble seine «Kunst aus dem Baumarkt» im Wöschhüsli des Seemuseums. Mit seinen Reliefbildern macht der ehemalige Mathematiklehrer selbst überzeugten Mathe-Verweigerern die Geometrie wieder schmackhaft.

Edwin Steuble im Gespräch über seine Werke mit der Museumsleiterin
Ursula Steinhauser. (Bild: am/zvg)

Quader, Prismen, Pyramiden, Dreiecke – bei vielen wecken diese Bezeichnungen böse Erinnerungen an die Schulzeit. Dass geometrische Formen aber auch einen ganz besonderen ästhetischen Reiz haben können, zeigt Edwin Steuble in der Ausstellung «Reliefbilder». Mit seinen fürs Seemuseum eher ungewöhnlichen Ausstellungsobjekten startet er die Wiederbelebung des Wöschhüslis als Ausstellungsraum für Gemälde. «Um die 2000er zeigte Ueli Wepfer die Gemäldesammlung vom Seemuseum im Wöschhüsli», erklärt Ursula Steinhauser, Leiterin des Seemuseums. Diese Sammlung beinhaltet Motive des Bodenseeraums wie Landschaften, Schifffahrts- und Fischerthemen. Vor etwa fünf Jahren richtete Wepfer, Präsident der Betriebskommission Stiftung Seemuseum, die Räume als Büros ein;
die Bilder werden seitdem im Kulturgüterraum aufbewahrt.
Im Rahmen des Umbaus des Seemuseums habe man sich entschieden, die charmanten Zimmer wieder selbst für Ausstellungen zu nutzen. Das kleine, oberhalb des Seemuseum gelegene Häuschen steht mitten auf einer Kuhweide. Die hellen Räume mit Fensterblick in die herbstlich bunte Natur bieten einen wunderbaren Kontrast zu Steubles meist monochromen Reliefs, die je nach Lichteinfall und Betrachterstandpunkt ihr Aussehen verändern.

Lieber schneiden statt pinseln
2012 ging der ehemalige Sekundarschullehrer Steuble in Pension. Gestalterisches habe ihn schon immer interessiert und so versuchte er sich in der neugewonnenen Freizeit in der Malerei. «Den Pinsel habe ich schnell wieder verworfen», meint er, er habe bei sich da keine künstlerischen Fähigkeiten entdecken können. Dabei sind seine klaren und doch tiefgründigen Reliefs durchaus Kunstwerke, auch wenn er sich selbst nicht als Künstler bezeichnen möchte: «Ich bin einer, der gerne schraubt, schneidet, klebt. Ich sehe mich eher als Handwerker», sagt er bescheiden.  Er hat Spass daran, mit unterschiedlichen Materialien zu experimentieren, und diese findet er meist an einem seiner Lieblingsorte: dem Baumarkt. Aus Gips, Hartschaum, Wellpappe, Holz, Dämmplatten, Silikon und vielem mehr kreiert er seine Werke, die mit Licht und Schatten spielen und an die Op-Art der 1960er erinnern. Der deutsche Künstler Günter Uecker hätte ja auch seine berühmten Nagelbilder gemacht, ebenfalls ein Produkt aus dem Baumarkt. Uecker sei schon irgendwie eine Inspiration für ihn gewesen.

Von der Tafel in die Ausstellung
«Das, was du früher gelehrt hast, bringst du nun in eine ansprechende Form. Die Bilder verändern sich mit dem Lichteinfall und im Tagesverlauf. Das ist sehr faszinierend», findet Ursula Steinhauser. Ihm selbst sei erst gar nicht so bewusst gewesen, dass er mit geometrischen Formen spielt und so seinen ehemaligen Beruf als Mathe- und Geometrielehrer nun ästhetisch anwendet. In manch einem Werk wiederholt sich eine einzige geometrische Figur über hundertmal. «Das gleiche Element, wie zum Beispiel ein Würfel, ordne ich immer wieder anders an», so der Kreuzlinger. «Je nach Licht und Perspektive merkt man so erst mal, wie ein geometrischer Körper ganz viele Ausdrücke haben kann», schwärmt die Museumsleiterin. Einige seiner Reliefbilder hängen bereits «in fremden Stuben». Vor einem Jahr habe er einen «Probegalopp» mit einer Ausstellung in Zürich gestartet – mit Erfolg. Das Feedback habe ihn ermutigt, weiter zu machen. Ein Glück, denn so bringen seine Bilder ein wenig «Struktur» in den nebligen November am See.

Vernissage ist am Donnerstag, 8. November, 17.30 bis 19.30 Uhr. Die Öffnungszeiten im Wöschhüsli sind wie im Seemuseum mittwochs, samstags und sonntags, 14 bis 17 Uhr. Edwin Steuble wird jeweils anwesend sein und für Gespräche zur Verfügung stehen. Finissage ist am 21. November, 17 bis 19 Uhr.

geschrieben von Antonia Moretti

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