/// Rubrik: Stadtleben

«Das ist eine Aufgabe für einen Manager»

Kreuzlingen – Markus Baiker kandidiert fürs Schulpräsidium. Er sieht in der Kreuzlinger Schule einen Betrieb, dessen Arbeitsabläufe optimiert werden können. Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Privatwirtschaft bringt er dafür das nötige Know-how mit. Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen aber auch Menschenkenntnis sind Qualitäten, die er als neuer Chef besitzt.

Markus Baiker will die Schule fit für die Zukunft machen. (Bild: sb )

Markus Baiker ist ein Manager mit viel Erfahrung. Und er kann eine gewisse Nähe zur Schule vorweisen, ist doch seine Tochter Oberstufenlehrerin am Remisberg, mit der er sich oft austauscht. Aber eine pädagogische Ausbildung hat er nicht. Das sei auch kein Nachteil, sagt er überzeugt: «Ein Lehrer wird diesen Job nicht packen.» Um die Schule auf sichere Beine zu stellen, benötige es vielmehr ausserordentliche Führungserfahrung. «Ich bin es gewohnt, grosse Organisationen zu leiten und ich kann die Schule vorwärtsbringen», sagt der Verkaufsleiter für Grosskunden des IT-Unternehmens Trend Mikro.

Baiker trennt klar zwischen dem schulischen Bereich und der Verwaltung mit den Behörden. Der Schulunterricht soll und darf vielfältig sein, so hat er es selbst kennengelernt, als er in Kreuzlingen bei Hannes Bollinger die Schulbank drückte. Der Lehrer war für seine unkonventionellen Methoden bekannt. «Wichtig ist die Qualität des Unterrichts, dieser kann viele Formen haben. Lehrpersonen sind für mich Volksbildhauer. Die Kinder müssen einen Mehrwert mitnehmen. Aber da verlasse ich mich auf die Schulleiter und Lehrpersonen. Dort ist das pädagogische Wissen versammelt», sagt der Kreuzlinger.

Den zweiten Bereich sieht er als organisatorischen Betrieb an, dessen Zweck es ist, den Fachleuten optimale Bedingungen für ihre Arbeit zu schaffen – was sich mitunter leichter anhört als getan.

Denn die Schule wurde über die Jahre geprägt vom langjährigen Präsidenten Jürg Schenkel. Schenkel sei ein Macher gewesen, sagt Baiker, ein Strippenzieher – «in der Wirtschaft würde man sagen: ein Patron» – über dessen Tisch jedes Geschäft laufen musste. Er war kein Pädagoge. Dass es schwer war, in Schenkels Fussstapfen zu treten, sei klar. Aber für Baiker ist auch klar: «Moderne Betriebe haben andere Prozesse. Die Schule muss modernisiert werden. Und das wird nicht immer auf die freundliche Art gehen, solche Veränderungen wird ein Schulpräsident auch mal durchdrücken müssen.»

Eine anspruchsvolle Aufgabe werde es sein, alle Beteiligten ins Boot zu holen und dann dazu zu bringen, in dieselbe Richtung zu rudern. Denn: «Eine Umorganisation geht nur zusammen mit allen Beteiligten. Da muss man Meinungen ein- und abholen und breite Abstützung erarbeiten.»

«Die Schule muss modernisiert werden»

Für diese Reorganisation gibt sich Baiker sechs Jahre, also die begonnene Legislaturperiode und dann nochmal eine. Sein Ziel ist es, die Schule dann in einem modernen Zustand einem Nachfolger zu übergeben. Er selbst sieht sich keineswegs als Patron an, sondern als Chef, der zwar bestimmt ist, aber auch mit vielen kann: «Ich bin es gewohnt, mit ganz unterschiedlichen Charakteren zu arbeiten und ich denke, dass ein Schulpräsident Vertrauen und Kompetenzen schenken können muss. Über meinen Tisch wird nicht alles laufen müssen.»

Dass die Umstrukturierung der Schule nicht von heute auf morgen über die Bühne geht, ist ihm klar. Er geht von einem intensiven ersten Jahr zur Einarbeitung aus. Im Falle seiner Wahl will sich Baiker aber so schnell wie möglich einen Einblick in die Verwaltung in ihrer gesamten Breite sowie in alle anstehenden oder liegengebliebenen Projekte verschaffen. «Das ist zu einem Teil bereits vor Stellenantritt möglich», sagt er motiviert. «Denn wenn man neu reinkommt, dann muss man die Mitarbeitenden erst mal machen lassen und zuschauen und zuhören. Später, mit Einsicht in die Dossiers, findet man auch heraus, warum etwas schiefgelaufen ist, ob es am Chef lag oder ob vielleicht an anderer Stelle blockiert wurde.»

Hilfe verspricht sich Baiker je nach Situation von einer extern begleiteten Organisationsanalyse der Verwaltung. Auch zusätzliche Stellen zu schaffen, beispielsweise einen Liegenschaftsverwalter anzustellen, hält er nicht für ausgeschlossen.

Sein Wille zur Veränderung trifft in der Schule auf fruchtbaren Boden, ist Baiker überzeugt. «Die Schulleiter sind allesamt starke Persönlichkeiten und sie benötigen die Unterstützung durch einen engagierten und umsichtigen Chef. Ich bin es gewohnt, die Führung zu übernehmen, Menschen für meine Ziele und Anliegen zu gewinnen. Aber ich kann auch hartnäckig in der Sache sein.»

Zur Person
Markus Baiker ist 60 Jahre alt, verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Die Familie steht bei ihm an erster Stelle und zum Sporttreiben geht er am liebsten in die Berge. Der gelernte Elektriker wuchs in Kreuzlingen auf und hat einen Abschluss als Ingenieur an der Fachhochschule Konstanz erworben. In seiner Karriere hat er schon einige grosse Führungsaufgaben bewältigt. In Kreuzlingen kennt man den begeisterten Fasnächtler auch als Kopf der GEWA und des Seenachtsfests oder als ehemaligen CVP-Gemeinderat.

Markus Baiker hat sein Organisationstalent in seinem Leben vielfach unter Beweis gestellt. Unter anderem hatte er als «Head of Connectivity& Mobile» bei der Swisscom 240 Mitarbeitende unter sich und musste die Kostenverantwortung von 50 Millionen Franken jährlich tragen. Dass er auch über den Tellerrand schauen kann, ist seinem Lebenslauf ebenfalls zu entnehmen: Als junger Mann war er mit dem Zirkus Knie auf Tournee. Und auch heute noch bringt er mit den Emmishofer Narren Jahr um Jahr die Kreuzlinger zum Lachen.

Vielleicht ist diese Mischung aus Management und Manege genau das, was die Schule Kreuzlingen heute braucht.

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