/// Rubrik: Stadtleben

«Schule darf man nicht nur verwalten»

Kreuzlingen – Seraina Perini kandidiert fürs Schulpräsidium. Sie ist seit 30 Jahren im Bereich Schule und Bildungspolitik tätig ist und erfüllt alle für das Amt nötigen Voraussetzungen. Die Kreuzlingerin ist führungserfahren und bringt zusätzlich die Sichtweisen von Eltern, Lehrpersonen und Behördenmitgliedern mit.

Ihr Herz schlägt für die Schule: Seraina Perini. (Bild: zvg)

«Um die Kreuzlinger Schulen strategisch zu führen, benötigt es vielschichtige Erfahrung», ist Seraina Perini überzeugt. Sie sieht sich in dieser Hinsicht als Kandidatin mit gefülltem Rucksack und wird aktuell von SP, FDP und den BPW-Frauen unterstützt. Unter anderem, weil sie die verschiedenen Sichtweisen erfahren hat, die es an einer Schule gibt und die eine Schulpräsidentin kennen sollte: «Als Lehrerin haben mich andere Dinge beschäftigt denn als Mutter oder Behördenmitglied. Ich finde es wichtig zu wissen, wie der Gegenüber tickt. Und das ist nötig, wenn wir die Schule weiterentwickeln wollen», sagt sie. Denn mit diesem Ziel und um die Kreuzlinger Schule langfristig zu begleiten, ist sie zur Schulpräsidiumswahl angetreten.

Neben Schulleitern, Lehrpersonen und Eltern gibt es eine weitere Adresse, die im Bildungsbereich enorm wichtig ist und zu der Perini den Kontakt heute schon pflegt: den Kanton. Als Präsidentin trägt sie seit 2017 die strategische und finanzielle Verantwortung für die Organisation der Arbeitswelt Gesundheit und Soziales (OdAGS) und ist Verhandlungen mit der kantonalen Verwaltung gewohnt. «Wir müssen sicherstellen, dass die Ausbildung zeitgemäss und attraktiv ist», beschreibt sie ihr dortiges Aufgabengebiet, das man gut und gerne auch auf die Schule übertragen könnte.

Die OdAGS betreibt ausserdem ein Ausbildungszentrum – den dritten Lernort – wo Auszubildende praktisches Wissen für den Beruf lernen. Rund 900 Lernende und 100 Lehrpersonen sind hier unter ihrer Führung tätig. Man könnte sagen: Sie macht heute schon das im Kleinen, wofür sie sich als Schulpräsidentin bewirbt. Der OdAGS gehören ausserdem rund 120 Mitgliederbetriebe an.

Die Kreuzlinger Wahlberechtigten kennen sie indes als engagiertes Mitglied der Sekundarschulbehörde. Und Perini kennt die schulischen Themen und hat bereits bei der Umsetzung vieler Projekte mitgearbeitet. Sie präsidierte erfolgreich verschiedene Kommissionen: Dass Kreuzlingen heute eine Schule mit Tagesstruktur hat, fusst auch auf ihrer Arbeit.

Zur Person
Seraina Perini ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder im Alter von zehn, 15 und 18 Jahren. Sie ist in Kreuzlingen aufgewachsen, hat in Scherzingen als Lehrerin unterrichtet und war elf Jahre lang in der Sekundarschulbehörde. Sie ist kulturaffin, sportlich und ein Familienmensch. Während ihrer Zeit als Kulturbeauftragte an der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen konnte sie weitere Führungserfahrung sammeln und schloss ausserdem verschiedene Weiterbildungen im Bereich Führung und Management ab.

Ihre pädagogische Ausbildung sieht Perini vor diesem Hintergrund als Zusatz an, ohne den es nicht geht. Aber sie will sich auch nicht darauf reduzieren lassen. «Auf allen meinen verschiedenen beruflichen Stationen führte ich Menschen», erzählt die 49-Jährige. Unter anderem entwickelte sie Ausbildungskonzepte für Makler und leitete deren Ausbildung in einem grossen Immobilienunternehmen. Auch im Vereinsleben hat sie oftmals grosse Verantwortung übernommen, etwas als Präsidentin des Theaters an der Grenze oder als Stiftungsrätin im Seemuseum.

Aufgrund ihrer Lebenserfahrung sagt sie deshalb: «Eine Schule darf man nicht nur verwalten. Die Schule ist von der öffentlichen Hand finanziert, und deswegen sind die Mechanismen und Entscheidungswege andere als in der Privatwirtschaft.» In einem KMU sei es der Chef, der sein Team oder die Geschäftsleitung selbst zusammen stellt. An einer Schule hingegen wählt der Souverän. Dort müsse man Mehrheiten bekommen, denn die Behördenmitglieder sind gewählt – davon ist die dreifache Mutter überzeugt und darin hat sie Erfahrung.

So wäre auch ihr erster Schritt, mit allen Beteiligten – «auch mit denen, die mich nicht gewünscht haben» – an einen Tisch zu sitzen, die heutige Situation zu analysieren, und dann zu entscheiden, wie es weiter geht. Eine Schulpräsidentin kann nur zusammen mit den Schulleitungen und Behörden Entscheide fällen, sagt Perini. «Dann ist es auch möglich, etwas auszuprobieren. Man muss aber immer wieder diskutieren, in welche Richtung es geht. Das ist angesichts der schnellen gesellschaftlichen Entwicklungen, beispielsweise durch die digitalen Medien, auch gefragt. Eine Schulpräsidentin muss auf Aktuelles reagieren.»

Einer ihrer Slogans im Wahlkampf lautet «Zugang zur Bildung für alle». Für die Kreuzlingerin muss die Volksschule attraktiv bleiben. «Die Bürger sollen ihre Kinder gerne dort hinschicken. Das ist wichtig für den sozialen Frieden.»

Deswegen schätzt sie Projekte wie die Schulberatung sehr, die Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern Unterstützung in schwierigen Situationen bietet. Perini ist es wichtig, dass in Zukunft weiterhin sorgfältig mit den Finanzen umgegangen wird, aber trotzdem in Sinnvolles wie dieses Projekt investiert wird. Die finanzielle Situation beurteilt sie als gut, und ist der Meinung, dass der Schulbetrieb sehr gut funktioniert – auch wenn das für Aussenstehende aufgrund der negativen Schlagzeilen in letzter Zeit nicht immer den Anschein haben mag. «Ich finde es bemerkenswert, wie gut alles weiterläuft, obwohl viel Arbeit nebenbei gemacht werden muss», lobt sie das starke Engagement der Schulangestellten und der Behördenmitglieder.

Begeisterung für die Schule
Im Gespräch mit der 49-Jährigen ist ihre Begeisterung für schulische Belange jedenfalls deutlich zu spüren. Und diese Begeisterung weitergeben zu können, das scheint eines ihrer Persönlichkeitsmerkmale zu sein. Ganz deutlich wird das, wenn sie über Privates spricht, beispielsweise von ihrer Passion fürs Ballett. Ihr selbst war die grosse Bühne zwar versagt – sie hängte die Karriere als Tänzerin in der vierten Klasse an den Nagel – das Ballett liess sie aber nie los. Als Kulturbeauftragte an der Psychiatrischen Klinik in Münsterlingen hat sie sich in den vergangenen Jahren sehr angestrengt, diesen eleganten und künstlerischen Tanz auch Leuten nahezubringen, die bisher nichts damit anfangen konnten. Für die von ihr organisierten Ballett-Aufführungen und -Workshops erhielt sie überschwängliche Kritiken, und wer sie vor Ort besuchte und sah, wie sie als Schnittstelle zwischen Ensemblemitgliedern, Patienten und Klinikverwaltung funktionierte, merkte sofort: Seraina Perini hat alles im Griff.

Vielleicht ist diese Vielseitigkeit genau das, was die Schule Kreuzlingen heute braucht.

Lesen Sie auch unser Portrait mit Markus Baiker.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.