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Investition in die Zukunft der Gesellschaft

Kreuzlingen – Die CVP Kreuzlingen lud am 1. November zu einer Infoveranstaltung über Schulen mit Tagesstruktur in den Torggel Rosenegg. 2018 warteten 60 Kinder vergeblich auf einen Hortplatz. Berufstätige Eltern stellt dies vor ein grosses Problem. Im Februar 2019 hat das Stimmvolk die Möglichkeit, für einen Ausbau der Horte zu stimmen.

(Karin Helbling, Markus Blättler (m.) und Caesar Andres diskutierten die angedachten Verbesserungen bei der Hortversorgung. Bild: js)

Caesar Andres von der CVP Kreuzlingen moderierte das Podium mit Karin Helbling, Leiterin der Tagesstruktur, und Markus Blättler, Leiter der Primarschulen. Andres Partei setzt sich gemeinsam mit Stadt und Schulen für die Erweiterung der Horte ein: «Die Schulen mit Tagesstruktur sind ein wichtiges Angebot für Kreuzlingen und geben die Möglichkeit, Beruf und Familie zu verbinden», sagte er einleitend.

Das Projekt startete 2016 mit 110 Plätzen. Heute sind es 137. Für dieses Jahr gab es 300 Anmeldungen, aber nur 236 Kinder konnten aufgenommen werden, rund 60 haben keinen Platz bekommen. «Die finanziellen Mittel sind ausgeschöpft», meinte Karin Helbling. Diese werden benötigt, um Infrastruktur, wie Räumlichkeiten, und Personal zu erweitern. Ziel sei, für 20 bis 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Hortplatz bereitzustellen.

Die Plätze sind in vier Tagesmodule eingeteilt, wodurch mehr als ein Kind pro Platz betreut werden kann, da nicht jedes Kind den gesamten Tag im Hort ist. Ziel ist es bis in fünf Jahren 220 Plätze für 350 Kinder zu schaffen. Hierzu ergänzt Blättler: «Wir werden im Sommer 2019 noch nicht alles so verwirklichen können wie geplant.» Der Abbruch im Hort Tannegg sei auf jeden Fall angestrebt, denn die «Villa Kunterbunt» entspreche nicht den Sicherheitsstandards und sei «nicht mehr zumutbar». Dies bestätigte eine anwesende Mutter, deren Kind dort betreut wird.

Arbeitgeber sollen sich beteiligen

Dorena Raggenbass setzt sich aus städtischer Sicht für die Horte ein. (Bild: js)

CVP Nationalrat Christian Lohr meinte, er sei tief beeindruckt von den vielfältigen Aufgaben der Tagesbetreuung. «Ich finde es wichtig, dass die Stadt schnell diese wichtige Aufgabe wahrnimmt.» Allerdings sehe er im Publikum kaum einen Arbeitgeber, «dabei sollte man von ihnen stärkere Signale spüren.» Diese Meinung teilte Stadtrat Ernst Zülle: «Die Unternehmer könnten schon einen Beitrag an die Horte zahlen, wenn auch nur einen symbolischen.» Den Steuerzahlern immer mehr zuzumuten finde er schwierig. CVP Gemeinderat Thomas Dufner war nicht ganz einverstanden mit dem, was Zülle sagte. Er fände es zwar gut, wenn Gewerbe und Arbeitgeberverband einen symbolischen Betrag zahlten, doch beteiligten sie sich bereits durch ihre Steuern daran.

Aus dem Publikum wurde noch die Frage aufgeworfen, ob die Arche als Konkurrenz oder Entlastung angesehen werde. Der Primarschulleiter meinte, dass es im Hort Tannegg die kleinste Warteliste gebe, was darauf zurückzuführen sei, dass die Arche in der Nähe liege. Sie sei eine Bereicherung, «es ist ein Miteinander, kein Konkurrenzkampf».

Eine andere Mutter gab zu bedenken, dass es für viele schwierig sei im Beruf zu planen, wenn erst im Mai die definitive Zusage für einen Platz komme. Helbling sagte hierzu, dass es nicht eher ginge, da es ganz darauf ankäme, wie die Bevölkerung im Februar abstimme.

Eine Mutter mit deutschen Wurzeln, aber inzwischen stimmberechtigt, wies noch darauf hin, dass rund 50 Prozent der Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger nicht darüber abstimmen könnten, viele davon aber einen Hortplatz bräuchten. Das sei tatsächlich so, ergänzte Stadträtin Dorena Raggenbass, die die politischen Fragen beantwortete, daran dürfe man allerdings leider nichts ändern.

Lebensgestaltung muss woanders stattfinden
Harsch widerspricht Dufner dem Moderator Andres, der sich zunächst fragte, ob denn überhaupt beide Eltern arbeiten gehen und dadurch das Kind in den Hort geben müssten? Man solle als Eltern eben eine Wahl haben, wie man sein Leben gestalten wolle. «Lebensgestaltung» solle laut Dufner nicht mit Steuergeldern subventioniert werden: «Als Steuerzahler ist es mir ein Anliegen, dass diejenigen einen Platz bekommen, die einen brauchen und nicht die, die in Zürich ‹pöstele› oder morgens Tennisspielen möchten.»

Für eine bessere Einschätzung, wie dringend ein Hortplatz ist, «werden die Eltern künftig mehr Angaben zur beruflichen Situation geben müssen», so Helbling. «Bevorzugt werden die Kinder alleinerziehender Eltern und jüngere Kinder, da es schwieriger ist, sie gut unterzubringen.» Zudem müsse man sich nun jedes Jahr neu anmelden. Eine anwesende Mutter äusserte hierzu die Befürchtung, dass wenn sie sich jedes Jahr neu um einen Platz bewerben müsse, echte Schwierigkeiten bei der Arbeit bekommen werde. «Es soll hier nicht darum gehen, zu bibbern, ob man wieder einen Platz bekommt. Aber viele ruhen sich darauf jahrelang aus. Und wir wollen die Chance, dass auch andere reinkommen, dadurch erhöhen.»

Geschrieben von Judith Schuck

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