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Ein Franken für die Würde?

Leserbrief – Peter Hinderling aus Bottighofen erklärt, warum er die Kuhhorn-Initiative unterstützt.

(Bild: pixelio)

Romanshorn hat es, Wiedehorn hat es, Horn sowieso, auch im Hörnli steckt es; die Kuh hat es in der Regel nicht mehr: das Horn. Schade, wenn man bedenkt, wozu es dient. Es verleiht dem schwerfälligen Tier nicht nur eine würdevolle, stolze Ausstrahlung, es hat ganz bestimmte Funktionen. So klärt es die Hierarchie und die Kommunikation unter den Tieren: Eine Kuh zeigt der andern mit einer leichten Bewegung der Hörner, ob sie passieren darf oder nicht, sodass es gar nicht zu einem Hornstoss kommt. Das Horn dient der Körperpflege und man geht davon aus, dass es für den Wiederkäuer u.a. beim Stoffwechsel und dem ganzen Verdauungsprozess wichtig ist. Es ist – anders als z.B. das Geweih des Hirsches, das aus totem Knochenmaterial besteht und abgeworfen wird – durchblutet und mit Nervenbahnen versehen. Hörner sind anatomisch ein Teil der Schädeldecke und verbunden mit der Stirnhöhle. Sie wachsen ein Leben lang und zeigen das Alter und den Rang des Tieres an.

Eine Kuh mit fehlenden Hörnern ist vorsichtig ausgedrückt ein Wesen mit einer starken Beeinträchtigung. Interessant: Während die Forschung beim Menschen darauf hinzielt, mittels Genmanipulationen Erbkrankheiten und Handikapierungen möglichst auszumerzen, geschieht mit der Tierwelt genau das Gegenteil: Es wird versucht, einzelne Organe und Merkmale, die aus Sicht des Menschen unerwünscht und im Sinne des Profits nicht nützlich sind, beim Tier wegzuzüchten und Missbildungen mit Genveränderungen gezielt einzubauen. Genetisch hornlose Kühe sind schon lange Tatsache. Eine Entwicklung, die nicht nur aus ethischer Sicht spannend zu verfolgen sein wird.

Wie auch immer: Eine Kuh ohne Horn ist keine ganze Kuh. Ich stimme für die Hornkuh-Initiative und für die Würde der Kuh: Bauer erhält Geld, Kuh behält Horn.

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