/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

«Politik heisst verkaufen»

Kreuzlingen – Markus Brüllmann möchte Barbara Kern im Kreuzlinger Stadtrat beerben. Im Interview erzählt er von seinen politischen Anfängen, was Politik mit Verkaufen zu tun hat und was er gerne in Kreuzlingen verändern würde.

«Beim Boulevard hätte ich anders entschieden»,
sagt Stadtratskandidat Markus Brüllmann. (Bild: Emil Keller)

KLZ: Herr Brüllmann, wieso wollen Sie Stadtrat werden?
Markus Brüllmann: Der Zeitpunkt ist für mich ideal. Im Alter von 50 Jahren bin ich bereit etwas Neues anzufangen und meine Kinder können mittlerweile selber für sich sorgen. Zudem bringe ich 23 Jahre Erfahrung im Verkaufsaussendient mit. Ich weiss wie man Leute motiviert, Anliegen verkauft und neue Herausforderungen angeht.

Ist ein Politiker ein Verkäufer?
Die Mechanismen sind ähnlich. Das Ziel ist in beiden Fällen, eine Mehrheit für sein Anliegen zu finden. Dazu legt man alle Argumente auf den Tisch, beleuchtet diese, streicht die Vorteile heraus und nutzt sein Netzwerk, um weitere Leute mit ins Boot zu holen. Wenn man wie ich Jahrzehnte im Verkauf gearbeitet hat, dann bringt man seine Produkte nicht über den Preis an den Kunden. Es gilt für alle Vorteile herauszuarbeiten, damit beide Seiten langfristig glücklich sind.

Das hört sich jetzt sehr pragmatisch und weniger politisch an.
Bei den meisten Entscheidungen im Stadtrat geht es ja um das Lösen von sachpolitischen Fragen. Aber klar schwingt da immer auch die politische Meinung jedes Einzelnen mit.

Seit 2008 sitzen Sie im Kreuzlinger Gemeinderat. Wann haben Sie angefangen, sich für Politik zu interessieren?
Als es vor 25 Jahren um den EWR-Beitritt der Schweiz ging. Mein Vater war klar dagegen und voll auf der SVP Linie. Ich hingegen vertrat eine Politik der offenen Türen. Diese Diskussionen haben mich politisiert. In Güttingen half ich dann in Kommissionen oder machte mich für einen öffentlichen Begegnungsplatz stark. Als ich nach Kreuzlingen zog, bin ich dann relativ schnell der SP beigetreten und wirkte von 2006 bis 2015 im SP Vorstand mit. Mein Vater hat übrigens seine Meinung zum EWR-Beitritt mittlerweile geändert.

Weshalb sind Sie den Sozialdemokraten beigetreten?
Die Schnittmenge mit Themen, bei denen ich gleicher Meinung bin, ist bei der SP am grössten. Nachhaltige Energiegewinnung, eine soziale Politik sowie ein anständiger Umgang mit Minderheiten sind alles Dinge, die mir wichtig sind.

Ist es dann nicht schwierig, wenn fünf Stadträte mit unterschiedlichen politischen Ansichten eine Entscheidung fällen müssen?
In der SP sitzen ja auch nicht nur Jasager. Wir pflegen eine Streitkultur und ich denke, dass das auch im Stadtrat so gehandhabt wird. Wichtig ist, dass eine zusammen gefällte Entscheidung gegen aussen geschlossen vertreten wird.

Gibt es denn stadträtliche Entscheidungen, mit denen Sie nicht einverstanden sind?
Jetzt darf ich es ja noch sagen: Die Versuchsphase auf dem Boulevard hätte ich nicht frühzeitig beendet. Meiner Meinung nach hätte man den Kompromiss mit den Initianten für einen autofreien Boulevard durchführen müssen, so wie es von Anfang an abgemacht war. Nur so hätte man aussagekräftige Resultate erhalten. Jetzt sind die Erkenntnisse verwaschen.

Obwohl Sie der einzige Kandidat für den frei werdenden Sitz von Barbara Kern sind, betreiben Sie einen regen Wahlkampf. Weshalb?
Die Bevölkerung soll wissen, wer ich bin und wofür ich stehe. Dafür war ich auch in den Quartieren unterwegs und habe mir angehört, was die Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger bewegt.

Und was beschäftigt die Leute?
Die meisten sind gerne in Kreuzlingen zuhause. Der Verkehr hingegen ist ein Dauerthema. Das bedeutet für mich, dass wir den öffentlichen Verkehr weiter ausbauen müssen. Nur so wird sich der motorisierte Individualverkehr senken lassen.

In Kreuzlingen haben wir die spezielle Situation, dass die Hälfte der Einwohner nicht wählen darf.
Ein Umstand, den ich gerne ändern würde. Bei meiner Tür-zu-Tür Aktion habe ich mit vielen Ausländern gesprochen. Der Tenor war, dass man fünf Jahre hier leben sollte, bevor man mitbestimmen darf. Um Ausländern das kommunale Stimm- und Wahlrecht zu ermöglichen, müsste man die Verfassung auf Kantonsebene anpassen. Auch deshalb ist es mir derzeit wichtig zu erfahren, was die gesamte Bevölkerung beschäftigt.

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