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Signal für Lohngleichheit verschenkt

Kreuzlingen – Am Donnerstag hat eine rechtsbürgerliche Mehrheit aus SVP und FDP/EVP sowie Teilen der CVP das von der SP angestossene Postulat für Lohngleichheit im öffentlichen Sektor bachab geschickt. Die Genossen sind sauer.

Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer. (Bild: Goenz/pixelio.de)

Männer und Frauen sollten eigentlich gleich viel verdienen. Leider zeigt die Realität, dass dies nicht so ist, obwohl die Gleichberechtigung von Mann und Frau seit 1981 in der Verfassung verankert ist. Gemäss Bundesamt für Statistik verdienen Frauen in der Ostschweiz zehn Prozent weniger als Männer für dieselbe Arbeit. Und die Statistik zeigt: Je höher der Lohn, desto geringer ist der Frauenanteil.

Per Postulat vom 8. März hatte die SP den Stadtrat dazu aufgefordert, einen Beitritt zur «Charta der Lohngleichheit im öffentliche Sektor» zu prüfen. Die Charta ist ein Instrument, welches bisher 15 Kantone und 54 Gemeinden in der Schweiz unterzeichnet haben, unter anderem Altnau und Tägerwilen.

Stadtrat war dafür
Auch der Stadtrat wollte unterzeichnen. Die Exekutive argumentierte, der öffentlichen Hand komme eine Vorbildfunktion zu, gleiche Löhne zwischen Männern und Frauen zu fördern. Die SP-Fraktion hatte auf ein klares Ja gehofft, um einer Gesetzesgrundlage, die seit über 35 Jahren in Kraft ist, noch mehr Gewicht zur Durchsetzung zu geben.

Doch grosse Teile des Kreuzlinger Gemeinderats sahen dies anders. Mit 20 Nein bei 16 Ja und zwei Enthaltungen entsagten sie der stadträtlichen Empfehlung ihre Zustimmung.

Chauvis im Gemeinderat?
Die Sozialdemokraten sind empört. «Mit einer Arroganz und jovialen Lässigkeit wurde das vorherrschende Rollenbild der Frau der letzten fünfzig Jahren zementiert, um damit aufzeigen zu können, dass eine Lohngleichheit illusorisch ist», so eine Stellungnahme nach der Gemeinderatssitzung. Obwohl ein Grossteil der rechtsbürgerlichen Gemeinderäte Arbeitnehmer seien und von dieser Forderung profitieren könnten, schreibt die SP, sei eine Grundhaltung bereits im Grundsatz abgewürgt worden. Zusätzlich stellt sich der SP die Frage, ob die Gemeinderäte, die diese Charta ablehnen, als Arbeitgeber und Arbeitnehmer in führenden Positionen die Lohngleichheit in ihrem Betrieb überhaupt gewährleisten oder sich dadurch sogar Vorteile verschaffen wollen. Erstaunlich sei auch, dass die rechtsbürgerlichen Frauen diese konservative und Frauen diskriminierende Haltung mit unterstützen.

«Ich hoffe, dass der Stadtrat, trotz der Ablehnung im Gemeinderat diese Charta unterzeichnet und sich damit für die Lohngleichheit im öffentlichen Sektor weiterhin vorbildlich einsetzt», so SP-Präsident Cyrill Huber abschliessend.

Lesen Sie dazu auch den Leserbrief von SP-Gemeinderätin Elina Müller.

FDP/EVP-Fraktionspräsident Christian Brändli legt die Argumentation der Charta-Gegner dar.

SP-Gemeinderätin Charis Kuntzemüller-Dimitrakoudis brachte das Postulat ins Rollen.

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