/// Rubrik: Leserbriefe | Topaktuell

Im Jahr 2018

Leserbrief – Charis Kuntzemüller-Dimitrakoudis, von der SP/JUSO/GEW Fraktion Kreuzlingen, kommentiert die Entscheidung des Gemeinderates das «Charta für Lohngleichheit im öffentlichen Sektor» Postulat abzulehnen.

{Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Seit 1981 ist die Lohngleichheit von Frau und Mann in der Bundesverfassung festgeschrieben und noch immer erhalten Frauen gemäss dem Bundesamt für Statistik nur aufgrund ihres Geschlechtes, bei gleicher Ausbildung, Qualifikation und Berufserfahrung, nachweislich 7,4 Prozent weniger Lohn. Nebst dem Bund haben 15 Kantone und 54 Gemeinden, namentlich Städte wie Zürich, Bern, Winterthur, Wil und Schaffhausen, auch Thurgauer Gemeinden wie Wigoltingen, Salmsach, Tobel-Tägerschen, Bischofszell, Hüttlingen, Schlatt, Altnau und unser Nachbar Tägerwilen diese Charta unterschrieben und dadurch klar signalisiert, dass nun endlich Schluss mit der Lohnungleichheit sein soll.

Unter dem Deckmantel von übergeordnetem Recht und administrativem Aufwand wurde dieses wichtige Anliegen nun im Kreuzlinger Gemeinderat mal kurzerhand niedergeschmettert. Wie erklären diese Damen und Herren Gemeinderäte die Lohnungleichheit ihren Töchtern und dass sie selbst die Möglichkeit gehabt hätten ein klares Signal dagegen zu setzen?

Dass dieses Geld, jährlich 7,7 Milliarden Franken, nicht nur den Frauen, sondern auch deren Männern und ihren Familien, ganz zu schweigen den Sozialversicherungen und Renten fehlt, scheint ebenso wenig von Belang zu sein.

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3 thoughts on “Im Jahr 2018

  1. Hummel Barbara

    Liebe Charis, ich verstehe deine Enttäuschung, Die gibt dir aber nicht das Recht, Gegner dieser Charta pauschal als frauenfeindlich abzukanzeln. Ich lasse mich nicht auf diese Art und Weise unter Druck setzen. Was ihr an der Gemeinderatssitzung abgezogen habt, grenzt an Psychoterror. Noch ein Wort zur Statistik: Lohnungleichheiten entstehen primär nicht durch das Geschlecht, sondern durch die Honorierung von Ausbildung, Erfahrung und Dienstjahre. Eine 25 Jährige Person wird an einer gleichwertigen Position immer weniger verdienen als eine 50 Jährige, unabhängig vom Geschlecht und egal wie gut oder noch besser die Arbeit erledigt wird! Da müsste man ansetzen, wenn man etwas ändern will, denn allen Frauen, die Kinderpausen eingelegt haben, fehlen die entsprechenden Dienstjahre. Das sind nun mal wesentlich mehr als Männer und verfälschen somit diese Statistik ganz gewaltig.

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    1. Ruedi Herzog

      Liebe Barbara
      Wir sind uns alle bewusst, dass es Lohnunterschiede gibt, die aufgrund der Entscheidung von Frauen, sich für eine gewisse Zeit auf die Kinderbetreuung zu konzentrieren, zu erklären sind. Wir freuen uns natürlich auch darüber, dass die Erhöhung des städtischen Beitrags an die „Schule mit Tagesstrukturen“ von fast alle Fraktionen des Gemeindesrates unterstützt wurde. Das hilft, diese erklärbaren Lohnunterschiede zu reduzieren.
      Aber in der Diskussion im Gemeinderat ging es eben gerade nicht um diesen Anteil an den Lohnunterschieden!
      Ein Blick auf die Zahlen des Bundesamtes für Statistik (https://www.bfs.admin.ch/bfsstatic/dam/assets/2118701/master) zeigt nämlich, dass 42% der Unterschiede im Lohn zwischen Frauen und Männern in der Schweiz nicht durch persönliche Qualifikationsmerkmale (dazu gehört z.B. die Berufserfahrung) und andere objektive Kriterien erklärt werden können.

      Eine sachliche Diskussion dieser Tatsache und nicht ein Ausweichen auf alte, aber längst widerlegte Erklärungsmuster, tut Not und müsste uns überzeugen, dass weitere Schritte nötig sind. Zugunsten von uns allen: Frauen, Männern und Familien.

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    2. schiesser

      Sehr geehrte Frau Hummel, der sogenannte Gender Gap bei den Einkommensvergleichen zwischen Männern und Frauen liegt – nach Bereinigung aller objektiven Unterschiede – bei etwa 8 Prozent. Dieser Unterschied lässt sich weder durch mehr Teilzeitarbeit, noch Ausbildung, noch Erziehungspausen, noch unterschiedliche Berufswahl etc. erklären. Es gibt Wissenschaftler, die bestreiten, dass es Unterschiede in der Bezahlung zwischen Männern und Frauen gäbe – aber nicht einmal diesen ist es gelungen, diese Einkommenslücke von etwa 8 Prozent anders zu erklären, als durch die Geschlechtszugehörigkeit. An allem anderen muss man natürlich arbeiten, aber auch mit aller Arbeit ändert sich das Geschlecht nicht. Da bleibt einfach nur die Arbeit gegen die niedrigere Bewertung auf Grund des Geschlechts. Aber selbstverständlich haben Sie damit recht, dass man etwas dafür tun müsste, damit sich mehr Männer der Kindererziehung widmen und damit ihren Partnerinnen helfen, Fehlzeiten in der Berufslaufbahn auszugleichen.

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