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Nein zu Versicherungsspionen

Leserbrief – Veronika Färber, Daniel Moos, Urs Wolfender und Anna Rink aus Kreuzlingen sprechen sich deutlich gegen die Überwachung von Versicherten aus.

(Bild: archiv)

Das im Frühjahr vom Parlament erlassene Gesetz, welches den Sozialversicherungen ermöglicht, Versicherte bei Verdacht auf Missbrauch durch Detektive observieren zu lassen, ohne vorgängig eine richterliche Erlaubnis einholen zu müssen, verunsichert Patienten massiv. Insbesondere psychisch kranke Patienten sind auf Schutz und Sicherheit von aussen angewiesen. Druck, Kontrolle, Misstrauen verstärken den Krankheitsprozess! Neben der krankheitsbedingten tiefen inneren Verunsicherung, bedeutet Misstrauen von aussen eine zusätzliche Belastung: willkürliche Überwachung macht Angst, fördert paranoides Denken und behindert damit den Heilungsprozess.

Angst führt zu sozialem Rückzug. Überwachung fördert diese Tendenz. Gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen brauchen jedoch Aktivität und soziale Kontakte – in einem angstfreien Umfeld. Missbrauch ist inakzeptabel, Missbrauch von Versicherungsleistungen muss bekämpft werden – aber mit fairen Mitteln. Eine Überwachung und Kontrolle benötigt klare und transparente Kriterien, kein Denunziantentum, keine Willkür der Versicherer. Überwachungen dürfen nur Polizei oder Justiz anordnen und nicht die Versicherungen. Kranke sollten nicht schlechter behandelt werden als Straftäter. Unsere Gesellschaft benötigt Dialog statt Observation. Sozialversicherungen sollen die Schwächsten der Gesellschaft schützen und ihnen nicht schaden! Wir leben in einem Rechtsstaat, nicht in einem Überwachungsstaat.

Die Gesetzesvorlage widerspricht dem Schweizer Verständnis von Demokratie und gefährdet die Gesundheit unserer Gesellschaft. Die Verbindung der psychiatrisch-psychotherapeutisch tätigen Ärztinnen und Ärzte der Schweiz (FMPP) sagt Nein zu Versicherungsspionen. Zahlreiche Schweizer Erwachsenen- sowie Kinder- und Jugendpsychiater wehren sich gegen die Gesetzesvorlage und unterstützen das Referendum gegen das Gesetz zur Überwachung von Versicherten.

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