/// Rubrik: Region | Topaktuell

«Man vergoldet Ermatingen»

Ermatingen – Am Mittwoch, 21. November, fand in der Mehrzweckhalle Ermatingen die Gemeindeversammlung statt. Bei den Traktanden «Rathaussanierung» und «Budget» gab es einige Diskussionen und Entscheide gegen den Gemeinderat.

50 Jahre ist das Ermatinger Rathaus alt. Bis der neue Gemeindepräsident gewählt ist, wollen die Stimmbürger noch mit dem Umbau warten. {Bild: Jana Zellweger}

«Die Gemeinde Ermatingen ist im Wachstum, daher vergrössert sich auch die Gemeindeverwaltung», eröffnete Martin Stuber, Ermatingens Gemeindepräsident, die Budgetversammlung. Das Ratshaus an der Hauptstrasse ist rund 50 Jahre alt und soll mit einer Investition von 770’000 Franken saniert werden. «1969 wurde das Gebäude erbaut, geplant war es damals für rund 2’100 Einwohner. Im Dachgeschoss plante man eine Wohnung, die heute noch besteht», erklärte Stuber. Seit dem Bau des Rathauses gab es nur wenige Umbauten, so beispielsweise eine diskretere Schalterhalle.

Nun sei es an der Zeit, massiv auszubauen. Die Gemeindeverwaltung wächse stetig. «Vor allem im Bereich der Sozialen Dienste müssen wir aufstocken», so Stuber. Mit dem Büroausbau sollten auch Lift und Treppengeländer Suva-Konform werden. «Der Lift wird auch für eine Person im Rollstuhl benutzbar sein. Allerdings hätte er zu wenig Platz für Rollstuhl und Begleitperson.» In einem zusätzlichen Besprechungsraum im Erdgeschoss können Personen im Rollstuhl, die nur mit Begleitperson unterwegs sind, empfangen werden. Die grössten Umbauarbeiten finden im Dachgeschoss statt. Die Wohnung wird aufgelöst und daraus entstehen Büroräume. Geplant ist, dass unter anderem das Büro des Gemeindepräsidenten sowie das seiner Assistentin direkt unters Dach kommen.

Warten auf den neuen Gemeindepräsidenten
Bevor zur Abstimmung geschritten wurde, kam eine gewisse Unruhen in der Zuhörermenge auf. «Braucht es wirklich einen solchen enormen Umbau? Man vergoldet Ermatingen! Zuerst die Stedi und jetzt das Rathaus, wo führt das hin?», meinte Thomas Fischer aus Triboltingen. «Ich bin schockiert über die hohen Kosten.» Auch weitere Bewohner melden sich zu Wort. Die Frage stand im Raum, ob man dieses Vorhaben nicht um ein Jahr vertagen könne. «Wir wählen nächstes Jahr einen neuen Gemeindepräsidenten, dieser kann hier und heute nicht mitbestimmen», so Marco Dübendorfer aus Ermatingen. Gemeindepräsident Stuber erläuterte erneut, dass der Ausbau früher oder später kommen müsse, da schlichtweg Räumlichkeiten fehlen. Jedoch sei der Aufschub des Projektes möglich. Bei der Abstimmung zeigten sich die Stimmbürger klar mit 44 Stimmen für den Aufschub. Sie wollen den Umbau nicht ohne den neuen Gemeindepräsidenten bestimmen.

Vergünstigungen für Abos
Bei der Budgetvorstellung von Gemeinderat Benjamin Kasper wurde vor allem ein Punkt diskutiert. In der Budgetplanung fürs folgende Jahr wurden die Vergünstigungen für Zugabonnemente gestrichen. Sofort meldeten sich die Bewohner. «Ich finde es schade, dass genau bei den Schülern und Pensionierten, die von dieser Vergünstigung profitierten, gespart werden muss», so Hans Brugger aus Ermatingen.

«Diese Vergünstigung wurde eingeführt, um den Ticketschalter in Ermatingen am Leben zu erhalten. Da in naher Zukunft dieser Schalter sowieso schliesst, hat man die Subventionen im Budget nicht mehr einfliessen lassen», so Kasper. Der Antrag der Bevölkerung an den Gemeinderat, diese Vergünstigungen wieder ins Budget aufzunehmen, wurde mit grosser Mehrheit angenommen. So werden die Vergünstigungen an Zugabonnementen weiterhin bezahlt, solange es noch einen Schalter in Ermatingen gibt. Damit ist fürs nächste Jahr ein Defizit von rund 100’000 Franken geplant. «Wir haben ein kleineres Defizit als im Vorjahr», erläuterte Kaper. Dank der steigenden Bevölkerung generiert die Gemeinde viele Steuergelder. Beim Steuerfuss wird sich im kommenden Jahr nichts verändern.

Mahlzeitendienst braucht Unterstützung
Am Ende der Versammlung meldete sich noch Gemeinderätin Barbara Dösseger zu Wort. «Der Mahlzeiten- und Fahrdienst wird rege genutzt in der Region. Nach dem letzten Aufruf haben sich einige freiwillige Helfer gemeldet», so Dösseger. Nun werden Helfer gesucht, die sich um die Organisation kümmern. Zurzeit werden beide Dienste von einer bis zwei Personen betreut. «Es ist viel Aufwand, der kaum allein zu bewältigen ist.» Wer gerne helfen will, kann bei der Gemeinde nach den Kontaktdaten fragen. Die nächste Gemeindeversammlung wird am 27. Mai stattfinden. Die Rechnungsversammlung wird gleichzeitig die letzte für den Gemeindepräsidenten Martin Stuber im Amt sein.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.